In den letzten Jahrzehnten gab es Tendenzen, die von der Schriftlichkeit im Fremdsprachenunterricht weg hin zur aktiven Mündlichkeit weisen. Ein Hinweis hierauf sind die audiovisuelle und die audiolinguale Methode der Sprachlehre. Heutzutage wird mehr und mehr Wert darauf gelegt, dass in den Fremdsprachenunterricht kulturspezifische Aspekte miteinbezogen werden und das Schreiben wird wieder ins Zentrum gerückt, da insbesondere Studenten, die nicht in ihrem Heimatland studieren, in der Lage sein müssen, sich schriftsprachlich gut auszudrücken (vgl. Krischer 2002). Die Textarbeit gewinnt aufgrund dessen zunehmend an Bedeutung, was damit einhergeht, dass sich die Auswahl der Lesetexte erweitert; vorher wurden vorwiegend Gebrauchs- und Sachtexte behandelt, nun sind auch argumentative und literarische Texte Gegenstand des Unterrichts (vgl. Krischer 2002). Während in der Vergangenheit die Ansätze zur Schreibdidaktik eher produktorientiert waren, richtet sich nun das Interesse auf die Entstehung des Produkts, also den Schreibprozess an sich. Dies bedeutet, dass es nicht mehr nur auf die linguistischen Fertigkeiten des Lerners ankommt, wenn es darum geht, gute fremdsprachliche Texte zu schreiben, sondern auch auf zahlreiche andere Aspekte, die im Fremdsprachenunterricht vermittelt werden sollten....
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der muttersprachliche Schreibprozess
3. Das Schreiben in der Fremdsprache
3.1 Vom produktorientierten zum prozessorientierten Schreibprozess
3.2 Wichtige Aspekte im prozessorientierten Fremdsprachenunterricht
4. Die Förderung fremdsprachlicher Schreibfähigkeit an einem Beispiel
5. Erkenntnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Schreibprozesses in der Muttersprache und überträgt diese Erkenntnisse auf den fremdsprachlichen Kontext. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten einer prozessorientierten Schreibförderung aufzuzeigen und durch einen praktischen Unterrichtsentwurf zu veranschaulichen, wie Lernende effektiv beim Erwerb fremdsprachlicher Schreibkompetenz unterstützt werden können.
- Kognitive und linguistische Schreibprozessmodelle
- Unterschiede zwischen muttersprachlichem und fremdsprachlichem Schreiben
- Prozessorientierte Didaktik im Fremdsprachenunterricht
- Integration von Nähe- und Distanzsprache sowie Varietäten
- Praktische Umsetzung der Schreibförderung anhand eines Lehrwerkbeispiels
Auszug aus dem Buch
3.1 Vom produktorientierten zum prozessorientierten Schreibprozess
Während bei der Grammatik-Übersetzungs-Methode (17. bis Anfang 19. Jahrhundert) beim Schreiben der Produktcharakter im Vordergrund stand, betont die neuere Schreibdidaktik den Prozesscharakter. Im Gegensatz zum traditionellen Unterricht, der sich hauptsächlich durch starre Übersetzungsaufgaben und Textaufgaben zur Vermittlung von Sprachnormen auszeichnete, konzentriert sich die Prozessdidaktik auf den Prozess der Textproduktion (vgl. Pogner 1992). So ist es das Ziel der heutigen fremdsprachlichen Schreibförderung vom produktorientierten Schreiben zum prozessorientierten Schreiben zu gelangen:
[D]er Schreibprozeß vollzieht sich als ein komplexer Prozeß und nicht in der Addition von [...] mehreren Einzelprozessen. Dieser eine komplexe Prozeß ist naturgemäß in jeder Schreibsituation und bei jedem Schreibenden verschieden: er findet immer wieder neu statt, er variiert. Das Wesentliche an diesem Prozeß ist aber seine Prozeßhaftigkeit (Kästner 1997: 174).
Die einzelnen Ansätze der prozessorientierten Schreibdidaktik folgen weitestgehend dieser Erkenntnis, insbesondere in der Fremdsprache. Seitdem Didaktiker die einzelnen Teilprozesse kennen, ist es möglich, in den Schreibprozess einzugreifen und diesen zu vereinfachen (vgl. Kästner 1997). Dieter Wolff (1992) stellt einige prozessorientierte Methoden zur (fremd- und muttersprachlichen) Schreibförderung vor (siehe hierzu auch Punkt 5 dieser Arbeit). Indem man den Schreibprozess in einfachere Prozesse zerlegt oder auf einen Teilprozess fokussiert wird das Schreiben für den Lerner erleichtert. Wenn z.B. Inhalte bereit gestellt werden, werden Schwierigkeiten reduziert. Eine weitere Methode ist die „Verteilung von Lasten“ etwa durch Gruppenarbeit. Hilfreich ist auch das Bereitstellen oder das gemeinsame Erarbeiten von Techniken, wie bestimmte Teilprozesse gemeistert werden können, wie etwa durch eine Anleitung zur Einbeziehung des Lesers.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Wandel in der Fremdsprachendidaktik hin zur Prozessorientierung und definiert die grundlegenden Aspekte des Schreibbegriffs.
2. Der muttersprachliche Schreibprozess: Dieses Kapitel erläutert kognitive Modelle des Schreibens, insbesondere den Ansatz von Hayes & Flower, und beleuchtet die Zerdehnung der Kommunikation.
3. Das Schreiben in der Fremdsprache: Es werden spezifische Probleme und kognitive Mehrbelastungen beim fremdsprachlichen Schreiben analysiert sowie die Bedeutung linguistischer und pragmatischer Kompetenzen hervorgehoben.
3.1 Vom produktorientierten zum prozessorientierten Schreibprozess: Der Fokus liegt hier auf dem Paradigmenwechsel in der Didaktik und der methodischen Vereinfachung des komplexen Schreibprozesses durch gezielte Teilphasen.
3.2 Wichtige Aspekte im prozessorientierten Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel behandelt die Relevanz von Varietäten sowie die Unterscheidung zwischen konzeptioneller Nähe- und Distanzsprache.
4. Die Förderung fremdsprachlicher Schreibfähigkeit an einem Beispiel: Hier wird ein konkreter Unterrichtsentwurf auf Basis eines norwegischen Lehrwerks vorgestellt, der verschiedene Phasen der Schreibförderung praktisch anwendet.
5. Erkenntnisse: Das Fazit fasst die Relevanz eines Mittelwegs zwischen vorgegebenen Schreibaufgaben und freiem Schreiben zusammen und betont die Notwendigkeit individueller Unterstützung.
Schlüsselwörter
Schreibprozess, Fremdsprachenunterricht, Prozessorientierung, Schreibförderung, Textproduktion, Schreibdidaktik, Nähesprache, Distanzsprache, Schreibkompetenz, Deutsch als Fremdsprache, Schreibstrategien, Varietäten, angeleitetes Schreiben, kognitive Prozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Modellen des Schreibprozesses und deren Anwendung in der modernen Fremdsprachendidaktik, um die Schreibfähigkeit von Lernenden gezielt zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kognitive Psychologie des Schreibens, der Unterschied zwischen muttersprachlichem und fremdsprachlichem Schreiben sowie didaktische Konzepte zur Schreibunterstützung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Nutzen einer prozessorientierten Schreibdidaktik gegenüber klassischen, produktorientierten Ansätzen zu begründen und praktisch anwendbare Schritte für den Fremdsprachenunterricht aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse theoretischer Schreibprozessmodelle sowie um die konzeptionelle Entwicklung eines unterrichtspraktischen Beispiels zur Förderung der Schreibfertigkeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der Erläuterung muttersprachlicher Schreibmodelle über die spezifischen Herausforderungen in der Fremdsprache bis hin zu einer detaillierten praktischen Erarbeitung von Schreibphasen anhand eines norwegischen Lehrwerks.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Schreibprozess, Prozessorientierung, Schreibförderung, Distanz- und Nähesprache sowie Interimsprache sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Wie unterscheidet sich fremdsprachliches von muttersprachlichem Schreiben laut der Autorin?
Die Autorin betont, dass Fremdsprachenlerner mit zusätzlichen Problemen konfrontiert sind, wie etwa lexikosemantischen Schwierigkeiten und der Notwendigkeit, grammatische Enkodierung sowie Laut-Graphem-Umsetzung simultan zu bewältigen.
Warum wird im Beispiel ein angeleiteter Schreibprozess gewählt?
Ein angeleiteter Prozess wurde gewählt, da er sich für Unterrichtszwecke leichter dokumentieren lässt und den Lernenden durch ein Gerüst die notwendige Unterstützung bietet, um die Schreibhemmung zu reduzieren.
- Arbeit zitieren
- Doreen Fräßdorf (Autor:in), 2011, Das Schreiben in der Fremdsprache, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170099