Die unterschiedlichsten Stellungnahmen zu Krieg und Frieden unterliegen im Lauf des Geschichte einem starken Wandel. Erst in der Neuzeit werden Gedanken über eine Staatengemeinschaft relevant für Friedensdiskussionen.
Man könnte sagen, dass die Kirche in ihrem Bemühungen um Frieden und damit in ihren Bemühungen um das Wohl jedes Einzelnen, eines ihrer wesentlichsten Merkmale zum Ausdruck bringt. Im Blick auf vorliegende Quellen wird deutlich, dass mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen auch in kirchlichen Stellungnahmen diese neu statuierten Grundsätze überdacht und gedanklich aufgenommen wurden und schließlich auch in der Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes" verbindlich festgehalten wurden.
In dieser Arbeit soll dargestellt werden, inwiefern die Erklärung der Menschenrechte in der Friedensbotschaft der Katholischen Kirche rezipiert und weitergetragen wurde und wie sich das Friedensverständnis weiterentwickelt hat.
Bereits in der UN-Charta von 1945 und in der UN-Menschenrechterklärung von 1948 heißt es: „Die großen Verheißungen der Menschheit – Frieden, Menschenrechte und Entwicklung – sind nur zusammen zu verwirklichen“ und noch konkreter fasst Paul VI. „das Anliegen seiner Entwicklungsenzyklika [Populorum Progressio] in dem einen Satz zusammen: ‚Entwicklung ist der neue Name für Frieden’.“
Im Rückblick auf die Entwicklung des Friedenbegriffs wird deutlich, dass in der Gegenwart mit Frieden mehr gemeint ist, als bloßer Waffenstillstand. Die Einhaltung und Förderung der Menschenrechte stellen eine maßgebliche Voraussetzung für dauerhaften Frieden dar. Der Begriff ‚Menschenrechte’ schließt die Forderung nach Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Menschen mit ein, womit auch der Zusammenhang von nachhaltiger Entwicklungsarbeit und gelingendem Frieden ersichtlich wird.
Im richtigen Kontext verstanden ist ‚Entwicklung’ in der Gegenwart sicherlich als anderes Wort für ‚Frieden’ anwendbar, zumindest jedoch eine nicht zu vernachlässigende Voraussetzung, für welche sich sowohl die Vereinten Nationen als auch die Päpste im Anliegen der Kirche in Ihrer Friedens- und Entwicklungsarbeit einsetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Was ist Frieden? – Entwicklung zum neuzeitlichen Friedensbegriffs
1.1. Das Verständnis von Frieden in der Antike
1.2. Der moderne Friedensbegriff
2. Die katholische Kirche und die Friedensbotschaft der Päpste (seit Mitte des 20. Jahrhunderts)
2.1. Pius XII. (1939-1958)
2.2. Johannes XXIII. (1958-1963)
2.3. Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965)
2.4. Paul VI. (1963-1978)
2.5. Johannes Paul II. (1978-2005)
2.6. Benedikt XVI. (seit 2005)
3. Die Vereinten Nationen und ihr Einsatz für Frieden
3.1. Organisation der UNO
3.2. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in ihrer Bedeutung für die weltweiten Bemühungen um Frieden
4. Die Päpste und die Vereinten Nationen - ein gemeinsames Ziel: Frieden in der Welt
4.1. Friedensfunktion und moralische Sendung der Katholischen Kirche am Beispiel päpstlicher Ansprachen vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen
4.1.1. Paul VI. vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York, am 04. Oktober 1965
4.1.2. Johannes Paul II. vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York 1979 und 1995
4.1.3. Benedikt XVI. vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York, am 18. April 2008
4.2. Entwicklung: Ein anderes Wort für Frieden
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen in der Friedensbotschaft der katholischen Kirche rezipiert wurde und wie sich das kirchliche Friedensverständnis im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat, insbesondere im Kontext des Verhältnisses zwischen den Päpsten und der UNO.
- Historische Entwicklung des Friedensbegriffs von der Antike bis zur Moderne.
- Die Friedensethik und -botschaft der Päpste seit Mitte des 20. Jahrhunderts.
- Die Struktur und der Auftrag der Vereinten Nationen im Hinblick auf den Weltfrieden.
- Die Bedeutung der Menschenrechte für die kirchliche und weltweite Friedensarbeit.
- Analyse päpstlicher Ansprachen vor der UN-Vollversammlung als Ausdruck der Friedensmission der Kirche.
Auszug aus dem Buch
Pius XII. (1939-1958)
Schon kurz nach seiner Wahl im Jahr 1939 erklärt Pius XII., dass sein großes Ziel als Papst die Rettung des Friedens ist. So lautet auch der Wahlspruch seines Pontifikats: „Der Friede ist das Werk der Gerechtigkeit“. Das Ziel seiner Friedenslehre und der Kern einer neuen Weltfriedensordnung soll ein "christliches Europa" sein. "Zur Erreichung eines so großen Zieles kann nichts besser dienen und geeigneter sein als die christliche Religion. Ihre göttlichen Gebote lehren uns, dass die Menschen wie Brüder sind und eine einzige Familie bilden (...) Wenn diese Lehren wirklich und erfolgreich in die Tat umgesetzt würden, dann bedrohten sicherlich keine Kriege, keine Aufstände, keine Unruhen, keine Vergewaltigung der bürgerlichen und religiösen Freiheiten das öffentliche und private Leben, sondern eine auf Gerechtigkeit gegründete Ruhe (...)."
Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges appelliert Pius XII. in einer Radioansprache an die Öffentlichkeit, mit folgenden Worten: „Nur durch die Macht der Vernunft, nicht der Waffen, wird sich die Gerechtigkeit eine Bahn schaffen. (...) Unmittelbar droht die Gefahr, aber noch ist es Zeit. Nichts ist mit dem Frieden verloren. Aber alles kann mit dem Krieg verloren sein. (...) Verhandeln sie mit gutem Willen und unter Beachtung der beiderseitigen Rechte, so werden sie feststellen, dass aufrichtigen und tatkräftigen Bemühungen niemals ein ehrenhafter Erfolg versagt bleibt. (...) wenn sie der Vernunft die Führung überlassen und das Blut ihrer Brüder geschont und der Heimat Ruinen erspart haben.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was ist Frieden? – Entwicklung zum neuzeitlichen Friedensbegriffs: Das Kapitel erläutert den historischen Wandel des Friedensverständnisses von der antiken Sicht als Unterbrechung des Kriegszustands hin zum modernen, auf Vernunft und Rechtszustand basierenden Begriff.
2. Die katholische Kirche und die Friedensbotschaft der Päpste (seit Mitte des 20. Jahrhunderts): Es wird dargestellt, wie die Päpste von Pius XII. bis Benedikt XVI. die Friedenslehre der Kirche weiterentwickelt und an die Herausforderungen der modernen Welt angepasst haben.
3. Die Vereinten Nationen und ihr Einsatz für Frieden: Dieser Abschnitt beschreibt die Organisation und die Hauptorgane der UNO sowie die zentrale Bedeutung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte für das Fundament des Weltfriedens.
4. Die Päpste und die Vereinten Nationen - ein gemeinsames Ziel: Frieden in der Welt: Das Kapitel analysiert anhand konkreter päpstlicher Ansprachen vor der UN-Vollversammlung die moralische Sendung der Kirche und arbeitet heraus, warum Entwicklung heute als ein Synonym für Frieden verstanden wird.
Schlüsselwörter
Frieden, Menschenrechte, Katholische Kirche, Vereinte Nationen, Päpste, Gerechtigkeit, Völkergemeinschaft, Entwicklung, Diplomatie, Weltfrieden, Soziale Gerechtigkeit, Friedensethik, Gaudium et Spes, Pacem in Terris, Menschenrechtsverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die wechselseitige Beeinflussung zwischen der katholischen Kirche, vertreten durch die Päpste seit dem Zweiten Weltkrieg, und den Vereinten Nationen im Hinblick auf das gemeinsame Ziel der Friedenssicherung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Wandlung des Friedensbegriffs, die päpstliche Soziallehre, die Rolle der UNO bei der Konfliktlösung und die universelle Bedeutung der Menschenrechte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie die Kirche die Erklärung der Menschenrechte in ihre Friedensbotschaft integriert hat und wie sich das Verständnis von Frieden durch den Dialog mit der Staatengemeinschaft weiterentwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenorientierten historischen Analyse kirchlicher Verlautbarungen, Enzykliken und offizieller Ansprachen vor den Vereinten Nationen sowie der Auswertung relevanter Fachliteratur zum Thema Friedensethik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Friedensbotschaften der einzelnen Päpste, die Vorstellung der Strukturen der UNO und die Analyse der päpstlichen Reden vor der UN-Vollversammlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Frieden, Menschenrechte, katholische Kirche, UNO, Weltgemeinschaft und Gerechtigkeit charakterisieren.
Wie bewerten die Päpste das Verhältnis zwischen Rüstung und Entwicklung?
Die Päpste betrachten das Ungleichgewicht zwischen hohen Rüstungsausgaben und der Vernachlässigung der Entwicklungshilfe als Skandal, der den weltweiten Bemühungen um Frieden und Gerechtigkeit entgegensteht.
Welche Rolle spielt die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" für die Kirche?
Die Kirche sieht in dieser Erklärung einen Meilenstein der Menschheitsgeschichte und hat deren Grundsätze in ihre eigene Lehre aufgenommen, da sie Menschenrechte als notwendige Voraussetzung für dauerhaften Frieden erachtet.
Was ist mit der Aussage gemeint: "Entwicklung ist der neue Name für Frieden"?
Dieser Satz von Paul VI. verdeutlicht, dass Frieden heutzutage mehr als nur die Abwesenheit von Krieg bedeutet; er setzt soziale Gerechtigkeit, wirtschaftlichen Fortschritt und die Sicherung der Menschenwürde voraus.
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- Dipl.-Theol. Nicole Kaiser (Author), 2008, Frieden und Menschenrechte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168679