Konflikte sind so alt wie die Menschheit selbst. Innerhalb eines Rechtsstaates sollen die Interessen aller Bürger berücksichtigt werden und darum hat in der Vergangenheit der Staat, durch Schaffung von Gesetzen und Verordnungen versucht dies zu regulieren. Konnte bei einem Streit zwischen zwei Parteien keine Einigung erzielt werden, war das Gerichtsverfahren bisher das einzige Mittel diesen Streit beizulegen. Ein solches Verfahren hat die Nachteile, dass es an Flexibilität und Einzelfallgerechtigkeit mangelt, hohe Prozesskosten entstehen können und dass das rechtskräftige Urteil verbindlich für die Beteiligten ist. Um dieser Diskrepanz entgegen zuwirken wird nach alternativen außergerichtlichen Konfliktlösungsverfahren gesucht, bei denen eine Win-win-Situation entstehen soll. Ohne die Notwendigkeit von Gesetzen und Verordnungen in Frage zu stellen, kann eine außergerichtliche Einigung erhebliche Vorteile gegenüber einem konventionellen Gerichtsverfahren haben.
Eine signifikante Häufung von Artikeln und Büchern zu dem Thema Mediation ist in den letzten Jahren in der Literatur zu beobachten. Das Verfahren der Mediation ist auch in der Praxis immer häufiger anzutreffen. Zum Beispiel absolvieren Anwälte häufig eine Zusatzausbildung zum Mediator , um bei Familien und Erbstreitigkeiten zu schlichten und einem Gerichtsverfahren entgegen zu wirken.
In dieser Hausarbeit sollen die wichtigsten Merkmale einer Mediation und eines Gerichtsverfahrens gegenüber gestellt und verglichen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Definition
2.1 Mediation
2.2 Gerichtsverfahren
3 Gerichtsverfahren vs. Mediation
3.1 Teilnahme am Verfahren
3.2 Verantwortung
3.3 Zeitbezug im Vergleich
3.4 Neutralität der dritten Person
3.5 Kreativität bei der Lösungsfindung
3.6 Betrachtung der Faktoren Zeit und Kosten
3.7 Wirkung des Ergebnisses
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Mediation als alternatives Konfliktlösungsverfahren mit dem konventionellen Gerichtsverfahren, um die strukturellen Unterschiede sowie Vor- und Nachteile beider Ansätze herauszuarbeiten.
- Grundlegende Begriffsbestimmung von Mediation und Gerichtsverfahren
- Vergleich der Teilnahmevoraussetzungen und der persönlichen Verantwortung
- Analyse des Zeitbezugs (Vergangenheit vs. Zukunftsorientierung)
- Untersuchung der Neutralität und der Rolle der dritten Person
- Bewertung der Kosten- und Zeiteffizienz sowie der Verbindlichkeit von Ergebnissen
Auszug aus dem Buch
3.6 Betrachtung der Faktoren Zeit und Kosten
Ein Gerichtsverfahren ist sehr kosten- und zeitintensiv. Das Studium der Aktenlage durch den Richter erfordert unter umständen viel Zeit und ist dadurch mit hohen Gerichtskosten verbunden. Hinzu kommen ggf. Kosten für die Anwälte beider Parteien und Aufwandsentschädigungen für Sachgutachter, Dolmetschern oder Zeugen (näheres ist im RVG und JVEG geregelt).
Wird ein Urteil angefochten, wird dieses Urteil von der nächsten Instanz entweder bestätigt oder neu gefällt. Die oben genannten Kosten fallen in den häufigsten Fällen erneut an. Für die entstandenen Kosten kann nach den Voraussetzungen der §§ 114 ff. ZPO Prozesskostenhilfe oder ein Prozesskostenvorschuss beantragt werden.
Soweit keine Prozesskostenhilfe gewährt wurde, muss die unterlegene Partei die Prozesskosten und die Auslagen beider Parteien in voller Höhe übernehmen. Wurde Prozesskostenhilfe gewährt, sind die Prozesskosten abzüglich Prozesskostenhilfe zu erstatten. Ein Prozesskostenvorschuss ist bei unterliegen vor Gericht abzuzahlen.
Die Mediation hat aus kostenökonomischer Sicht den Vorteil, dass nur die Vergütung für den Mediator als Kosten anfallen. Diese sind geringer als die summierten Gerichtskosten und stellen somit eine finanzielle Entlastung für die Beteiligten dar. Ebenso fehlen die gerichtlichen Instanzen, was ebenfalls die Kosten senkt. Kritisch zu beurteilen ist hingegen die fehlende Möglichkeit Prozesskostenhilfe oder einen Prozesskostenvorschuss für die Konfliktparteien im Mediationsverfahren zu beantragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die historische Notwendigkeit staatlicher Konfliktregelung und stellt die Mediation als moderne, außergerichtliche Alternative zur Konfliktlösung vor.
2 Definition: Hier werden die zentralen Begriffe Mediation als gewaltfreie Konfliktbearbeitung sowie das Gerichtsverfahren als rechtsstaatliche Überprüfung eines Sachverhalts definiert.
3 Gerichtsverfahren vs. Mediation: Dieses Kapitel stellt beide Verfahren anhand von Kriterien wie Teilnahme, Verantwortung, Zeitbezug, Neutralität, Lösungsspielraum, Kosten und Rechtswirkung gegenüber.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine stärkere gesetzliche Verankerung sowie Förderung der Mediation zur Entlastung des Justizsystems.
Schlüsselwörter
Mediation, Gerichtsverfahren, Konfliktlösung, Rechtsstaat, Win-win-Situation, Mediator, Prozesskosten, Freiwilligkeit, Rechtskraft, Abschlussvereinbarung, Prozesskostenhilfe, Rechtsmittel, Konfliktbearbeitung, Schlichtung, Interessenwahrung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gegenüberstellung von Mediation und gerichtlichen Verfahren als zwei unterschiedliche Wege der Konfliktlösung innerhalb oder außerhalb des staatlichen Rechtssystems.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den strukturellen Unterschieden bezüglich der Verfahrensführung, der Kostenstruktur, der Freiwilligkeit der Teilnahme und der Wirkung der erzielten Ergebnisse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Vor- und Nachteile der Mediation gegenüber einem klassischen Gerichtsverfahren herauszuarbeiten, um deren Eignung als Instrument zur Konfliktbeilegung zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche und rechtsvergleichende Analyse der bestehenden Literatur und gesetzlicher Rahmenbedingungen.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Vergleichskriterien wie die Verantwortung der Beteiligten, die zeitliche Orientierung, die Kostenbelastung und die Rechtsverbindlichkeit der erzielten Lösungen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mediation, Gerichtsverfahren, Konfliktmanagement, Rechtskraft und die finanzielle Prozessbelastung.
Warum ist der "Zeitbezug" ein wesentlicher Unterscheidungsfaktor?
Während ein Gerichtsverfahren primär auf die Aufarbeitung vergangener Sachverhalte und die Zuweisung von Schuld oder Recht abzielt, ist die Mediation zukunftsorientiert und fokussiert sich auf den Erhalt der Beziehung zwischen den Parteien.
Welches Problem identifiziert der Autor bei der Mediation?
Der Autor weist darauf hin, dass im Mediationsverfahren im Gegensatz zum Gerichtsverfahren keine Möglichkeit besteht, Prozesskostenhilfe oder einen Prozesskostenvorschuss zu beantragen.
- Arbeit zitieren
- Patrick Wuckel (Autor:in), 2011, Mediation und Gerichtsverfahren – Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168716