In der hier vorliegenden Hausarbeit möchte ich zwei Therapieformen vorstellen, zum einen die systemische und zum anderen die verhaltensmodifikatorische und einen Bezug zu Beratung im schulischen Kontext herstellen. Anschließend folgt eine Gegenüberstellung der zwei Theorien, in welcher ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede näher ausführen möchte. Im Einzelnen werde ich herausarbeiten wie allgemeine Therapievorschläge explizit mit Schule in Verbindung gebracht und zur Problemlösung verwendet werden können. Es folgen Interventionsmöglichkeiten beschrieben anhand von Beispielsituationen.
Beginnend wird der Leser durch eine kurze Begriffsklärung, einer knappen Übersicht über bestehende Modelle und der Klärung einer wichtigen Ausgangsfrage an die Grundlagen der systemischen Therapie herangeführt. Anschließend folgt ein ausführlicher Bezug zu Beratung im schulischen Kontext. Hier werden Interventionsvorschläge an verschiedenen Beispielen erläutert und näher auf die systemische Sicht und dem daraus resultierenden Weg zur Problemlösung eingegangen.
Anschließend wird die verhaltensmodifikatorische Therapie begrifflich dargelegt und teilweise auf den geschichtlichen Abriss eingegangen. Es folgt der Bezug zu Beratung im schulischen Kontext. Dieser beinhaltet vor allem drei, meiner Meinung nach für den schulischen Kontext sehr relevante Programme zur Verhaltensmodifikation: Kontingenzverträge, Token-Verstärkung und Feedback. Dadurch sollen Lösungsvorschläge für Problemsituationen aus verhaltensmodifikatorischer Sicht vorgestellt werden.
Folgend wird dem Leser ein Überblick über Beratung und den dabei häufigsten Problemen geboten, um die Ausgangslage eines schulspezifischen Beratungsgespräches zu verdeutlichen.
Im Anschluss werden die beiden vorgestellten Beratungsansätze gegenübergestellt, indem Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet, verglichen und tabellarisch zusammengefasst werden.
Abschließend folgt ein Fazit, in welchem, teilweise subjektiv empfundene, Vor- und Nachteile der Beratungsformen verfasst und begründet sind. Zudem werden eigens formulierte und auch skizzierte Vorgehensweisen zur Beratung im schulischen Kontext präsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Systemische Theorie
2.1. Begriffliche Klärung
2.1.1. Was ist ein System?
2.1.2. Modelle im Überblick
2.1.3. Was ist Real?
2.2. Systemische Beratungsansätze im Kontext Schule
3. Verhaltensmodifikatorische Beratung
3.1. Begriffliche Klärung
3.2. Verhaltensmodifikatorische Beratungsansätze im Kontext Schule
3.2.1. Kontingenzverträge
3.2.2. Token Verstärkung
3.2.3. Feedback
4. Beratung im schulischen Kontext
4.1. Der Kontext von Beratung
4.2. Schulspezifische Probleme von Beratung
5. Eine Gegenüberstellung von systemischer und verhaltensmodifikatorischer Beratung
5.1. Tabellarische Zusammenfassung
6. Fazit
7. Quellenangabe
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die systemische und die verhaltensmodifikatorische Beratung im schulischen Kontext vorzustellen, ihre theoretischen Grundlagen zu erläutern und ihre Anwendungsmöglichkeiten kritisch zu vergleichen, um daraus ein Verständnis für effektive Beratungsansätze in der Schule zu entwickeln.
- Grundlagen der systemischen Theorie und ihre Relevanz für Beratungsprozesse.
- Konzepte der Verhaltensmodifikation wie Kontingenzverträge, Token-Systeme und Feedback.
- Herausforderungen und Besonderheiten der Beratung im schulischen Umfeld.
- Vergleichende Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden beider Beratungsformen.
- Entwicklung und Diskussion praktischer Lösungswege für den Schulalltag.
Auszug aus dem Buch
Systemische Beratungsansätze im Kontext Schule
Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt möglich bzw. sinnvoll ist, dass der Berater aus einer vom Ratsuchenden verschiedenen Wirklichkeit (nämlich seiner eigenen) heraus Instruktionen, Lösungen, Vorschläge oder Interventionen entwickelt. Gibt es die erwartete Übereinstimmung zwischen der Wirklichkeit des Beraters und die des Ratsuchenden, i.d.R. die des betroffenen Schülers? Weinholz war 1994 der Ansicht, dass „aus systemischer Sicht […] eine Erziehungsplanung nur insoweit gelingen [kann], als sie zur Selbstorganisation des beteiligten Systems passt“.
Wir stehen also vor dem Problem, dass bei einem Beratungsgespräch zwei Sichtweisen aufeinandertreffen. Daher soll es bei einem Beratungsgespräch nicht Aufgabe sein den jeweils anderen von seiner eigenen Sichtweise zu überzeugen. Vielmehr soll der Berater die Sichtweise des Ratsuchenden erweitern und verändern helfen, indem er dem Ratsuchenden behilflich ist neue Informationen zu sammeln. Dies sollte durch eher ungewöhnliche Fragestellungen geschehen, denn ob etwas „richtig“ oder „falsch“ ist, ist aus systemischer Sicht belanglos; nur die Frage ob etwas „nützlich“ ist führt zu neuen Erkenntnissen.
Die systemische Beratung sollte nicht als Ursachenforschung betrachtet werden, sondern vielmehr als unterstütztes Suchen nach (unausgesprochenen) Regeln und deren Zirkularität, welche die Beziehung von Reiz und Reaktion beeinflusst. Es geht also nicht um Ursachen, sondern um „Zusammenpassen“. Wenn eine unerwünschte Situation eintrifft, ist diese nicht zwangsläufig das Resultat einer Ursache, sondern einem „Nicht-Zusammenpassens“ der Teile eines Systems. Dies führt zu der Sichtweise, dass auffälliges Verhalten, oft als Symptom betitelt, als Vorbote für Veränderung angesehen wird. Beratung sollte diesen Vorgang der Veränderung unterstützen und helfen das System in eine neue Richtung bzw. neue Ordnung zu lenken. Beratungsgespräche können auch als gewollte Störfaktoren bezeichnet werden mit der Funktion das System neu zu ordnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der beiden Therapieformen und Darlegung der Zielsetzung, diese mit dem schulischen Beratungskontext zu verknüpfen.
2. Systemische Theorie: Einführung in systemische Denkmodelle, die konstruktivistische Erkenntnistheorie und deren Anwendung auf schulische Beratungssituationen.
3. Verhaltensmodifikatorische Beratung: Detaillierte Betrachtung behavioristischer Lernprinzipien sowie konkreter Interventionsprogramme wie Kontingenzverträge, Token-Systeme und Feedback.
4. Beratung im schulischen Kontext: Analyse der spezifischen Problemlagen und Ausgangsbedingungen bei Beratungsgesprächen zwischen Lehrern, Schülern und Beratern.
5. Eine Gegenüberstellung von systemischer und verhaltensmodifikatorischer Beratung: Kritische Vergleichsanalyse der beiden Ansätze hinsichtlich ihrer Zielsetzungen, Menschenbilder und Vorgehensweisen, ergänzt durch eine tabellarische Zusammenfassung.
6. Fazit: Subjektive Bewertung der Vor- und Nachteile beider Ansätze und Entwurf eines leitenden Schemas für eine systemorientierte Schulberatung.
Schlüsselwörter
Systemische Beratung, Verhaltensmodifikation, schulischer Kontext, Kontingenzverträge, Token-Verstärkung, Feedback, Konstruktivismus, Selbsthilfe, Schulkultur, Erziehungsplanung, Problemlösung, Verhaltenstherapie, Kommunikation, Lehrer-Schüler-Interaktion, Systemtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht zwei unterschiedliche Beratungsansätze – die systemische Beratung und die verhaltensmodifikatorische Beratung – und deren Anwendung im schulischen Alltag.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen beider Ansätze stehen konkrete Methoden wie Kontingenzverträge, Token-Systeme sowie die besonderen Herausforderungen der Kommunikation und Kooperation im schulischen Umfeld im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu verdeutlichen, wie diese verschiedenen Theorien in die Praxis der schulischen Beratung übertragen werden können, um Problemsituationen konstruktiv zu lösen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung der systemischen und behavioristischen Literatur und deren kritischer Gegenüberstellung im Kontext pädagogischer Beratung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen beider Theorien dargelegt, gefolgt von einer Analyse schulspezifischer Rahmenbedingungen und schließlich ein Vergleich der Methoden sowie eigene Anwendungsentwürfe des Autors.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Systemdenken, Verhaltensänderung, Kontingenz, Konstruktivismus, Selbstmanagement und Beratungskompetenz.
Was unterscheidet die systemische Sichtweise im Buch von der klassischen Ursachenforschung?
Die systemische Sichtweise betrachtet Probleme nicht als Resultat einer einzelnen Ursache, sondern als ein „Nicht-Zusammenpassen“ der Systemteile. Auffälliges Verhalten wird dabei nicht als Defekt, sondern als nützlicher Vorbote für Veränderung gesehen.
Wie werden Kontingenzverträge im Kontext Schule eingesetzt?
Sie dienen als schriftliche Vereinbarungen zwischen Lehrern und Schülern, die das erwünschte Verhalten sowie die darauf folgenden Belohnungen festlegen, um den Schüler zur Selbstkontrolle zu erziehen.
Welche Rolle spielt Feedback in der Verhaltensmodifikation laut der Arbeit?
Feedback dient als motivierendes Element und Stützpfeiler der Verhaltenssteuerung, indem es dem Schüler unmittelbare Rückmeldung über den Erfolg seines Handelns gibt.
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- Philipp Weiß (Author), 2010, Systemische und verhaltensmodifikatorische Beratung im Kontext Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169340