Im Kontext des Hauptseminars mit dem Titel „Gewalt im Alten Testament“ wird in dieser
Hausarbeit das Kapitel dreizehn aus dem zweiten Samuelbuch gesondert unter der Thematik
„Gewalt gegen Frauen“ betrachtet. Nachdem ein einleitender Überblick über den Aufbau, die
Entstehung und den geschichtlichen Kontext gegeben wurde, wird das dreizehnte Kapitel über
Amnon und Tamar unter besonderer Berücksichtigung des biblischen Kontextes betrachtet.
Interessant ist dabei die Einordnung der vorliegenden Textstelle in den Gesamtkontext der
Thronfolgeerzählung Davids vor dem Hintergrund des literarischen Kontextes. Im Anschluss
daran liegt der Fokus ausschließlich auf dem dreizehnten Kapitel des zweiten Samuelbuches.
Dabei wird der vorliegende Bibeltext mit Hilfe exegetischer Erkenntnisse analysiert und
interpretiert. Ebenso wird in einem nächsten Schritt herausgestellt, welche unterschiedlichen
Formen von Gewaltakten und Gewalttätigkeiten in 2 Sam 13 vorzufinden sind.
Die Erzählung in 2 Sam 13, die mit den Worten Amnon und Tamar überschrieben ist, handelt
vor allem von dem Verhältnis zwischen König Davids Tochter Tamar und ihrem Halbbruder
Amnon, der sich unsterblich in seine Schwester verliebt hat. Der negative Höhepunkt der
Erzählung findet statt, als Tamar von ihrem sich krank stellenden Bruder unter einem
Vorwand in sein Haus gelockt und schließlich von ihm vergewaltigt wird. Diese und andere
zum Teil damit im Zusammenhang stehende Gewalttaten werden Gegenstand dieser Arbeit
sein und unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Samuelbücher
2.1 Aufbau
2.2 Entstehung und geschichtlicher Kontext
2.3 Einordnung von 2 Sam 13
3. Die Erzählung 2 Sam 13 im biblischen Kontext
3.1 2 Sam 10 bis 11
3.2 2 Sam 12
3.3 2 Sam 13
4. Inhaltlich-formale Elemente der Erzählung 2 Sam 13
4.1 Erzählerische Eigenart des Textes
4.1.1 Die Erzählcharaktere
4.1.2 Aufbau der Erzählung
4.2 Die einzelnen Motive des Textes
4.2.1 Die Liebe zwischen Amnon und Tamar
4.2.2 Der Rat des weisen Jonadab
4.2.3 Die Vergewaltigung Tamars
5. 2 Sam 13 im Kontext des Seminarthemas „Gewalt im AT“
5.1 Gewaltförmigkeiten in 2 Sam 13
5.1.1 Blickthematik
5.1.2 Vergewaltigungsthematik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Kapitel 13 des zweiten Samuelbuches unter dem Aspekt „Gewalt gegen Frauen“. Das primäre Ziel ist die exegetische Analyse der biblischen Erzählung, um die verschiedenen Formen der Gewaltausübung – von der physischen Vergewaltigung bis hin zur sozialen Unterdrückung – vor dem Hintergrund des literarischen und gesellschaftlichen Kontextes der Thronfolgeerzählung Davids offenzulegen.
- Analyse der Erzählcharaktere Amnon, Tamar, David und Abschalom
- Strukturelle Untersuchung der Erzählung (Ringkomposition/Chiasmus)
- Untersuchung der Blickthematik als herrschaftsförmiges Gewaltinstrument
- Soziologische Einordnung der Gewalt und der Rolle Tamars als Objekt der Macht
- Aufzeigen der Dynamiken von Machtmissbrauch und Schweigegeboten im biblischen Kontext
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Aufbau der Erzählung
Der chiastische Aufbau der Erzählung wird über die Gesamtheit der Handlung deutlich. Um das Zentrum in den Versen 14b bis 15a, der Vergewaltigungsszene mit dem Gefühlswechsel von Amnons Liebe in Hass, ergibt sich durch die außergewöhnlichen stilistischen Entsprechungen zwischen dem aufsteigenden Teil in den Versen 1 bis 14a und dem absteigenden Teil in den Versen 15b bis 22 eine kunstvolle Ringkomposition. Entgegen der anfänglichen Liebe Amnons zu seiner Halbschwester Tamar in Vers 1f. steht am Ende der Erzählung in Vers 21f. Abschaloms Hass gegen seinen Bruder Amnon, der sich im nachfolgenden Teil der Erzählung an ihm rächen wird. Auch im Inneren der Erzählung ist dieser Chiasmus zu finden, wenn die Liebe Amnons in Hass umschlägt, wenngleich Amnon wahrscheinlich seine Schwester an Stelle seiner selbst hasst. Hinzu kommen die konzentrisch um die inhaltliche Mitte aufgebauten Auftritte der jeweiligen Erzählfiguren. So treten beispielsweise in Vers 3 Jonadab als Helfer und in Vers 20 Abschalom als Gegner Amnons auf oder offenbaren sich Davids Handlungen als Helfen beziehungsweise als Schweigen zu den Vorkommnissen (Vers 6f. und 21). Auch das Kommen (Vers 8) Tamars sowie ihr Weglaufen (Vers 19) und das Hinausgeschickt- und Hereingerufenwerden von Amnons Dienern (Verse 9 und 17) fügen sich in diese Struktur. Zuletzt liegen die Dialoge zwischen Amnon und Tamar als engster Rahmen um das Zentrum der Erzählung, in denen jeweils Amnon mit einem Befehl agiert, Tamar mit leichtem, aber entschiedenem Widerspruch reagiert. In beiden Dialogen reagiert Amnon nicht auf ihre klugen Einwände, sondern setzt auf brutale Weise seinen eigenen Willen durch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab, die sich mit Kapitel 13 des zweiten Samuelbuches unter dem Fokus der „Gewalt gegen Frauen“ befasst.
2. Die Samuelbücher: Dieses Kapitel erläutert den formalen Aufbau, die geschichtliche Entstehung und die biblische Einordnung des Textabschnittes 2 Sam 13.
3. Die Erzählung 2 Sam 13 im biblischen Kontext: Hier wird 2 Sam 13 in den Gesamtkomplex der Thronfolgeerzählung Davids eingebettet und mit den vorangegangenen Kapiteln 10 bis 12 in Beziehung gesetzt.
4. Inhaltlich-formale Elemente der Erzählung 2 Sam 13: Dieser Abschnitt analysiert die Erzählcharaktere, die Struktur des Textes und die zentralen Motive wie Liebe, Beratung und Vergewaltigung.
5. 2 Sam 13 im Kontext des Seminarthemas „Gewalt im AT“: Das Kapitel betrachtet die verschiedenen Gewaltformen in 2 Sam 13, insbesondere die Blickthematik und die sozialen Folgen der Vergewaltigung.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Reaktionen der handelnden Personen sowie die Intention des Erzählers hinsichtlich des Durchbrechens des Schweigegebots.
Schlüsselwörter
2 Samuel 13, Gewalt gegen Frauen, Amnon, Tamar, Abschalom, König David, Thronfolgeerzählung, Vergewaltigung, Blickthematik, Machtmissbrauch, Altes Testament, Exegese, biblische Erzählanalyse, soziale Gewalt, patriarchale Strukturen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das 13. Kapitel des zweiten Samuelbuches mit einem Fokus auf der Darstellung von Gewalt gegen Frauen innerhalb des biblischen Textes.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die Rolle der Charaktere in der Thronfolgeerzählung, die Analyse von Gewaltstrukturen (psychisch, physisch, sozial) und die Untersuchung der Erzählstruktur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, mittels exegetischer Methoden herauszuarbeiten, wie der Text die Vergewaltigung Tamars und deren Folgen für die Familie Davids darstellt und bewertet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die exegetische Analyse von Bibeltexten, unter Berücksichtigung literaturwissenschaftlicher Aspekte wie der Erzählstruktur (z.B. Chiasmus) und des literarischen Kontextes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des biblischen Kontextes, die detaillierte Analyse der Erzählelemente (Charaktere, Motive) sowie die Einordnung in das Seminarthema „Gewalt im Alten Testament“.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind 2 Samuel 13, Gewalt gegen Frauen, Thronfolgeerzählung, Amnon, Tamar, Machtmissbrauch und Exegese.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Königs David in der Erzählung?
David wird als tatenloser Vater beschrieben, dessen fehlende Reaktion auf die Tat seines Sohnes Amnon als Versagen interpretiert wird, möglicherweise bedingt durch eigene Verfehlungen oder politische Interessen.
Welche Funktion hat die „Blickthematik“ laut dieser Arbeit?
Die Blickthematik wird als Vorbereitung auf den sexuellen Gewaltakt identifiziert und als Instrument der Herrschaftsausübung Amnons sowie Davids analysiert.
- Arbeit zitieren
- Tim Weyers (Autor:in), 2009, Gewalt gegen Frauen im Alten Testament, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169197