Vor dem Hintergrund der desolaten Ergebnisse der PISA-Studie und der damit einhergehenden Forderung, bildungspolitische Maßnahmen im Schulsystem vorzunehmen, erfordert dies eine tiefere Auseinandersetzung mit neuen und in der Praxis erprobten Lehr- und Lernmethoden. Gegenstand dieser internationalen Vergleichsstudie war u.a. die Frage, ob Fähigkeiten, die man für das Erwachsenenleben benötigt, bei deutschen Kindern und Jugendlichen (KuJ) ausgebildet seien. Weitestgehend fehlt es den KuJ an der Befähigung zu problemlösendem Denken und Handeln.
Da sich die traditionellen Familienstrukturen in der postmodernen Gesellschaft verändert haben (Ein-Eltern-Familie, gestiegene Scheidungsrate,…), hat die Bildungsinstitution Schule, also die sekundäre Sozialisationsinstanz, mehr noch als früher den Erziehungsauftrag zu erfüllen. Die Lehrperson (LP) steht im direkten Kontakt zu den SuS und stellt deshalb eine wichtige Rolle dar, insofern sie neben der Familie Einfluss auf das Leben der SuS nehmen kann...
Inhaltsverzeichnis
1. Kooperatives Lernen im Deutschunterricht
2. PISA als Chance für neue Unterrichts- und Lernmethoden
3. Neue Lehr-und Lernmethoden zum Ausgleichen defizitärer Kompetenzen: Fokus „Kooperatives Lernen“
4. Phasierung des Kooperativen Lernens
5. Adäquates Lernklima
6. Gründe für den Einsatz kooperativer Lehrmethoden; Lehrerrolle
7. Evaluation und Reflexion von Gruppenarbeiten
8. Fazit/ KL in den Richtlinien und Lehrplänen (RuL)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die praktische Umsetzbarkeit und das Potenzial des Konzepts des kooperativen Lernens im Deutschunterricht, um die Schüleraktivierung zu fördern und die Kompetenzentwicklung vor dem Hintergrund aktueller bildungspolitischer Anforderungen zu stärken.
- Analyse der Bedeutung von kooperativen Lernformen als Antwort auf PISA-Ergebnisse.
- Strukturierung und methodische Phasen des kooperativen Lernens (z. B. "Think-Pair-Share").
- Die Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiter im schülerzentrierten Unterricht.
- Evaluation von Gruppenarbeitsprozessen und sozialem Lernen.
- Bedeutung von kooperativem Lernen für die Entwicklung von Sozialkompetenzen.
Auszug aus dem Buch
Phasierung des Kooperativen Lernens
Im Konzept des KL wird der Gruppenunterricht modifiziert oder gar neu definiert, sodass eine allgemeine Schüleraktivierung das vornehmliche Ziel darstellt. Auch der lehrerzentrierte Frontalunterricht findet im Zuge eines reformierten Unterrichts Einzug in die Klassenräume.
Am Anfang eines Lernprozesses müssen die SuS die Möglichkeit bekommen, eigenaktiv an eine Lösung herantreten zu können. Dies geschieht im Rahmen des KL in Einzelarbeit (EA), weil Lernen ein eigenaktiver Prozess ist, bei dem das Individuum Vorwissen mit neu erarbeitetem Wissen verknüpft. So bildet der Lerner ein individuelles Wissensmodell. Die LP, die ein hohes Maß an Risikobereitschaft mitbringen muss (WEIDNER), weil sie sozusagen das Zepter aus der Hand gibt, darf den SuS keinen Schritt abnehmen (BRÜNING/SAUM). Nur so ist mit einem Lernfortschritt zu rechnen. Im konkreten Unterricht sieht eine „Aktivierung“ in etwa so aus, dass die LP eine Frage an das Plenum richtet, welche jeder in kurzer Zeit für sich beantworten muss. In der Aufgabenstellung wird deutlich gemacht, dass jeder für sich arbeiten und anschließend jeder aufgefordert werden kann, seinen Lösungsvorschlag kundzutun. Diesen Schritt nennen Brüning und Saum – neben anderen Vertretern - „Think“, zu Deutsch: Denken. In dieser offensichtlichen Denkaufgabe, welche häufig „Konstruktion“ genannt wird, entwickelt jeder Schüler für sich ein Wissensnetz, das die Grundlage für die zweite Phase („Pair“) bildet.
Die SuS finden sich in Kleingruppen zusammen (~ 4 SuS), in denen sie sich über ihre individuellen Ergebnisse austauschen, um so ihr Wissenskonstrukt zu korrigieren oder zu erweitern. Durch das Verbalisieren ihrer Beiträge sind alle SuS zu einer „mentalen Aktivierung“ gezwungen, d.h., sie formulieren das eigene Wissen so aus, dass es für alle Gruppenmitglieder transparent und verständlich wird. Das eigene Wissen jedes einzelnen ist Gesprächsgegenstand in der Kleingruppe, somit sind gewisse Regeln, z.B. das Ausredenlassen, von großer Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kooperatives Lernen im Deutschunterricht: Einführung in die Definition des kooperativen Lernens und die zentrale Fragestellung nach der Umsetzung im Deutschunterricht.
2. PISA als Chance für neue Unterrichts- und Lernmethoden: Diskussion der PISA-Ergebnisse als Auslöser für die Notwendigkeit neuer, schülerorientierter Lehrmethoden.
3. Neue Lehr-und Lernmethoden zum Ausgleichen defizitärer Kompetenzen: Fokus „Kooperatives Lernen“: Vorstellung des kanadischen Ansatzes von Norm und Kathy Green zur Aktivierung der Lernenden.
4. Phasierung des Kooperativen Lernens: Detaillierte Darstellung der Phasen (Einzelarbeit, Partner- und Gruppenarbeit) und der mentalen Aktivierungsprozesse.
5. Adäquates Lernklima: Bedeutung der Lernumgebung und des Aufbaus von Regeln für den Erfolg kooperativer Methoden.
6. Gründe für den Einsatz kooperativer Lehrmethoden; Lehrerrolle: Analyse der veränderten Anforderungen an die Lehrkraft und die Bedeutung von Vertrauen und Sozialkompetenzen.
7. Evaluation und Reflexion von Gruppenarbeiten: Herausforderungen und Strategien bei der Leistungsbeurteilung in kooperativen Lernumgebungen.
8. Fazit/ KL in den Richtlinien und Lehrplänen (RuL): Zusammenfassende Bewertung der Integration von kooperativem Lernen in den Schulalltag unter Berücksichtigung bildungsplanerischer Vorgaben.
Schlüsselwörter
Kooperatives Lernen, Deutschunterricht, Schüleraktivierung, Konstruktivismus, Gruppenarbeit, Placemat-Verfahren, soziale Interdependenz, Sozialkompetenzen, Lehrerrolle, Unterrichtsmanagement, Lernklima, Mentale Aktivierung, Unterrichtsplanung, Binnendifferenzierung, Wissenskonstruktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung von Konzepten des kooperativen Lernens im Deutschunterricht und deren Auswirkungen auf die Lernprozesse der Schüler.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die PISA-Problematik, methodische Phasen des kooperativen Lernens, die Lehrerrolle und die Gestaltung eines förderlichen Lernklimas.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu klären, inwieweit das kooperative Lernen Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung zu kompetenten Lernern unterstützen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch Fachliteratur (z. B. Brüning/Saum, Weidner, Druyen) sowie eine didaktische Reflexion der unterrichtlichen Umsetzung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Methoden wie das Placemat-Verfahren, die Phasierung des Lernens, die Bedeutung der Lehrerrolle sowie Fragen der Evaluation und Reflexion diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schüleraktivierung, kooperative Methoden, soziale Interdependenz und konstruktivistische Lernansätze charakterisiert.
Wie trägt das Placemat-Verfahren zur aktiven Teilnahme bei?
Es sichert die individuelle Beteiligung jedes Gruppenmitglieds, da jeder Schüler zunächst eigene Gedanken notiert, bevor ein gemeinsames Ergebnis diskutiert und festgehalten wird.
Warum wird die Rolle der Lehrkraft als schwierig beschrieben?
Die Lehrkraft muss ein hohes Maß an Risikobereitschaft zeigen, Verantwortung abgeben können und über eine hohe Diagnosefähigkeit verfügen, um den Lernprozess effektiv zu begleiten.
Welche Rolle spielen Sozialkompetenzen in diesem Konzept?
Kooperatives Lernen fördert gezielt Team- und Kommunikationsfähigkeit, welche als essenzielle Qualifikationen für das spätere Berufsleben und zwischenmenschliche Beziehungen angesehen werden.
- Arbeit zitieren
- Sabine Reinwald (Autor:in), 2010, Kooperatives Lernen im Deutschunterricht , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168658