Vorliegende Arbeit untersucht den Rohstoffhandel aus finanzwirtschaftlicher Perspektive. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den verschiedenen derivativen Konstruktionen auf Rohstoffe. Trotz der zahlreichen Unterschiede zwischen einzelnen Rohstoffen und Rohstoffmärkten soll dabei ein ganzheitlicher Fokus gewahrt werden, der durch Beispiele und aktuelle empirische Erkenntnisse unterstützt wird. Die zentralen begrifflichen und inhaltlichen Grundlagen des Rohstoffhandels werden in Kapitel 2 vorgestellt. Besondere Betrachtung finden hierbei die für die einzelnen Rohstoffe und Rohstoffsektoren charakteristischen physikalischen Eigenschaften und Besonderheiten in der Angebots- und Nachfragestruktur dieser Rohstoffe. Diese werden im Hinblick auf die Betrachtung von Rohstoffen als Investitionsobjekt und Underlying für derivative Instrumente zusammengefasst und analysiert. Den Abschluss des zweiten Kapitels bildet eine Betrachtung der Rohstoffe als Assetklasse und ihrer Unterschiede zu anderen Assetklassen. Auf Basis dieser Grundlagen wird der Fokus in Kapitel 3 auf den Rohstoffhandel mit den unterschiedlichen Handelsformen, Instrumenten und Preisbildungssystemen gelegt. Das Kapitel schließt mit der Vorstellung der wichtigsten Risiken im Rohstoffhandel. Den, für die Betrachtung der Rohstoffe als Assetklasse wichtigen Rohstoffindizes, die auch selbst das Underlying vieler Derivate bilden, widmet sich Kapitel 4. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in Kapitel 5, das die in Kapitel 3 erstmals erwähnten derivativen Instrumente genauer beschreibt und zentrale Ansätze zu ihrer Bewertung vorstellt. Insbesondere wird hier der Einfluss der Besonderheiten der Underlyingkategorie Rohstoffe auf die Bewertung der Rohstoffderivate und ihre mathematische Modellierung betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1. Historische Entwicklung des Rohstoffhandels
2.2. Börslich gehandelte Rohstoffe
2.2.1. Rohstoffbegriff / Kategorisierung
2.2.2. Agrarprodukte
2.2.3. Industrierohstoffe
2.2.4. Energie
2.3. Rohstoff-Spreads
2.4. Besonderheiten der Underlyingkategorie Rohstoffe
2.5. Rohstoffe im Investmentkontext
3. Rohstoffhandel
3.1. Handelsformen und Preisbildung
3.2. Rohstoffbörsen
3.2.1. Charakterisierung der Rohstoffbörsen
3.2.2. Vorstellung ausgewählter Rohstoffbörsen
3.3. Darstellung ausgewählter Märkte für einzelne Rohstoffe
3.3.1. Der Goldmarkt
3.3.2. Der Elektrizitätsmarkt
3.4. Risiko im Rohstoffhandel
4. Rohstoffindizes
4.1. Überblick
4.2. Vorstellung der bedeutendsten Rohstoffindizes
4.3. Aktuelle Entwicklungen der Indizes
5. Rohstoffderivate
5.1. Forwards und Futures
5.1.1. Grundlagen
5.1.2. Die Cost-of-Carry-Bewertung von Financial Futures
5.1.3. Theory of storage / Convenience-Yield-Modell
5.1.4. Das Risk-Premium-Modell
5.1.5. Beziehung der Theory of Storage zu dem Risk-Premium-Modell
5.1.6. Stochastische Bewertungsmodelle für Rohstoff-Futures
5.1.7. Bewertung von Forwards und Futures auf nicht lagerfähige Rohstoffe
5.2. Rohstoff-Optionen
5.2.1. Grundlagen
5.2.2. Bewertung von europäischen Rohstoff-Optionen
5.2.2.1. Put-Call-Parität
5.2.2.2. Black-Scholes-Merton-Modell
5.2.2.3. Anwendung des Black-Scholes-Merton-Modells für die Bewertung von Optionen auf Rohstoff-Kassapreise
5.2.2.4. Bewertung von europäischen Rohstoff-Optionen mit dem Modell von Black
5.2.3. Exotische Rohstoff-Optionen
5.3. Rohstoff-Swaps und -Swaptions
5.3.1. Grundlagen
5.3.2. Bewertung von Rohstoffswaps
5.4. Sonstige Rohstoffderivate
5.4.1. Rohstoffzertifikate
5.4.2. Exchange Traded Funds (ETFs)
5.4.3. Contracts for Difference (CFDs)
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Rohstoffhandel und die dazugehörigen derivativen Konstruktionen aus finanzwirtschaftlicher Perspektive, mit dem Ziel, einen ganzheitlichen Fokus auf die Preisbildung und Risikobewertung zu legen.
- Historische Entwicklung des Rohstoffhandels und Kategorisierung von Rohstoffen
- Analyse verschiedener Handelsformen, Rohstoffbörsen und Preisbildungssysteme
- Untersuchung von Rohstoffindizes und deren Bedeutung im Investmentkontext
- Mathematische Modellierung und Bewertung von Rohstoffderivaten wie Futures, Optionen und Swaps
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Rohstoffbegriff / Kategorisierung
Rohstoffe, die in der finanzwirtschaftlichen Literatur auch als „Waren“ oder „Commodities“ bezeichnet werden, sind Objekte mehrerer Wissenschaftsdisziplinen. Viele Definitionen des Begriffs „Rohstoff“ implizieren dabei einen unverarbeiteten Rohzustand. An Rohstoffmärkten, wie beispielsweise den in Abschnitt 3.2. beschriebenen Rohstoffbörsen, werden aber auch Güter späterer Verarbeitungsstufen, beispielsweise Heizöl oder Schweinehälften gehandelt. Selbst Rohstoffe wie Gold oder Rohöl haben bereits einige Umformungen erfahren, bevor sie einen handelbaren Zustand erreichen. Dagegen können nach manchen Definitionen auch Güter wie z.B. Erde oder Sand als Rohstoff bezeichnet werden. Ihre sehr geringe wirtschaftliche Bedeutung macht allerdings die Entwicklung einheitlicher Märkte und damit fairer Preise unmöglich. Der finanzwirtschaftliche Rohstoffbegriff ist somit in klarer Abgrenzung zum „klassischen“ Rohstoffbegriff anderer Wissenschaftsdisziplinen zu interpretieren. In vorliegender Arbeit wird der Begriff Rohstoff definiert als fungible Waren der ersten Verarbeitungsstufen, die an Rohstoffbörsen oder ähnlichen Einrichtungen gehandelt werden können.
Üblicherweise werden Rohstoffe in Abhängigkeit von technologischen und stofflichen Merkmalen eingeteilt. Die für die Bewertung wichtigeren marktlichen Elemente werden hierbei nur unzureichend berücksichtigt. In vorliegender Arbeit wird für die Beschreibung der einzelnen Rohstoffe und Rohstoffmärkte (Kapitel 2 und 3) eine an Rudolph/Schäfer (2005) anlehnende Klassifikation zurückgegriffen. Diese Klassifikation, die sich an die Abgrenzungen nach der Havanna-Charta von 1948 und die Außenhandelsstatistik der Bundesrepublik Deutschland anlehnt, zeichnet sich durch ihre Übersichtlichkeit und Nähe zu den Aufteilungen der einzelnen Rohstoffbörsen aus. Sie unterscheidet zwischen drei großen Gruppen, den Agrarprodukten, Industrierohstoffen und Energie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die steigende Bedeutung von Rohstoffen als Assetklasse und den Fokus der Arbeit auf derivative Instrumente.
2. Grundlagen: Erläutert die historische Entwicklung, die Klassifizierung von Rohstoffen, Rohstoff-Spreads und die Rolle von Rohstoffen im Investmentkontext.
3. Rohstoffhandel: Analysiert Handelsformen, Preisbildungsmechanismen, Rohstoffbörsen, spezifische Märkte (Gold, Strom) sowie Risikokategorien.
4. Rohstoffindizes: Gibt einen Überblick über die Funktion von Rohstoffindizes, stellt bedeutende Indizes wie den RJ/CRB oder S&P GSCI vor und analysiert aktuelle Entwicklungen.
5. Rohstoffderivate: Detaillierte mathematische Bewertung von Futures, Optionen, Swaps und weiteren Derivaten unter Berücksichtigung von Modellen wie Cost-of-Carry und Black-Scholes.
6. Zusammenfassung: Führt die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zur Heterogenität der Rohstoffmärkte und den Herausforderungen der Preisbildung zusammen.
Schlüsselwörter
Rohstoffhandel, Rohstoffderivate, Rohstoffbörsen, Rohstoffindizes, Futures, Optionen, Swaps, Preisbildung, Hedging, Commodity, Terminkontrakte, Theory of Storage, Convenience Yield, Volatilität, Risikoprämie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem internationalen Rohstoffhandel und der Bewertung der darauf basierenden derivativen Finanzinstrumente.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen des Rohstoffhandels, der Organisation von Rohstoffbörsen, der Analyse von Rohstoffindizes sowie der mathematischen Bewertung von Derivaten wie Futures, Optionen und Swaps.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen ganzheitlichen Überblick über die Preisbildung und die Bewertung von Rohstoffderivaten unter Berücksichtigung der spezifischen physikalischen und marktlichen Eigenschaften von Rohstoffen zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalyse und vergleicht theoretische Bewertungsmodelle (wie Cost-of-Carry oder Black-Scholes) mit der empirischen Realität an den Rohstoffmärkten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Grundlagen (Kategorisierung, Historie), den operativen Handel (Börsen, Preisbildung), die Analyse von Rohstoffindizes sowie eine detaillierte finanzmathematische Bewertung verschiedener Derivatetypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Rohstoffhandel, Derivate, Futures, Optionen, Börsen, Preisbildung, Rohstoffindizes, Hedging und Bewertungsmethoden.
Warum ist die Klassifizierung von Rohstoffen für die Bewertung wichtig?
Da Rohstoffe unterschiedliche physikalische Eigenschaften (Lagerfähigkeit, Saisonalität) aufweisen, sind standardisierte Bewertungsmodelle oft nicht direkt anwendbar, was eine Differenzierung nach Kategorien wie Agrar, Industrie oder Energie erforderlich macht.
Welche Rolle spielt die "Theory of Storage" in dieser Arbeit?
Sie wird genutzt, um die Beziehung zwischen Kassa- und Terminpreisen zu erklären, wobei der "Convenience Yield" als wesentlicher Faktor für die Bestimmung der Preisstruktur (Contango oder Backwardation) fungiert.
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- Mathias Metzger (Author), 2010, Rohstoffhandel und Rohstoffderivate, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169962