Die Implementierung generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in die öffentliche Verwaltung markiert eine epistemologische Zäsur der digitalen Transformation, die das Weberianische Ideal der institutionalisierten Eindeutigkeit mit der probabilistischen Natur algorithmischer Systeme konfrontiert. Dieser Beitrag dekonstruiert die resultierenden organisationalen Widerstände im Kontext einer VUKA-Welt nicht als technologische Defizite, sondern als psychologische Abwehrreaktionen auf den Verlust kognitiver Geschlossenheit (Need for Cognitive Closure) innerhalb der administrativen „psychologischen Statik“. Unter Rückgriff auf die Theorie der organisationalen Ambidextrie wird analysiert, wie die simultane Anforderung von Exploitation (rechtssicherer Vollzug) und Exploration (agile Innovation) eine kognitive Dissonanz bei Führungskräften erzeugt, die ohne kompensatorische Mechanismen in Paralyse oder „Organisationaler Stille“ mündet. Ambiguitätstoleranz wird in diesem Kontext als funktionale Metakompetenz für die Verwaltungsmodernisierung neu definiert, die den Übergang von der binären Rechtsanwendung zur Navigation in Wahrscheinlichkeiten ermöglicht. Der Artikel zeigt auf, dass Ambidextrous Leadership und Sensemaking nur auf dem Boden einer hohen individuellen Ambiguitätstoleranz gedeihen können. Abschließend wird argumentiert, dass die Transformation zur resilienten Verwaltung eine Rekonstruktion der professionellen Identität („Working Identity“) erfordert, um eine zukunftsfähige „fließende Stabilität“ zu gewährleisten.
- Arbeit zitieren
- Nicolas Apitzsch (Autor:in), 2026, Ambiguitätstoleranz als administrative Metakompetenz, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1690736