Der Essay beschäftigt sich mit der Einflussnahme von Kulturstaatsminister Neumann auf die Ausstellung „Fremde? Bilder von den ,Anderen‘ in Deutschland und Frankreich seit 1871“, die vom 16. Oktober 2009 bis zum 21. Feburar 2010 im Deutschen historischen Museum in Berlin in der Ausstellungshalle von I. M. Pei gezeigt wurde.
Mit Tony Bennett geht der Essay davon aus, dass das Museum und der Staat eng miteinander verknüpft sind und bewertet diese Verknüpfung an dem Beispiel der genannten Ausstellung.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Deutsche Historische Museum Berlin und der Einfluss der Regierung
1.1 Die Ausstellung „Fremde“
1.2 Der Eingriff durch den Staat
1.3 Das Deutsche Historische Museum
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die enge Verflechtung von staatlichen Institutionen und musealer Wissensvermittlung am Beispiel des Deutschen Historischen Museums (DHM). Dabei wird analysiert, wie politische Einflussnahme und Zensur bei der Gestaltung von Ausstellungsinhalten die historische Darstellung beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf die demokratische Teilhabe und die Konstruktion von Geschichtsbildern hat.
- Staatliche Einflussnahme auf museale Inhalte
- Die Rolle des Deutschen Historischen Museums als staatliche Institution
- Konstruktion von Fremdbildern im historischen Kontext
- Der Begriff des „narrativen Fetischismus“ in der Museumspraxis
- Verhältnis zwischen Politik und historischer Aufarbeitung
Auszug aus dem Buch
Der Eingriff durch den Staat
Um die Ausstellung hat sich eine Diskussion entwickelt, die im November 2009 von der Zeit erstmals in die Öffentlichkeit gebracht wurde. In den Text der einer jener Tafeln wurde von Seiten der Regierung eingegriffen. Dem Sprecher des DHMs zufolge wurde diese Texttafel „auf ausdrücklichen Wunsch des im Kanzleramt angesiedelten Kulturstaatsministers ausgetauscht“. In der ursprünglichen Version des Textes, wie er von den Kuratoren geschrieben wurde, war zu lesen:
„Neue Gesetze über Staatsangehörigkeit und Zuwanderung schufen erst seit der Jahrtausendwende die neuen Rechtsgrundlagen. Während innerhalb Europas die Grenzen verschwinden, schottet sich die Gemeinschaft der EU zunehmend nach außen ab. Die ,Festung Europa‘ soll Flüchtlingen verschlossen bleiben.“
In der Fassung, die nun dem Publikum zugänglich ist, heißt es stattdessen:
„Neue Gesetze über Staatsangehörigkeit und Zuwanderung schufen erst seit der Jahrtausendwende die neuen Rechtsgrundlagen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert seitdem staatlicherseits die Integration von Zuwanderern in Deutschland.“
Der Eingriff ist nicht unerheblich und verändert die Aussage der Ausstellungsmacher deutlich. Das Fazit der Kuratoren wird entschärft. Zudem ist die Ausstellung von Seiten des Kulturstaatsministeriums, durch Neumanns Stellvertreterin Ingeborg Berggreen-Merkel, in einer Rede öffentlich kritisiert worden:
„Insgesamt leiste diese Ausstellung zwar einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte von Fremdbildern und Fremdenfeindlichkeit, sagte Berggreen-Merkel. Gleichzeitig werde in den Begleittexten zu den Exponaten jedoch ein zu negatives Bild vom eigentlich doch offenen und toleranten Deutschland gezeichnet. Aber das sei natürlich Sache der Ausstellungsmacher, die diese Texte zu verantworten hätten, so die Ministerialdirektorin.“
Das Ministerium, das in der Förderung des Unternehmens beteiligt war, hat die Ausstellung zensiert und öffentlich kritisiert. An diesem Beispiel lassen sich eine Reihe Überlegungen erwähnen, die mit dem Museum und mit seiner Geschichte eng verbunden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Deutsche Historische Museum Berlin und der Einfluss der Regierung: Einleitende Betrachtung der Ausstellung „Fremde“ und der politischen Einflussnahme auf deren inhaltliche Ausrichtung.
1.1 Die Ausstellung „Fremde“: Analyse des Konzepts und der kuratorischen Gestaltung der Ausstellung sowie ihrer Wirkung auf die Wahrnehmung von Fremdheit.
1.2 Der Eingriff durch den Staat: Detaillierte Untersuchung des Zensurvorgangs an einer Texttafel und der anschließenden öffentlichen Kritik durch das Kulturstaatsministerium.
1.3 Das Deutsche Historische Museum: Kritische Reflexion der Dauerausstellung und der generellen Verknüpfung von Museum und Staatsmacht.
Schlüsselwörter
Deutsches Historisches Museum, Zensur, Kulturstaatsministerium, narrative Fetischismus, Ausstellungsgeschichte, Fremdbilder, politische Einflussnahme, Geschichtsvermittlung, Herrschaftsgeschichte, öffentliche Ordnung, Demokratieverständnis, Museologie, Staat, Machtverhältnisse, Erinnerungskultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der engen Verschränkung von Politik und Museumsarbeit am Beispiel des Deutschen Historischen Museums und der kritischen Analyse politischer Einflussnahme auf Ausstellungsinhalte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die staatliche Zensur in der Museumspraxis, die Konstruktion von Geschichtsbildern und das Machtverhältnis zwischen staatlichen Geldgebern und kulturellen Institutionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu hinterfragen, wie staatliches Einmischen in museale Inhalte die demokratische Bildung einschränkt und welche Konsequenzen dies für die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt die diskursanalytische Betrachtung und bezieht sich dabei auf theoretische Ansätze der Museologie, insbesondere den Begriff des „Exhibitionary Complex“ nach Tony Bennett.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkret den Zensurvorgang bei der Ausstellung „Fremde“, die Rolle des Kulturstaatsministeriums sowie die strukturelle Ausrichtung des DHM als staatliche Institution.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Zensur, narrativer Fetischismus, Staatsnähe, Geschichtspolitik und die Rolle des Museums als Erziehungsinstrument.
Wie bewertet der Autor den Eingriff in die Texttafeln?
Der Autor wertet den Eingriff als eine inhaltliche Zensur, die das Fazit der Kuratoren entschärft und die Aussage der Ausstellung zugunsten eines staatlich konformen Narrativs manipuliert.
Welchen Bezug stellt der Autor zum Begriff des „narrativen Fetischismus“ her?
Der Autor nutzt diesen Begriff, um zu verdeutlichen, wie das Museum versucht, eine integrierte, harmonische Gesellschaft zu inszenieren, anstatt sich den tatsächlichen, komplexen Problemen der Gegenwart zu stellen.
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- B.A. Christoph Mayr (Author), 2010, Das DHM und der Einfluss der Regierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169481