1997 griff der Redakteur der französischen Le Monde diplomatique Ignacio Ramonet in einem äußerst plastisch-emotionalen Artikel ein fast 20 Jahre zuvor erdachtes Konzept wieder auf: die Besteuerung von Devisentransaktionen. Der spätere Nobelpreisträger James Tobin hatte ein solches Modell bereits kurz nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems erdacht, stieß aber in einem Klima des im Steigflug befindlichen Neoliberalismus’ größtenteils auf taube Ohren. Nachdem jedoch mehrere Währungskrisen in den 90’er Jahren das Vertrauen in ein liberal ausgestaltetes Wirtschaftssystem zumindest teilweise erschütterten hatten fand Tobins Idee neuen, von Globalisierungskritikern getragenen Nährboden. Organisationen wie „attac“ setzen sich seither für die Einführung dieser Art der Besteuerung von Devisentransaktionen ein, zielen dabei jedoch vermehrt auf deren Verwendung als auf die eigentliche, von Tobin intendierte ordinative Wirkung ab.
In vorliegender Arbeit soll nun das Konzept der Tobin Steuer einer genauen Prüfung im Bezug auf Konzeption und Wirkung unterzogen werden.
Gliederung
1. EINLEITUNG
2. DIE TOBIN STEUER
2.1. TOBINS PROBLEMANALYSE
2.1.1. DER ZUSAMMENBRUCH DES BRETTON-WOODS-SYSTEMS
2.1.2. AUSBRUCH AUS DEN FIXEN WECHSELKURSEN
2.2. AUSGESTALTUNG NACH JAMES TOBIN
2.3. MITTELZUFÜHRUNG UND VERWENDUNG
2.4. ZIELE
3. KRITISCHE BETRACHTUNG
3.1. POLITISCHE DURCHSETZBARKEIT
3.2. AUSWEICHREAKTIONEN
3.3. UNGEWOLLTE NEBENEFFEKTE
3.4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNGEN
4. EIN WEITERENTWICKLUNG – DIE SPAHN STEUER
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Tobin-Steuer auf ihre theoretische Konzeption, ihre politische Umsetzbarkeit sowie ihre potenziellen Auswirkungen auf die Stabilität der Finanzmärkte und die Autonomie des Nationalstaates.
- Historische Herleitung und ökonomische Problemanalyse der Tobin-Steuer.
- Methoden der Ausgestaltung und beabsichtigte Steuerungsziele.
- Kritische Analyse von Umsetzbarkeit, Ausweichreaktionen und Nebenwirkungen.
- Vergleichende Betrachtung der Spahn-Steuer als flexibles Alternativmodell.
- Evaluierung der Wirksamkeit in Bezug auf die Marktvolatilität.
Auszug aus dem Buch
2.4. Ziele
Tobin unterscheidet grundlegend nach drei Zielen, die er durch die Einführung einer Devisentransaktionssteuer zu erreichen gedenkt:
Oberste Priorität hat dabei die Eindämmung von kurzfristigen, der Realwirtschaft entrückten Investitionen, deren einziger Zweck die Spekulation bzw. Zinsarbitrage ist. Hierdurch sollen nicht mehr auf Fundamentaldaten beruhende Schwankungen von Wechselkursen unterdrückt werden. Dies wiederum soll die Stabilität und langfristige Orientierung von Märkten stärken und das Risiko von Finanzkrisen und Inflation möglichst minimieren.21
Zweites Ziel Tobin ist es, die seit dem Aufbrechen des Bretton-Woods-Abkommens zunehmend beschnittene Autonomie der nationalen Notenbanken und Regierungen im Bezug auf Wirtschafts- und Fiskalpolitik wiederherzustellen. Wie bereits anfangs erwähnt führen Spekulationen und v.A. Zinsarbitragegeschäfte dazu, dass eine an die Gegebenheiten und Bedürfnisse der lokalen Wirtschaft angepasste Politik unter freien Wechselkursen bei freier Konvertierbarkeit der Währungen kaum noch zu bewerkstelligen ist. Durch das Zurückdrängen eben dieser Störfaktoren verfolgt Tobin das Ziel der politischen Stärkung des Nationalstaates.22
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Entstehung des Konzepts der Devisentransaktionssteuer durch James Tobin im Kontext der Globalisierungskritik.
2. DIE TOBIN STEUER: Detaillierte Darstellung des Steuerkonzepts, der Problemanalyse der Finanzmärkte sowie der angestrebten politischen und ökonomischen Ziele.
3. KRITISCHE BETRACHTUNG: Untersuchung der politischen Durchsetzbarkeit, potenzieller Ausweichreaktionen sowie unerwünschter Nebenwirkungen der Steuer.
4. EIN WEITERENTWICKLUNG – DIE SPAHN STEUER: Vorstellung des dynamischen Alternativmodells von Paul B. Spahn zur besseren Steuerung von Wechselkursschwankungen.
5. FAZIT: Abschließende Bewertung der Steuerziele und das Fazit, dass die Tobin-Steuer vor allem den Diskurs über Probleme im Finanzsystem geschärft hat.
Schlüsselwörter
Tobin-Steuer, Devisentransaktionen, Wechselkurse, Spekulation, Zinsarbitrage, Volatilität, Finanzmarktregulierung, Neoliberalismus, Bretton-Woods-System, Spahn-Steuer, Kapitalmobilität, Nationalstaat, Wirtschaftspolitik, Finanzkrisen, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Konzept der Tobin-Steuer, eine vorgeschlagene Abgabe auf Devisentransaktionen, um Spekulationen einzudämmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Stabilität internationaler Finanzmärkte, die Autonomie nationaler Wirtschaftspolitik und die Kritik am Neoliberalismus.
Was ist das primäre Ziel der Steuer laut James Tobin?
Das Hauptziel ist die Eindämmung kurzfristiger, spekulativer Investitionen, um die Wechselkursvolatilität zu verringern und die Stabilität der Märkte zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, die existierende Konzepte sowie empirische Indizien aus anderen Handelsbereichen auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Problemanalyse, der Ausgestaltung des Steuermodells, der kritischen Auseinandersetzung mit Marktmechanismen und der Vorstellung der Spahn-Steuer.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Finanzmarktstabilität, Devisentransaktionssteuer, Volatilität und wirtschaftspolitische Autonomie bestimmt.
Warum ist das tertiäre Ziel der Entwicklungshilfe für Tobin zweitrangig?
Tobin betrachtete die Verwendung der Einnahmen für Entwicklungshilfe nicht als primäre Rechtfertigung, da der Fokus rein auf der ordnungspolitischen Stabilisierung der Märkte lag.
Was unterscheidet das Spahn-Modell vom ursprünglichen Tobin-Konzept?
Das Spahn-Modell zeichnet sich durch höhere Flexibilität aus, indem es bei normalen Schwankungen keine Steuer erhebt und erst bei einem Ausbruch aus einem Korridor massiv eingreift.
- Quote paper
- Julian Knab (Author), 2009, Die Tobin-Steuer, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170007