Vor dem Hintergrund des erweiterten kommunikativen Feedbackverständnisses (vgl. Schmitt & Hanke, 2001) und einem aufgezeigten Forschungsdefizit im Bereich des Videofeedbacks strebt die dargestellte Untersuchung die Klärung einer wesentlichen Grundsatzfrage auf diesem Gebiet an.
Primäres Ziel ist die Überprüfung, ob sich, ausgehend von der Einordnung des Feedbackprozesses als kommunikative Interaktion zwischen Trainer und Athlet, spezifische Merkmale benennen lassen, die als Erklärung für die positive Wirkung von Videofeedback im sportmotorischen Lernprozess herangezogen werden können.
Sollten sich derartige bislang undokumentierte Zusammenhänge zwischen kommunikativen Aspekten und Feedbackwirkung nachweisen lassen, wird als sekundäres Ziel ihre möglichst durchsichtige Dokumentation im Rahmen der Darstellung der Gesamtuntersuchung angestrebt, um mittels dieser Transparenz die lückenlose Übertragbarkeit auf andere Untersuchungen zu ermöglichen.
Die Arbeit umfasst im theoretischen Teil die ausführliche Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes im Bereich des Feedbacks im Kontext motorischen Lernens und die Beschreibung der Rahmenbedingungen und Zusammenhänge, in die die eigentliche Hauptuntersuchung eingebettet ist. Der empirische Teil umfasst die Dokumentation des genauen Untersuchungsdesigns und die Formulierung von vier Arbeitshypothesen, die der Hauptuntersuchung als inhaltliches Gerüst dienen. Die empirische Überprüfung der formulierten Arbeitshypothesen und die Interpretation der dokumentierten Ergebnisse führt über zur Gesamtinterpretation der erarbeiteten Zusammenhänge und zur Schlussbetrachtung der gewonnenen Erkenntnisse.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
2 Theoretische Grundlage: Das Rahmenkonstrukt „Feedback“
2.1 Begriffsbestimmung und Definition
2.2 Zwei Arten des Feedbacks
2.2.1 Intrinsisches Feedback
2.2.2 Extrinsisches Feedback
2.3 Das Forschungsfeld „motorischer Lernprozess“
2.3.1 Was ist motorisches Lernen?
2.3.2 Einflussfaktoren auf motorisches Lernen
2.3.3 Die Rolle des extrinsischen Feedbacks beim motorischen Lernen
2.4 Allgemeine Ergebnisse der Technologieforschung zum Feedback
2.4.1 Extrinsische Rückmeldung als Lernvariable
2.4.1.1 Kategorie 1: Extrinsisches Feedback ist notwendig
2.4.1.2 Kategorie 2: Extrinsisches Feedback unterstützt Lerneffekte
2.4.1.3 Kategorie 3: Extrinsisches Feedback ist redundant
2.4.1.4 Kategorie 4: Extrinsisches Feedback als Störgröße
2.4.2 Feedbackdimensionen
2.4.2.1 Präzision des Feedbacks
2.4.2.2 Zeitliche Platzierung des Feedbacks
2.4.2.3 Frequenz, Häufigkeit und Verteilung des Feedbacks
2.4.2.4 Modalität des Feedbacks
2.4.3 Ergebnisbezogene, verlaufsbezogene und präskriptive Rückmeldung
2.5 Spezielle Aspekte der Feedbackforschung
2.5.1 Videoeinsatz im Rahmen des motorischen Lernprozesses
2.5.1.1 Videoeinsatz zur Videoinstruktion
2.5.1.2 Video als Feedbackmedium
2.5.2 Forschungsergebnisse zur Feedbackwirkung im Tennis
2.5.3 Forschungsergebnisse zur Feedbackwirkung bei Kindern
2.5.4 Kommunikation in Feedbackprozessen und Trainer-Athlet-Interaktion
2.6 Zusammenfassende Bewertung und inhaltliche Folgerungen
3 Hauptuntersuchung: Rahmenbedingungen und Empirie
3.1 Beschreibung des Projektzusammenhangs
3.1.1 Die Trainingsmodule
3.1.2 Die Trainer
3.1.3 Die teilnehmenden Kinder
3.2 Beschreibung des Untersuchungsdesigns
3.2.1 Methoden der Datenerhebung
3.2.2 Ablauf der Datenerhebung
3.2.3 Lerninhalte und methodische Gestaltung im Untersuchungszeitraum
3.2.4 Ablauf der Untersuchung in den Versuchsgruppen
3.2.4.1 Station I: Interview „Eingangsbefragung“
3.2.4.2 Station II: Videoaufzeichnung: Trainingsbeobachtung
3.2.4.3 Station III: Videoaufzeichnung: Kommentiertes Videofeedback
3.2.4.4 Station IV: Interview „Feedback-Wiedergabe“
3.2.5 Ablauf der Untersuchung in den Vergleichsgruppen
3.3 Entwicklung der Arbeitshypothesen
3.3.1 Kurzfristige Veränderungen – Leistung
3.3.2 Überdauernde Veränderungen – Lernen
3.4 Methodische Grundlagen der Datenauswertung
3.4.1 Grundüberlegungen zur Bewertung beobachteter motorischer Abläufe
3.4.2 Operationalisierung der Größe „motorische Leistung“
4 Darstellung und Interpretation der gewonnenen Daten
4.1 Gesamtbeschreibung Datensatz und Auswertungsmethode
4.1.1 Komplette und unvollständige Datensätze
4.1.2 Kriteriumsaufgaben an den einzelnen Trainingstagen
4.1.3 Spezielle Aspekte der Trainingssituation
4.1.3.1 Metaphorische Sprache der Trainer
4.1.3.2 Soziales Verhältnis zwischen den Kindern und den Trainern
4.1.3.3 Zeitliche Aspekte der Trainingssituation
4.2 Auswertung der Datenreihen bezüglich der Arbeitshypothesen
4.2.1 Auswertung zu Arbeitshypothese 1
4.2.1.1 Ergebnisse der Auswertung zu Arbeitshypothese 1
4.2.1.2 Interpretation der Ergebnisse zu Arbeitshypothese 1
4.2.2 Auswertung zu Arbeitshypothese 2
4.2.2.1 Ergebnisse der Auswertung zu Arbeitshypothese 2
4.2.2.2 Interpretation der Ergebnisse zu Arbeitshypothese 2
4.2.3 Auswertung zu Arbeitshypothese 3
4.2.3.1 Ergebnisse der Auswertung zu Arbeitshypothese 3
4.2.3.2 Interpretation der Ergebnisse zu Arbeitshypothese 3
4.2.4 Auswertung zu Arbeitshypothese 4
4.2.4.1 Ergebnisse der Auswertung zu Arbeitshypothese 4
4.2.4.2 Interpretation der Ergebnisse zu Arbeitshypothese 4
4.2.5 Zusammenfassende Interpretation der Ergebnisse
5 Schlussbetrachtung und Perspektiven
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob spezifische Merkmale der kommunikativen Interaktion zwischen Trainer und Athlet als Erklärung für die Wirksamkeit von Videofeedback im Kindertennis dienen können, wobei der Fokus auf dem motorischen Lernprozess liegt.
- Feedbackprozesse als kommunikative Interaktion
- Einsatz von Videotechnologie im Techniktraining
- Optimierung sportmotorischer Lernprozesse
- Einfluss von Trainer-Athlet-Interaktion auf den Lernerfolg
- Lernwirksamkeit bei Kindern
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Extrinsische Rückmeldung als Lernvariable
Dass die Rückmeldung von Bewegungsergebnissen einen Einfluss auf motorisches Lernen hat, konnten experimentelle Untersuchungen schon früh zeigen. Bilodeau, Bilodeau und Schumsky (1959) wiesen in ihrer Untersuchung mittels einer linearen Positionierungsaufgabe nach, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Ergebnisrückmeldung und der beobachteten Leistung der Probanden gab. In einem zweiten experimentellen Schritt zeigten sie, dass die Gruppe, die zuvor bereits zwanzig Versuche ohne KR durchgeführt hatte, bei fünf weiteren Versuchen mit KR weder Vor- noch Nachteile gegenüber der Gruppe hatte, die von Anfang an mit KR übte (vgl. Bilodeau, Bilodeau & Schumsky, 1959, S. 144). Aus diesem Ergebnis entstand der Umkehrschluss, dass ohne die Gabe von KR kein Lernen möglich sei, Ergebnisrückmeldung also eine notwendige Bedingung für Lernen darstelle. Dieses Ergebnis erwies sich jedoch in seiner Pauschalität als nicht haltbar (vgl. Salmoni, Schmidt & Walter, 1984, S. 360). Vielmehr muss eine wesentlich differenziertere Betrachtung an seine Stelle treten. Eine solche Differenzierung liefert Magill (1993) in seinem Review der vorliegenden Forschungsergebnisse. Er stellt fest, dass sich die vorliegenden Erkenntnisse zu vier Hauptkategorien von Feedbackwirkung zusammenfassen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung der Trainer-Athlet-Interaktion und definiert das Ziel, die kommunikativen Faktoren von Videofeedback im Tennistraining bei Kindern zu untersuchen.
2 Theoretische Grundlage: Das Rahmenkonstrukt „Feedback“: Dieser Abschnitt bietet einen fundierten Überblick über Feedbackforschung, unterteilt in intrinsische und extrinsische Feedbackprozesse sowie spezifische Aspekte wie Videoeinsatz und Trainer-Athlet-Interaktion.
3 Hauptuntersuchung: Rahmenbedingungen und Empirie: Hier wird das Untersuchungsdesign der Beobachtungsstudie zum „Jüngstentennis Modell Göttingen“ detailliert beschrieben, inklusive der methodischen Vorgehensweise und der vier aufgestellten Arbeitshypothesen.
4 Darstellung und Interpretation der gewonnenen Daten: Dieser Teil dokumentiert die Auswertung der erhobenen Daten, interpretiert die Ergebnisse in Bezug auf die Arbeitshypothesen und diskutiert die Erkenntnisse hinsichtlich ihrer praktischen Relevanz.
5 Schlussbetrachtung und Perspektiven: Die Abschlussbetrachtung fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und leitet Empfehlungen für das Training sowie Perspektiven für weiterführende Forschungen ab.
Schlüsselwörter
Trainer-Athlet-Kommunikation, Kindertennis, Videofeedback, motorischer Lernprozess, extrinsisches Feedback, Techniktraining, Feedbackdimensionen, Trainerfeedback, Lernwirksamkeit, Kommunikationsstruktur, sportmotorisches Lernen, Videoinstruktion, Aufmerksamkeitslenkung, Feedbackfrequenz, Feedbackpraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Interaktion zwischen Trainer und Athlet im sportlichen Techniktraining, speziell am Beispiel des Kindertennis, um die lernförderliche Wirkung von Videofeedback besser zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Feedbackforschung im motorischen Lernen, die Rolle des Videofeedbacks als extrinsisches Feedbackmedium und der kommunikative Prozess zwischen Trainer und Kind.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist zu prüfen, ob sich spezifische Merkmale der kommunikativen Interaktion zwischen Trainer und Athlet benennen lassen, die die positive Wirkung von Videofeedback auf den motorischen Lernprozess bei Kindern erklären können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine nicht-teilnehmende, offene Beobachtungsstudie, die Daten aus Videoaufzeichnungen und Kurzinterviews mit Kindern im Projekt „Jüngstentennis Modell Göttingen“ systematisch auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Feedback-Konstrukts, die Beschreibung der Rahmenbedingungen des Untersuchungsprojekts sowie die detaillierte Darstellung und Interpretation der gesammelten empirischen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Trainer-Athlet-Kommunikation, Videofeedback, Kindertennis, motorischer Lernprozess und Feedbackdimensionen charakterisiert.
Wie beeinflusst Videofeedback die Feedbackketten bei den untersuchten Kindern?
Die Untersuchung zeigt, dass der Einsatz von Videofeedback zu kürzeren Feedbackketten führt, was auf eine effizientere Vermittlung technikspezifischer Merkmale hindeutet.
Welche Rolle spielt die Trainer-Kommunikation für den Erfolg des Videofeedbacks?
Die Kommunikation des Trainers ist entscheidend, da eine positive Übereinstimmung der Feedbacksprache und eine zielgerichtete Aufmerksamkeitslenkung die kurzfristige Behaltensleistung der Kinder signifikant unterstützen können.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Hanelt (Autor:in), 2007, Studien zur Trainer – Athlet – Kommunikation am Beispiel des Kindertennis, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168804