Ist die Rede von Deutschrap, haben Außenstehende oft die idiomatische Vorstellung von einem Gangster-Rapper, der von Ghettos und Kriminalität rappt, mehrfach vorbestraft ist und dessen primitiver Sprachgebrauch zwischen pejorativen Ausdrücken alterniert. Zweifelsohne gibt es Rapper, die genau dieses Erscheinungsbild darstellen und sogar bewusst pflegen, doch stimmt der Vorwurf des primitiven Sprachgebrauchs keineswegs. Zudem ist Gangster-Rap nur eine Subkultur eines immer breiter werdenden Spektrums von Sprechgesang, bzw. der Hip-Hop-Kultur. Was etablierte Rapper, wie Kollegah, Fler, Bushido, Azad, Sido oder Sun Diego vereint, ist weniger die visuelle Präsentation oder das künstlerische Selbstbild (auch „Image“ genannt), sondern vielmehr die Härte im Sprachgebrauch. Gewaltverherrlichender Sprachgebrauch hat sich als Stilmittel etabliert. Dabei werden Kriminalität, Sexismus, Provokationen, Gewaltandrohung und Beleidigungen gezielt verwendet, um ein Gegenüber abzuwerten und die eigene Figur zu erhöhen. Battle-Rap ist eine kompetitive Form des Sprechgesangs, wobei Trennlinien zu verwandten Genres oft recht unscharf sind. Gerade weil die Sprache der primäre Inhalt und so gesehen das Instrument des Wettkampfes in Disstracks zwischen Sprechgesangskünstlern darstellt, soll in der vorliegenden Arbeit eine Untersuchung der pragmatischen Realisation jener unternommen werden. Da es beim Dissen (vom engl. „Dissrespect“) auf das Herabwürdigen des Gegenübers ankommt, soll dessen verbale Umsetzung im Hinblick auf die Sprechakte untersucht werden.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Fragen, wie eine Eingliederung ausgewählter Texte aussehen kann und welche Sprechakte die Disstracks im deutschen Sprechgesang prägen. Die Diskursanalyse soll zeigen, ob bestimmte Sprechakttypen dominant sind und ob sich eine Entwicklung auf Ebene der Sprechakte konstituiert. Ebenfalls sollen die verbalen Angriffe und Selbsterhöhungen in Kategorien eingegliedert werden, um Diskurstendenzen herauszustellen. Desweitern wird gefragt, inwiefern sich Dissen und Boasten (engl. to boast, übersetzt „prahlen“) wechselseitig beeinflusst.
- Arbeit zitieren
- Martin Kreis (Autor:in), 2025, Sprechakte im deutschen kompetitiven Sprechgesang, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1691325