Wann immer in den Medien über rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten, Demonstrationen rechter Organisationen oder sonstige Aktionen der rechten Szene berichtet wird, erscheint in diesem Zusammenhang unweigerlich das Bild des jugendlichen männlichen Täters, sodass es den Anschein hat, das Phänomen Rechtsextremismus stellt sich als ein spezifisches Männerproblem dar.
Rechte Frauen hingegen geraten selten in das Bewusstsein der Bevölkerung, sie werden von den Medien zumeist als Zuschauerinnen bei diesen Aktivitäten wahrgenommen und finden in den Berichterstattungen keine Präsenz. Dadurch wird das Bild von den Frauen als das friedlichere Geschlecht weiter ausgebaut und die Ausübung von Gewalt in Verbindung mit männlichem Verhalten gebracht
In der vorliegenden Arbeit werden Einstellungen, Verhaltensweisen und Formen politischer Partizipation rechtsextremistisch eingestellter Frauen vorgestellt. Es sollt dabei besonders hervorgehoben werden, dass sich ab einer bestimmten Ebene die Partizipationsformen der Frauen von denen der Männer entfernen. Mit Hilfe der Dominanzkulturthese kann diese Auseinanderentwicklung erklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
3. Rechtsextremismus als politisches Phänomen - Parteien und Wahlerfolge
4. Frauen und Rechtsextremismus
4.1 Erklärungsansätze
4.2 Das rechte Frauenbild am Beispiel eines Parteiprogramms
4.3 Selbstbilder rechter Frauen
4.4 Beteiligung am Rechtsextremismus
4.4.1 Einstellungen
4.4.2 Wahlverhalten und Parteimitarbeit
4.4.3 Tatbeteiligung und Gewaltbereitschaft
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geschlechtsspezifischen Unterschiede im rechtsextremistischen Spektrum, insbesondere zwischen Einstellungen und tatsächlichem Partizipationsverhalten von Frauen im Vergleich zu Männern, um zu ergründen, warum Frauen seltener als männliche Täter wahrgenommen werden.
- Analyse der theoretischen Erklärungsansätze für weiblichen Rechtsextremismus
- Untersuchung des ideologischen Frauenbildes anhand von NPD-Parteiprogrammen
- Differenzierung zwischen Einstellungsebene und Handlungsebene
- Rolle der Sozialisation bei politischer Partizipation
- Darstellung von Selbstbildern rechter Frauen
Auszug aus dem Buch
4.2 Das rechte Frauenbild am Beispiel eines Parteiprogramms
Wie bereits erwähnt wurde, ist ein Element des Rechtsextremismus die Ablehnung des Gleichheitsprinzips, wobei nach diesem Verständnis nicht ausschließlich die Herkunft, sondern auch das Geschlecht eine Ungleichbehandlung der Person rechtfertigt.
Das rechte Frauenbild schreibt den Frauen weiche Eigenschaften zu wie Passivität, Leidensfähigkeit, Personenbezogenheit und Emotionalität, Merkmale wie Aktivität, Ehrgeiz, Rationalität, Abstraktionsfähigkeit und Dominanzverhalten werden dagegen als typisch männlich proklamiert (Hammann 2002: 16).
Zu erkennen ist, dass sich das Bild an den traditionellen Geschlechterrollen anlehnt, nach deren Hierarchisierung die Frau dem Mann als Unterstützerin und Gehilfin untergeordnet ist. Ihr Tätigkeitsfeld beschränkt sich auf den häuslichen Bereich, in dem allerdings der Mann das Oberhaupt ist. Die Zuschreibung der Eigenschaften verdeutlicht, dass ihre Aufgabe in der Ausübung der Mutterrolle besteht.
Von Seiten der rechten Ideologie wird dieser Aspekt sogar zur Lebensaufgabe erklärt, da die Reproduktionsfähigkeit das entscheidendste Kriterium für den Fortbestand der eigenen Kultur darstellt (Bitzan 2000: 133-134).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Unterrepräsentation von Frauen in der rechtsextremistischen Szene und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich Einstellungs- und Partizipationsunterschieden.
2. Begriffsdefinitionen: Erörterung der Schwierigkeiten bei der Definition des Rechtsextremismus und Abgrenzung zu verwandten Begriffen wie Rechtsradikalismus und Neofaschismus.
3. Rechtsextremismus als politisches Phänomen - Parteien und Wahlerfolge: Überblick über die organisierte Form des Rechtsextremismus und die gegenwärtig relevanten Parteien.
4. Frauen und Rechtsextremismus: Zentrale Analyse geschlechtsspezifischer Differenzen, Erklärungsmodelle (Dominanzkultur), ideologische Frauenbilder, individuelle Selbstbilder und verschiedene Stufen der Partizipation.
5. Schluss: Zusammenführung der Ergebnisse, wonach Unterschiede primär auf der Handlungsebene existieren und soziale Ächtung Frauen von öffentlichem rechtsextremistischem Agieren abhält.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Frauen, Geschlechterrollen, Parteien, Politische Partizipation, NPD, Dominanzkultur, Ideologie, Wahlverhalten, Gewaltbereitschaft, Sozialisation, Fremdenfeindlichkeit, Einstellungsebene, Handlungsebene, Diskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Frauen im rechtsextremistischen Spektrum und untersucht, wie sie sich politisch beteiligen und welche Diskrepanzen zwischen ihren Einstellungen und ihrem sichtbaren Handeln bestehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Schwerpunkte sind die ideologische Rollenzuweisung der Frau in rechten Parteien, die Diskrepanz zwischen Einstellung und Partizipation sowie die Bedeutung der geschlechtsspezifischen Sozialisation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Forschungsfrage zu klären, ob es signifikante Unterschiede in den Einstellungen und im Partizipationsverhalten zwischen rechten Frauen und rechtsextremistisch eingestellten Männern gibt.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es wird eine theoretische Analyse auf Basis bestehender politikwissenschaftlicher und soziologischer Studien (u.a. Wahlforschung, Einstellungsforschung) sowie eine exemplarische Untersuchung von Parteiprogrammen vorgenommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erklärungsansätze, die Analyse des Frauenbildes in Parteiprogrammen, die Erörterung individueller Selbstbilder und die Untersuchung von Beteiligungsformen an rechtsextremistischer Politik.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Rechtsextremismus, Dominanzkultur, geschlechtsspezifische Sozialisation, politische Partizipation und die Unterscheidung von Einstellungs- und Handlungsebene.
Wie unterscheidet sich die Beteiligung von Frauen von der der Männer?
Während Frauen auf Einstellungsebene ähnlich empfänglich für rassistische Parolen sind, treten sie auf der Handlungsebene deutlich zurückhaltender auf, um soziale Isolation und öffentliche Diffamierung zu vermeiden.
Warum wird der Rechtsextremismus oft als "Männerproblem" wahrgenommen?
Da Frauen aufgrund ihrer Sozialisation seltener öffentlich in Erscheinung treten oder gewalttätige Aktionen ausführen, bleiben sie für die Medien und die Öffentlichkeit meist unsichtbar.
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- Kerstin Wendt (Author), 2005, Rechtsextremismus bei Frauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169439