Diese Arbeit wird sich mit einer neuen Art und Weise des philosophischen Denkens befassen, welches von seinem Urheber Jacob Emmanuel Mabe als „Konvergenzphilosophie“ oder „Konvergentialismus“ bezeichnet wird. Die Gründe, warum die Propagierung einer neuen Art des Denkens notwendig wurde und wie sich dieser von Mabe angebotene Weg nun methodisch zusammensetzt, wird in seinem Buch „Mündliche und schriftliche Formen philosophischen Denkens in Afrika“ umfassend erörtert, welche jedoch lediglich in grobem Umrisse zu besprechen die Aufgabe dieser Arbeit sein wird.
In „grobem Umrisse“ soll heißen, dass ich mein Augenmerk auf die Wege der Etablierung der Konvergenzphilosophie und ihrer Methoden richten werde, wobei die Explikation der Gründe für die Notwendigkeit dieser neuen Denkrichtung nur kurz angeschnitten werden soll. In Besprechung eines Buches, dass tatsächlich drei viertel seiner Kapazität durch die Begründung eben dieser Notwendigkeit der angebotenen Denkrichtung ausschöpft, heißt es nun wirklich grob Umrissen, wenn man sich allein auf das methodische dieses Denkens konzentriert. Dieses kann aber bei einer Arbeit mit beschränkten Rahmenbedingungen, wie sie meines ist, nicht anders gehandhabt werden.
So sollen also zur Einführung einige Begrifflichkeiten im Sinne Mabes erörtert werden, da ohne ihr korrektes Verständnis kein vorankommen möglich ist, wonach kurz die Rahmenbedingungen für die Entstehung und die Notwendigkeit der Konvergenzphilosophie erläutert werden sollen. Nachdem somit die Grundlage für das Verständnis des Konvergentialismus gegeben wurde, wird auf die Methode, insbesondere auf die seiner oralphilosophischen Komponente einzugehen sein. Mein bestreben wird dabei sein die Theorie in all ihrer Komplexität mit einfachen, greifbaren Sätzen darzulegen.
Dieser Arbeit liegt einzig das Werk Mabes zugrunde. Ich werde mich also lediglich an seinen Ausführungen orientieren, ohne andere Positionen zu berücksichtigen.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Eine kurze Einführung
1 Klärung einiger notwendiger Begriffe
1.1) Oralität und Oralphilosophie
1.2) Schriftlichkeit
1.3) Die Konvergenz
2 Von der Idee der Konvergenz
III Konvergenzphilosophie
1) Die Methoden der Oralität
1.1) Primäre Methoden der Oralität
1.1.1) Mediation
1.1.2) Inspiration
1.1.3) Initiation
2) Die Konvergenzprinzipien
IV Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Konvergenzphilosophie (oder dem Konvergentialismus) von Jacob Emmanuel Mabe und untersucht, wie die methodische Zusammenführung von mündlichem und schriftlichem Denken neue Wege zur Lösung aktueller und zukünftiger Probleme, insbesondere in Afrika, eröffnen kann.
- Kritische Analyse der Begriffe Oralität, Oralphilosophie und Schriftlichkeit.
- Untersuchung der primären Methoden der Oralität: Mediation, Inspiration und Initiation.
- Darstellung der drei Kernprinzipien der Konvergenz: Reziprozitäts-, Komplementaritäts- und Simultanitätsprinzip.
- Hinterfragung der gegenseitigen Isolierung von mündlich und schriftlich orientierten Denktraditionen.
- Entwurf eines interkulturellen Modells für einen überregionalen Wissensaustausch.
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Mediation
Mediation bedeutet soviel wie „die Vermittlung“. Einen Meister der Mediation nennen wir ein Medium. Medium aber bedeutet soviel wie Mittler. Das aber, was vermittelt, ist nicht etwa eine unbestimmte äußere Naturkraft, sondern sind stets dem Menschen innewohnende Kräfte, wie der Geist oder die Seele. Mabe warnt davor den mit vielen Vorurteilen belegten Begriff des „Mediums“ zu degradieren, weil sie nicht empirisch nachgewiesen werden kann und verweist hierzu auf ähnliche Medien, die ihren festen Platz in der Philosophie haben:
„In der literalen Philosophie ist die Frage nach dem Medium als einer Methode nicht neu. Man denke an Aristoteles mit seinem Versuch, die Logik als Medium des Denkens in die Philosophie einzuführen. Vor ihm hatte Imhotep die Geometrie, Thales und Pythagoras die Arithmetik, Platon den Geist als Medium der Reflexion benutzt. (…) In der oralen Denktradition Afrikas herrscht die Vorstellung vor, die Lebenskraft sei ein Medium, das zur Einsicht in die Wesenheiten verhilft.“
Im Rahmen der Oralphilosophie gibt es zwei Kategorien der Mediaten. Zu den primären gehört die Vernunft. Wozwischen vermittelt sie aber? Zwischen dem Konkreten und dem Abstrakten, dem Realen und dem vermeintlich Irrealen, zwischen dem Diesseits und „der Jenseitswelt des nicht empirisch beweisbaren Seienden“. Unter der „Jenseitswelt“ ist hier also nicht der religiös belegte Begriff des „Jenseits“ zu verstehen. Denn „sie bezeichnet lediglich die Existenz derjenigen Seite der Welt, die erst durch die Mediation des denkenden Geistes gesehen und exploriert werden kann.“
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Jacob Emmanuel Mabe ein und erläutert die methodische Herangehensweise an die Konvergenzphilosophie innerhalb des vorgegebenen Rahmens.
II Eine kurze Einführung: Dieses Kapitel klärt grundlegende Begriffe wie Oralität, Oralphilosophie und Schriftlichkeit und beschreibt die ursprüngliche Idee der Konvergenz zwischen diesen Denkformen.
III Konvergenzphilosophie: Hier werden die primären Methoden der Oralität (Mediation, Inspiration, Initiation) sowie die drei Konvergenzprinzipien detailliert analysiert und erläutert.
IV Schluss: Der Schluss fasst die Bedeutung der Konvergenzphilosophie als Mittelweg zur Überwindung der gegenseitigen Isolierung von mündlichem und schriftlichem Wissen zusammen.
Schlüsselwörter
Konvergenzphilosophie, Konvergentialismus, Jacob Emmanuel Mabe, Oralität, Schriftlichkeit, Mediation, Inspiration, Initiation, Reziprozitätsprinzip, Komplementaritätsprinzip, Simultanitätsprinzip, interkulturelle Philosophie, afrikanische Denktradition, Wissensaustausch, Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Konvergenzphilosophie, einen Denkansatz, der versucht, die theoretischen Methoden der Schriftlichkeit mit den praktischen Methoden der oralen Tradition zu harmonisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Überwindung des Eurozentrismus in der Philosophie, die Validierung mündlicher Wissensformen und die praktische Anwendung von Konvergenzprinzipien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Konzepte von Jacob Emmanuel Mabe verständlich darzulegen und aufzuzeigen, wie diese Methode zur Lösung afrikanischer sowie globaler Daseinsprobleme beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des Werks von Mabe und einer methodischen Erörterung seiner Konvergenztheorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Methoden der Oralität (Mediation, Inspiration, Initiation) und die anschließende Erklärung der drei Konvergenzprinzipien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Konvergenzphilosophie, Oralität, Schriftlichkeit, die drei Konvergenzprinzipien sowie die primären oralen Methoden.
Wie definiert Mabe den Unterschied zwischen "Stil" und "Methode"?
Die Methode bestimmt laut Mabe die zugrunde liegenden Prinzipien der Untersuchung, während der Stil die Art und Weise beschreibt, wie Erkenntnisse und Ergebnisse sprachlich formuliert werden.
Warum ist die "epistemische Initiation" für die Konvergenzphilosophie so wichtig?
Sie dient als Rahmenplan, um Aspiranten praktisch in den Methoden der Mediation und Inspiration zu schulen, und stellt somit das notwendige Werkzeug für eine disziplinierte philosophische Arbeit dar.
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- Hureyre Kam (Author), 2009, Neue Wege des Denkens - die Konvergenzphilosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168856