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Regionale Menschenrechte? Eine Zusammenstellung kulturspezifischer Formulierungen eines universellen Prinzips

Titel: Regionale Menschenrechte? Eine Zusammenstellung kulturspezifischer Formulierungen eines universellen Prinzips

Bachelorarbeit , 2010 , 49 Seiten

Autor:in: Bachelor of Arts Thomas Kraatz (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Haben Menschenrechte geistesgeschichtliche Wurzeln in allen großen Kulturen der Erde, oder sind sie nur ein spezifisch westliches Konstrukt?
In seiner Bachelorarbeit klärt der Autor diese Frage, indem er sowohl Rechtsdokumente, als auch Religionen und Philosophien des Westens und des Ostens vorstellt und miteinander in Beziehung setzt. Dabei stellt sich heraus, dass das Prinzip der Menschenrechte universell ist.
Im zweiten Kapitel werden zunächst die Genese und erste Dokumente des Menschenrechts im Westen vorgestellt. Die Verbindung mit dem Naturrecht und die individualistische Auffassung stellen sich dabei als besondere Merkmale heraus.
Im Gegensatz dazu weisen die im dritten Kapitel untersuchten Rechtsdokumente Asiens und Afrikas mehr Kollektivrechte und Pflichten auf. Dennoch lassen sich viele Übereinstimmungen, vor allem zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, finden.
Im Zwischenfazit wird festgehalten, dass alle Erklärungen einen mehr oder minder starken Mangel an der Durchsetzung aufweisen. Daher haben diese Texte eher moralische als praktische Bedeutung, was nicht unbedingt negativ zu werten sein muss.
Die im dritten Kapitel aufgefundenen Unterschiede werden im vierten Kapitel auf ihre Ursachen hin untersucht. Hier werden Ansätze des Menschenrechts im Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Konfuzianismus und im Islam gesucht. In den ersten beiden Religionen lassen sich viele Ansätze finden, was der Offenheit und dem humanistischen Anspruch zuzuschreiben ist. Die chinesischen Konzepte sind zwar sehr gemeinschaftszentriert, was so stark im Westen nicht vorkommt, dennoch sind bspw. die konfuzianische Idee der Mitmenschlichkeit und die Bedeutung des Einzelnen als Teil der Gesellschaft elementare Voraussetzungen für die Idee des Menschenrechts. Der Islam hat zwar eine stark exklusive Komponente, weist aber innerhalb der umma (musl. Gemeinschaft) Ansätze des Menschenrechts auf. Hier wird festgestellt, dass es einer "islamischen Aufklärung" bedarf.
Im Fazit wird dargelegt, dass das Menschenrecht in allen Kulturen vorkommt. Der Autor plädiert dafür, die Unterschiede als mögliche Ergänzungen zu verstehen, um den kulturell geprägten eigenen Standpunkt zu erweitern. Anstatt sich voneinander abzugrenzen ist es nötig und möglich, voneinander zu lernen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Vorgehen und Ziele der Arbeit

1.2 Präzisierung der Fragestellung

2. Geschichte des MR im westlichen Kulturkreis

2.1 Entstehung des MR aus dem System des NR

2.2 Grundlagen und erste Dokumente

2.3 Die Positivierung des MR im 20. Jahrhundert

2.3.1 Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte

2.3.2 Die europäische Menschenrechtskonvention

2.3.3 Die amerikanische Menschenrechtskonvention

3. MR-Dokumente außerhalb der westlichen Kultur

3.1 Banjul-Charta

3.2 MR in der islamischen Welt

3.3 Bangkok-Deklaration (1993)

4. Anknüpfungen in asiatischer Philosophie und Religion

4.1 Vorbemerkungen

4.2 Hinduismus

4.3 Buddhismus

4.4 Daoismus

4.5 Konfuzianismus

4.6 Islam

5. Fazit – regionale Menschenrechte!

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die These zu widerlegen, dass Menschenrechte ausschließlich an den westlichen Kulturkreis gebunden sind. Durch eine interkulturelle Untersuchung westlicher Rechtsdokumente sowie religiöser und philosophischer Traditionen Asiens und der islamischen Welt soll eine Synthese zwischen regionalen Ausprägungen und dem universellen Anspruch der Menschenrechte hergestellt werden.

  • Analyse der historischen Entwicklung von Menschenrechten im westlichen Kulturkreis.
  • Untersuchung von regionalen Menschenrechtsdokumenten außerhalb des Westens.
  • Erforschung von Menschenrechtsanknüpfungen in asiatischen Religionen und Philosophien.
  • Diskussion der Vereinbarkeit von kultureller Pluralität und universellen Prinzipien.
  • Synthese regionaler Wertvorstellungen mit globalen Standards.

Auszug aus dem Buch

2.1. Entstehung des MR aus dem System des NR

Die folgende Untersuchung zum Zusammenhang von MR und NR ist Teil der westlichen Tradition, die die Idee der MR aus der Tradition des NR-Denkens entspringend ansieht (Schwinger, 2001, Seite 1). Dennoch werden sich die Grundgedanken, insbesondere das Konzept der Menschenwürde, als universal herausstellen.

Das NR wird als den Menschen als biologische Gattung betrachtend und ihm objektive Menschenpflichten auferlegend aufgefasst (Neschke-Hentschke, 2009, Seite 19). Als ein Grundgedanke ist dabei die Forderung anzusehen, dass der Staat den elementaren Bedürfnissen seiner Bürger entgegenkommen muss. In diesem politischen Anspruch, der noch tiefer geht, liegt ein elementarer Unterschied zum MR. Schon das klassische NR entsprach der Lehre vom besten Regime (Strauss, 1956, Seite 148).

In seinem Buch „Naturrecht und Geschichte“ spricht Leo Strauss von der Entdeckung des NR durch die ersten Philosophen (Strauss, 1956, Seite 83). Das NR entspricht demnach einem Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchung. Die wichtigste Voraussetzung dieser Untersuchung ist die Unterscheidung zwischen Konvention i.S.v. staatlich-Künstlichem, und Natur i.S.v. Vorstaatlichem (Strauss, 1956, Seite 95). Das NR darf dem positiven Recht nicht gleich gestellt werden. Es ist diesem vielmehr übergeordnet (Haratsch, 2002, Seite 9).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Universalität oder Kulturspezifität von Menschenrechten und umreißt das methodische Vorgehen der Arbeit.

2. Geschichte des MR im westlichen Kulturkreis: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Menschenrechte aus dem Naturrechtsdenken und der Aufklärung nach und betrachtet zentrale westliche Dokumente.

3. MR-Dokumente außerhalb der westlichen Kultur: Hier werden regionale Menschenrechtsinstrumente wie die Banjul-Charta und die Bangkok-Deklaration analysiert, um Gemeinsamkeiten und Differenzen zum westlichen Verständnis aufzuzeigen.

4. Anknüpfungen in asiatischer Philosophie und Religion: Dieses Kapitel destilliert Konzepte aus Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Konfuzianismus und Islam, die Anknüpfungspunkte an universelle Menschenrechte bieten könnten.

5. Fazit – regionale Menschenrechte!: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und argumentiert, dass die Vielfalt regionaler Formulierungen die Universalität der Menschenrechte eher beweist als widerlegt.

Schlüsselwörter

Menschenrechte, Naturrecht, Universalität, Kulturspezifität, Westliche Tradition, Asiatische Philosophie, Islam, Menschenwürde, Banjul-Charta, Bangkok-Deklaration, Rechtsgeschichte, Interkultureller Dialog, Pflichtenethik, Menschenrechtsschutz, Wertekonsens.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob Menschenrechte ein rein westliches Konstrukt sind oder ob sich in anderen Kulturen, Religionen und Philosophien Anknüpfungspunkte für ein universelles Verständnis finden lassen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Geschichte der Menschenrechte im Westen, regionale Menschenrechtsdokumente in Afrika, Asien und der islamischen Welt sowie deren philosophische und religiöse Wurzeln.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Das Hauptziel ist die Widerlegung der Behauptung, dass Menschenrechte ausschließlich westlich geprägt seien, indem eine Synthese aus regionalen Vorstellungen und einem universellen Anspruch hergestellt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine ideengeschichtliche und rechtsvergleichende Methode, um Dokumente und philosophische Lehren zu analysieren und in einen globalen Kontext zu setzen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung westlicher Rechtsgeschichte, die Analyse spezifischer regionaler Menschenrechtsverträge und die eingehende Betrachtung asiatischer sowie islamischer Denktraditionen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die zentralen Begriffe sind Menschenrechte, Universalität, kulturelle Pluralität, Menschenwürde sowie das Spannungsfeld zwischen individuellen Rechten und kollektiven Pflichten.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Menschenrechten im Islam von westlichen Standards?

Der Autor stellt fest, dass islamische Konzepte häufig theozentrisch geprägt sind und Menschenrechte oft unter den Vorbehalt der Scharia gestellt werden, was zu Spannungen bei Themen wie der Gleichberechtigung führt.

Welche Rolle spielen religiöse Traditionen bei der Begründung von Menschenrechten?

Religiöse Traditionen wie der Buddhismus oder Konfuzianismus bieten laut Autor ethische Grundlagen, die trotz anderer Begründungswege inhaltlich mit menschenrechtlichen Postulaten wie der Menschenwürde korrespondieren können.

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Regionale Menschenrechte? Eine Zusammenstellung kulturspezifischer Formulierungen eines universellen Prinzips
Hochschule
Universität Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Bereich politische Theorie und Philosophie)
Autor
Bachelor of Arts Thomas Kraatz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
49
Katalognummer
V169940
ISBN (Buch)
9783640884384
ISBN (eBook)
9783640884667
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschenrecht Naturrecht allgemeine Erklärung der Menschenrechte Banjul Charta europäische Menschenrechtskonvention amerikanische Menschenrechtskonvention Kairoer Erklärung arabische Charta der Menschenrechte allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Islam Hinduismus Buddhismus Islam Konfuzianismus Taoismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Thomas Kraatz (Autor:in), 2010, Regionale Menschenrechte? Eine Zusammenstellung kulturspezifischer Formulierungen eines universellen Prinzips, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169940
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Leseprobe aus  49  Seiten
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