Überblick über die Entwicklungs des politischen Systems Brasiliens seit der Unabhängigkeitserklärung bis zur heutigen Verfassung. Besonderer Fokus liegt auf der Rolle Elite bezüglich der diversen Verfassungsänderungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Das Phänomen des coronelismo
3. Entstehung eines unabhängigen Brasilianischen Staates
4. Die jungen Jahre der Republik
5. Die Ära Vargas – Der Estado Novo
6. Die Ära Vargas - Annäherung an eine demokratische Gesellschaft
7. Die Militärdiktatur
8. Der Übergang von der Militärherrschaft zur Demokratie
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den maßgeblichen Einfluss der brasilianischen Eliten auf die Entwicklung des politischen Systems von der Unabhängigkeitserklärung 1822 bis zur Verfassung von 1988. Dabei wird analysiert, wie verschiedene elitäre Gruppierungen durch ihre wirtschaftliche Macht und politische Interessenvertretung die staatliche Struktur beeinflussten, veränderten und teilweise in autoritäre Bahnen lenkten.
- Das Konzept des coronelismo als Machtinstrument der Landbesitzer
- Die Rolle der verschiedenen Verfassungen als Spiegel elitärer Interessen
- Die Ära Vargas und der Wandel zum Estado Novo
- Dynamiken zwischen zivilen Eliten und dem Militär
- Der komplexe Übergang von der Militärdiktatur zur Demokratie
Auszug aus dem Buch
Die junge Jahre der Republik
Das Kaiserreich endete mit der Ausrufung der Republik 1889. Der Sturz der Monarchie war bedingt durch einen Vertrauensverlust der Oligarchien, einer Bürgerbewegung, dem Aufstand der Militärgarnison von Rio de Janeiro, sowie die Aufhebung der Sklaverei, wobei besonders die letzten beiden entscheidend waren (Paul 1994: 198).
Von 1841 an regierte Pedro II, Sohn von Pedro I, Brasilien. In dieser Zeit war Brasilien von Aufständen und separatistischen Bewegungen gekennzeichnet, welche durch die Nationalgarde regelmäßig niedergeschlagen wurden. Dies führte jedoch nicht zu einem verbesserten Ansehen des Militärs bei Hofe. Erst die La-Plata-Kriege und der Krieg gegen Paraguay, welche siegreich waren, führten zu einem erstarkten Selbstbewusstsein des Militärs. Dies hatte zur Folge, dass das Militär forderte, am politischen Leben beteiligt zu werden. Die Militärs unterstützen die Ideen der Exaltados (Veser 1993: 38).
Neben dem Streben der Militärs, war vor allem die Abschaffung der Sklaverei bedeutsam. Pedro II wurde gegen Ende seiner Regentschaft zunehmend apathischer, was Unruhen in der Bevölkerung hervorrief. Seine Tochter Isabel verkündete auf Drängen des Klerus das lei àurea, das goldene Gesetz, welches die Sklaverei endgültig verbot. Dies lieferte einer Allianz aus Großgrundbesitzern und Militärs den Grund, die Monarchie unwiderruflich zu beenden. Jedoch waren die Beweggründe unterschiedliche. Während die Großgrundbesitzer ihren Mangel an billigen Arbeitskräften einbüßten und daher die Monarchie beendeten, sahen die Militärs ihre Chance einen föderativen und republikanischen Staat zu schaffen (Veser 1993: 38). Schon hier werden die diversen elitären Gruppen und ihr Einfluss deutlich. Während der Klerus sich in Bezug auf die Sklavenabschaffung durchsetzte, konnten fazendeiros und Militärs den Regierungs- und Systemwechsel herbeiführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung definiert die Fragestellung nach dem Einfluss der Eliten auf das brasilianische politische System und skizziert den zeitlichen Rahmen der Untersuchung.
2. Das Phänomen des coronelismo: Dieses Kapitel erläutert den coronelismo als Herrschaftsprinzip, bei dem Großgrundbesitzer ihre wirtschaftliche Macht zur Etablierung politischer Kontrolle nutzen.
3. Entstehung eines unabhängigen Brasilianischen Staates: Der Prozess der Unabhängigkeit von Portugal und die Etablierung der ersten, durch elitäre Kompromisse geprägten Verfassung von 1824 werden hier analysiert.
4. Die jungen Jahre der Republik: Es wird der Übergang von der Monarchie zur Republik thematisiert, getrieben durch das erstarkte Militär und die Abschaffung der Sklaverei.
5. Die Ära Vargas – Der Estado Novo: Dieses Kapitel beleuchtet den Aufstieg von Getúlio Vargas und die Etablierung eines korporatistischen Systems unter dem Estado Novo.
6. Die Ära Vargas - Annäherung an eine demokratische Gesellschaft: Die Liberalisierung des Vargas-Regimes und die Gründung neuer Parteien gegen Ende des Zweiten Weltkriegs stehen im Mittelpunkt.
7. Die Militärdiktatur: Es werden die Ursachen des Militärputsches von 1964 und die anschließende repressive Herrschaftspraxis sowie der Prozess der politischen Marginalisierung beschrieben.
8. Der Übergang von der Militärherrschaft zur Demokratie: Dieses Kapitel behandelt die „Politik der Öffnung“ (abertura), den Übergang zur Zivilregierung und die Entstehung der Verfassung von 1988.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, dass die politische Entwicklung Brasiliens ein nicht-linearer Prozess unter dem ständigen Einfluss wechselnder elitärer Gruppen war.
Schlüsselwörter
Brasilien, politische Entwicklung, Elite, coronelismo, Estado Novo, Militärdiktatur, Demokratisierung, Verfassung, Oligarchie, fazendeiros, politische Macht, Reformen, Republik, Machtvakuum, politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die brasilianische Politikgeschichte unter dem speziellen Fokus, wie verschiedene elitäre gesellschaftliche Gruppen die Strukturen und den Wandel des Staates von 1822 bis 1988 beeinflusst haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind das Konzept des coronelismo, der Einfluss von Großgrundbesitzern und Militär, die Transformationen der Verfassungen sowie die Dynamiken zwischen autoritären Phasen und demokratischen Öffnungsprozessen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht den Einfluss der brasilianischen Elite auf die Entwicklung des politischen Systems in Brasilien über einen Zeitraum von mehr als 150 Jahren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt einen chronologischen Ansatz und analysiert politische Strukturen, Verfassungsänderungen und die Einflussnahme elitärer Machtgruppen im historischen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, beginnend mit der Unabhängigkeit, über die Ära Vargas und die Militärdiktatur bis hin zur demokratischen Verfassung von 1988.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind coronelismo, elitäre Machtgruppen, Verfassungsgebung, Militärherrschaft, Demokratisierung und der Estado Novo.
Welche Rolle spielte der coronelismo für die Stabilität der Ersten Republik?
Der coronelismo diente als inoffizielles Sicherungssystem, das es den regionalen Oligarchien ermöglichte, ihre Machtinteressen und die Präsidentschaftskandidaten zwischen den dominierenden Bundesstaaten São Paulo und Minas Gerais zu steuern.
Warum wird der Übergang zur Demokratie als „transition without rupture“ bezeichnet?
Der Begriff beschreibt, dass trotz der langen Militärherrschaft der Übergang zur Demokratie ohne einen kompletten Bruch oder gewaltsame Umstürze vollzogen wurde, sondern durch schrittweise politische Anpassungen und Verhandlungsstrategien der Eliten erfolgte.
- Arbeit zitieren
- Esther Schuch (Autor:in), 2010, Entwicklung des politischen Systems Brasiliens unter dem Einfluss der Elite, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169466