Diese Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht die Bedeutungskonzeption von Wittgenstein, soweit sich dies aus den ersten 65 Paragraphen der „Philosophischen Untersuchungen“ erschließen lässt, erläuternd darzulegen. Dabei werde ich als erstes auf die Bedeutungskonzeption des Augustinus eingehen. Aber dies nur insoweit, als sie aus dem ersten Paragraphen der PU ersichtlich ist. Die Position Augustinus ist die Grundlage auf der Wittgenstein seine eigenen Ansichten und Einsichten in Bezug auf das Funktionieren der Sprache entwickelt. Eben deshalb soll in dieser Arbeit auch stets versucht werden einen Rückbezug zu dieser Grundlage zu finden, um die Sachlage besser zu kontrastieren. Dieser Kontrast soll dazu dienen, dass man erstens das von Wittgenstein neu herausgearbeitete besser erkenne und zweitens, dass man somit ein Verständnis dafür gewinne, worin gerade das Besondere an seiner Konzeption besteht.
Weiterhin soll im Verlauf der Arbeit der „Tractatus Logico Philosophicus“ kurz angeschnitten werden, zumal schon Wittgenstein im Vorwort der PU erwähnt, dass er die PU am liebsten mit dem Tractatus zusammen veröffentlichen wollte, da diese erst durch den Kontrast zum Tractatus besser eingesehen werden könne.
Ich werde versuchen mich während der Arbeit ausschließlich mit dem Originaltext zu beschäftigen. Es wird also keine Sekundärliteratur zur Hilfe gezogen werden. Zumindest nicht insofern, dass ich meine Betrachtungen von Interpretationen aus zweiter Hand bezöge und im Weiteren darauf aufbaute. Wenn Informationen aus externen Quellen verarbeitet werden, so nur um manche Kontexte oder Rückbezüge klarzustellen, ohne die die Arbeit nicht fortkommen würde. Das Ergebnis dieser Arbeit wird – ob zufrieden stellend oder nicht – das Ergebnis meiner Bemühungen sein im Rahmen meiner Möglichkeiten Wittgensteins Gedanken nachzuvollziehen. Das Ergebnis soll schließlich allein die Bestrebungen eines Geistes widerspiegeln, welcher auf nackten Sohlen die Gedankenschritte eines großen Philosophen nachzuspüren sucht.
Im Folgenden liegt es mir im Sinn während der Ausarbeitung chronologisch vorzugehen – obschon das nicht immer möglich sein wird. Bevor jedoch mit der Hauptarbeit begonnen wird, scheint es mir von Vorteil zu sein aufgrund seiner Bedeutsamkeit auf das Vorwort näher einzugehen. Auf eine Zusammenfassung des Gesamtwerkes soll in diesem Zusammenhang verzichtet werden, da es nicht von unabdingbarer Relevanz für das Verständnis der ersten 65 Paragraphen ist.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Einführung
1. Das Vorwort
2. Gliederung und Methode
III. Die Konzeption
1. Augustinus
2. Der Tractatus
3. Sprachspiele und Lebensformen
4. Eine Partie Schach
5. Die Taufe
6. Nothung – Das Schwert
IV. „Denk nicht, sondern schau!“
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutungskonzeption von Ludwig Wittgenstein, basierend auf den ersten 65 Paragraphen seiner „Philosophischen Untersuchungen“. Ziel ist es, durch eine konsequente Rückbindung an den Originaltext und den Kontrast zur „Tractatus Logico-Philosophicus“-Position, Wittgensteins neue, beschreibende Herangehensweise an die Sprache verständlich zu machen und seine Abkehr von metaphysischen Definitionen zu beleuchten.
- Kritik an der Bedeutungskonzeption nach Augustinus
- Kontrast zwischen „Tractatus“ und den „Philosophischen Untersuchungen“
- Die Funktion von Sprachspielen und Lebensformen
- Methodologische Abkehr von Theoriebildung hin zur Beschreibung
- Analyse der Beziehung zwischen Wortgebrauch und Bedeutung
Auszug aus dem Buch
3. Sprachspiele und Lebensformen
„Die Erklärungen haben irgendwo ein Ende.“ Dieses sagt Wittgenstein nicht etwa als einen Schlusssatz, welcher das ganze Werk abrunden soll. Nein, er führt erst in die PU ein. Das ist verwirrend und reizend zugleich. Wenn ein Autor eines philosophischen Werkes gleich in dem ersten Paragraphen seiner Arbeit sagt, dass es im Grunde nicht viel zu erklären gibt, was will er denn dann eigentlich noch besprechen?
„Was ist aber die Bedeutung des Wortes >>fünf< – Von einer solchen war hier gar nicht die Rede; nur davon, wie das Wort >>fünf<< gebraucht wird.“
Das ist der Folgesatz und bezieht sich auf ein vorher geschildertes Szenario, dass sich Wittgenstein ausgedacht hat, um zu zeigen, dass Augustinus Bild von der Sprache erhebliche Mängel aufzeigt. In der Szene wird jemand einkaufen geschickt. Er hat einen Einkaufszettel, den er dem Verkäufer gibt. Das Folgende ist spannend:
„(Er) öffnet die Lade, auf welcher das Zeichen >>Äpfel<< steht; dann sucht er in einer Tabelle das Wort >>rot<< auf und findet ihm gegenüber ein Farbmuster; nun sagt er die Reihe der Grundzahlwörter – ich nehme an, er weiß sie auswendig – bis zum Worte >>fünf<< und bei jedem Zahlwort nimmt er einen Apfel aus der Lade, der die Farbe des Musters hat.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Vorhaben, Wittgensteins Bedeutungskonzeption anhand der ersten 65 Paragraphen der „Philosophischen Untersuchungen“ ohne Rückgriff auf Sekundärliteratur zu erarbeiten.
II. Einführung: Hier wird das Vorwort der „Philosophischen Untersuchungen“ analysiert, um Wittgensteins gescheiterte Ambition eines abgeschlossenen Buches und die damit verbundene Notwendigkeit einer neuen, nicht-theoretischen Methode zu verstehen.
III. Die Konzeption: Dieser Abschnitt unterzieht zentrale Aspekte wie das Augustinus-Zitat, das Verhältnis zum „Tractatus“, den Begriff der Sprachspiele, das hinweisende Lehren und die Problematik des Benennens einer kritischen Untersuchung.
IV. „Denk nicht, sondern schau!“: Das Kapitel schließt mit einer Synthese über Wittgensteins radikale Abkehr von jeder Schablonenbildung oder universellen Sprachtheorie hin zu einer rein beschreibenden philosophischen Praxis.
Schlüsselwörter
Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Bedeutungskonzeption, Sprachspiele, Lebensformen, Tractatus Logico-Philosophicus, Augustinus, hinweisende Definition, Sprachgebrauch, Metaphysik, Beschreibung, Benennung, Familienähnlichkeit, Nothung, Sprachphilosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutungskonzeption von Ludwig Wittgenstein in den ersten 65 Paragraphen seines Werks „Philosophische Untersuchungen“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Kritik an der klassischen Bedeutungstheorie (insbesondere Augustinus), die Abgrenzung zum eigenen Frühwerk („Tractatus“), die Rolle von Sprachspielen und die Bedeutung des Sprachgebrauchs innerhalb verschiedener Lebensformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wittgensteins „neue Art des Denkens“ herauszuarbeiten, die Sprache nicht mehr durch metaphysische Definitionen, sondern durch die alltägliche Anwendung beschreiben möchte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Verfasser verzichtet bewusst auf Sekundärliteratur und legt eine chronologische, erläuternde Analyse direkt am Originaltext zugrunde, um Wittgensteins eigene Gedankengänge nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Kritik an Augustinus’ Bild von der Sprache, das Konzept der „Familienähnlichkeit“, die Funktion von Sprachspielen sowie die spezifische Unterscheidung zwischen Bedeutung und Zweck von Wörtern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wittgenstein, Sprachspiele, Lebensformen, Bedeutungskonzeption, Tractatus, Beschreibung und Abrichtung.
Warum spielt das Schwert „Nothung“ eine Rolle in der Analyse?
Das Beispiel des Schwertes Nothung verdeutlicht Wittgensteins Unterscheidung zwischen der Bedeutung eines Namens und dessen Träger, um zu zeigen, dass Bedeutung bei Verschwinden des Objekts erhalten bleiben kann.
Inwiefern ist das „Vorwort“ der „Philosophischen Untersuchungen“ für das Verständnis zentral?
Es dient als Schlüssel, da Wittgenstein dort sein Scheitern bei der theoretischen Systematisierung gesteht, was die Notwendigkeit seines neuen, aphoristischen und beschreibenden Stils begründet.
- Arbeit zitieren
- M.A Hureyre Kam (Autor:in), 2008, Die Bedeutungskonzeption von Wittgenstein in den Philosophischen Untersuchungen §1 – 65, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168858