1. Einführung
Krankenversicherungen sind in der heutigen Zeit integraler Bestandteil der Gesundheitssysteme moderner Industriestaaten. Für die versicherten Individuen sind Krankenversicherungen insbesondere aus zwei Gründen von hoher Bedeutung. Aufgrund der enormen Kosten, die die Inanspruchnahme heutiger Gesundheitsleistungen in der Regel mit sich bringt, dient das Vorhandensein einer Krankenversicherung einerseits dem Schutz vor unkalkulierbaren finanziellen Risiken. Zum anderen soll durch den Versicherungsschutz gewährleistet sein, dass Versicherungsnehmer unabhängig ihrer persönlichen Einkommens- und Vermögenslage im Bedarfsfall jederzeit Zugang zu medizinisch erforderlichen Leistungen besitzen.(1)
Auch für die Gesellschaft als Ganzes kann eine gute medizinische Versorgung auf der Basis einer möglichst allumfassenden Einbindung ihrer Bürger in ein Krankenversicherungssystem als erstrebenswert angesehen werden, da der Gesundheitszustand der Individuen unzweifelhaft eine wichtige Determinante für deren Leistungsfähigkeit bildet.
Hinsichtlich der Ausgestaltung von Krankenversicherungssystemen gibt es im Wesentlichen zwei Ansätze. In den Ländern der westlichen Welt sind durch den Staat organisierte und regulierte Krankenversicherungssysteme die Regel, wobei zumeist die gesamte Bevölkerung vor Krankheit abgesichert ist. Derartige Systeme können entweder – gemäß dem Bismarckschen System(2) – durch Sozialversicherungsbeiträge oder durch Steuern finanziert werden, wie dies beispielsweise in Großbritannien praktiziert wird.
Privatwirtschaftlich geprägte und organisierte Systeme bilden hingegen eine Randerscheinung. Als einzige bedeutende Industrienation setzen die Vereinigten Staaten auf ein derartiges System der Krankenversicherung. Entsprechend der liberalen US-amerikanischen Tradition stehen im Bereich der Krankenversicherung freier Wettbewerb gewährleistet durch eine möglichst passive Rolle des Staates auf der einen sowie die Betonung der Eigenverantwortlichkeit der Individuen auf der anderen Seite im Vordergrund.
Dennoch ist auch das US-amerikanische Krankenversicherungssystem nicht frei von staatlichen Regulierungen und Eingriffen, weshalb es keineswegs als ein reines Marktsystem bezeichnet werden kann.
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1 Vgl. Claxton 2002, S.1.
2 Im Rahmen der bismarckschen Sozialgesetzgebungen in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde im Jahr 1884 erstmals eine sich aus Sozialversicherungsbeiträgen finanzierte gesetzliche Krankenvers.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Grundzüge des US-amerikanischen Krankenversicherungssystems
2.1. Versicherungstypen
2.2. Nichtversicherung in den Vereinigten Staaten
3. Medicaid
3.1. Administration & Finanzierung
3.2. Zugangsvoraussetzungen & Leistungsumfang
4. Medicaid unter Reformdruck
5. Maßnahmen & Vorschläge zur Reformierung von Medicaid
6. Zusammenfassung & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung des staatlichen Medicaid-Programms innerhalb des US-amerikanischen Krankenversicherungssystems, analysiert die aktuellen Herausforderungen durch steigende Kosten sowie demografische Faktoren und beleuchtet die politische Reformdebatte.
- Grundlagen und Besonderheiten des US-Krankenversicherungssystems
- Mechanismen des privaten Krankenversicherungsmarktes und das Problem der Nichtversicherten
- Struktur, Administration und Finanzierung von Medicaid
- Kostenentwicklung und Reformdruck auf das Medicaid-System
- Politische Positionen zur Zukunftsfähigkeit staatlicher Gesundheitsprogramme
Auszug aus dem Buch
3.1. Administration & Finanzierung
Die Administration und Ausgestaltung der Medicaid-Programme obliegt gemäß der föderalen Tradition der Vereinigten Staaten den einzelnen Bundesstaaten, wodurch es in der Praxis hinsichtlich der Zugangsvoraussetzungen sowie der im Rahmen der Programmen abgedeckten Leistungen zu teils erheblichen Unterschieden kommt. Das unter der Bezeichnung Social Security Act aus dem Jahr 1965 bekannte Bundesgesetz gibt lediglich einen weit gefassten rechtlichen Rahmen vor. Darüber hinaus setzt es Mindeststandards etwa hinsichtlich der Leistungen, die ein Programm in jedem Fall zu umfassen hat.
Als Bindeglied zwischen der Bundesregierung in Washington, D.C. und den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten fungieren landesweit insgesamt zehn Centers for Medicare and Medicaid Services (CMS), die innerhalb des United States Department of Health and Human Services (DHHS) angesiedelt sind.
Im Unterschied zu Medicare, welches ausschließlich aus Bundesmitteln bestritten wird, werden die Medicaid-Programme in Kooperation zwischen der Bundesregierung und den Staatsregierungen finanziert. Im landesweiten Vergleich sind dabei erhebliche Unterschiede in Bezug auf das Verhältnis der Anteile festzustellen. Während der FMAP im landesweiten Durchschnitt rund 57 Prozent ausmacht, liegt dieser in wirtschaftlich schwachen Staaten mit einem hohen Anteil an Medicaid-Versicherten gemessen an der Gesamtbevölkerung mit mehr als 70% teilweise deutlich darüber, wie unter anderem in den Südstaaten Mississippi und New Mexico. In jedem Fall liegt der Finanzierungsanteil der Bundesregierung bei mindestens 50%.
Insgesamt entfallen rund 18% der gesamten Aufwendungen für Gesundheit in den USA auf Medicaid, wodurch das Programm eine zentrale Stellung im Gesundheitssystem des Landes einnimmt. Krankenhäuser beziehen im Durchschnitt etwa 17% ihrer Gesamteinnahmen aus Medicaid-Geldern. Im Bereich der Pflege kommt Medicaid gar für mehr als 40% aller angefallenen Kosten auf. Dies unterstreicht die wichtige Bedeutung des Krankenversicherungsprogramms auch im Hinblick auf die Leistungserbringer; trägt die Finanzierung durch Medicaid doch in nicht unerheblichem Umfang zu ihren Gesamteinnahmen bei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Krankenversicherungen in modernen Industriestaaten und skizziert das US-amerikanische System, das primär auf privatem Wettbewerb basiert.
2. Grundzüge des US-amerikanischen Krankenversicherungssystems: Dieses Kapitel beschreibt die Versicherungstypen wie Arbeitgeberversicherungen sowie die sozioökonomischen Ursachen und Folgen der weit verbreiteten Nichtversicherung in den USA.
3. Medicaid: Das Kapitel führt in die Entstehungsgeschichte von Medicaid ein und erläutert detailliert die föderale Struktur der Administration, die Finanzierung sowie die Zugangskriterien.
4. Medicaid unter Reformdruck: Hier werden die Ursachen für die Kostenexplosion bei Medicaid thematisiert, darunter die Erosion privater Versicherungen und steigende Kosten in der Langzeitpflege.
5. Maßnahmen & Vorschläge zur Reformierung von Medicaid: Das Kapitel analysiert aktuelle politische Ansätze zur Kostendämpfung, wie Zuzahlungen und Budgets, sowie die gegensätzlichen Positionen von Republikanern und Demokraten.
6. Zusammenfassung & Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert kritisch die Möglichkeiten einer allgemeinen gesetzlichen Krankenversicherung als Alternative zum aktuellen System.
Schlüsselwörter
Medicaid, Krankenversicherung, USA, Gesundheitsökonomie, Nichtversicherung, Sozialpolitik, Finanzierung, FMAP, Social Security Act, Reformdruck, Gesundheitswesen, Langzeitpflege, Kostenentwicklung, Medicare, US-Innenpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Bedeutung des staatlichen Medicaid-Programms als essenzielle Säule der medizinischen Grundversorgung für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen in den USA.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Struktur des US-Gesundheitssystems, die Funktionsweise von Medicaid, die sozioökonomische Problematik der Nichtversicherung sowie die aktuelle Debatte um Reformen und Kostenkontrolle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Stellung von Medicaid innerhalb des US-Krankenversicherungssystems zu analysieren und zu beleuchten, inwieweit das Programm trotz steigender Kosten und politischer Reformbestrebungen die Versorgungslücken der Bevölkerung schließen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Aufarbeitung der gesundheitsökonomischen Literatur sowie statistischer Daten zur US-Gesundheitspolitik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der US-Krankenversicherungslandschaft, eine detaillierte Darstellung von Medicaid (Administration, Finanzierung, Zugang) sowie eine Diskussion der Herausforderungen durch Kostensteigerungen und politische Reformvorschläge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Medicaid, Krankenversicherung, USA, Kostenentwicklung, Sozialpolitik, Nichtversicherung und Reformdruck.
Wie unterscheidet sich Medicaid administrativ von der staatlichen Medicare-Versicherung?
Während Medicare primär aus Bundesmitteln finanziert wird, erfolgt die Finanzierung von Medicaid in einer Kooperation zwischen dem Bund und den einzelnen Bundesstaaten, was zu regionalen Unterschieden führt.
Warum ist das Problem der Langzeitpflege für das Medicaid-Budget so relevant?
Die Langzeitpflege ist in Medicare kaum abgedeckt, weshalb Medicaid für einen Großteil der Pflegekosten aufkommen muss, was aufgrund des demografischen Wandels zu einem massiven Kostenanstieg führt.
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- M.A. Dominik Heck (Author), 2008, Medicaid. Stellung und Bedeutung im Krankenversicherungssystem der USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168579