Die Projektarbeit mit dem Titel „ Qualitätsmanagement in kleinen Unternehmen am Beispiel des Betriebes Gassenschmidt Orthopädie“ entstand aus einer in 2008 anstehenden Rezertifizierung des genannten Betriebes nach der Norm 9001:2000. Als Vorreiter hatte Hubert Gassenschmidt Anfang der 90er Jahre an einem Pilotprojekt der EU und Handwerkskammer teilgenommen und seinen Betrieb als erster seines Faches nach dem weltweit gültigen Standard der 9000er Familie zertifizieren lassen.
Ziel des Projektes war es nun, die veränderten Strukturen des Unternehmens aufgrund eines Umzuges der Werkstatt und Erweiterung des Angebots um die Podologie und im QM-System abzubilden. Mithilfe des prozessorientierten Ansatzes, den die überarbeitete Norm fordert, konnten Möglichkeiten zur Optimierung von Abläufen und Steigerung bestimmter Umsatzbereiche festgestellt werden, die nicht unerheblich dazu beitrugen, den Betrieb trotz Wirtschaftskrise und tiefeingreifender Gesundheitsreform auf Kurs zu halten und neue Kundenkreise zu gewinnen.
Die Arbeit durfte aufgrund der Studienbestimmungen für die Erlangung des „Staatlich anerkannten Betriebswirt des Handwerks“ an der Bildungsakademie des Handwerks Karlsruhe einen Umfang von 15 Textseiten nicht überschreiten. Aus diesem Grund wurden nicht Einzelbeispiele der Umarbeitung des Handbuchs aufgezählt, sondern die Erstellung und Abbildung der Prozesse im Rahmen der Entwicklung des Qualitätsmanagements aufgezeigt. Probleme bei der Umsetzung komplexer Anforderungen der Norm, seien es Validierung von Prozessen, Anwendung statistischer Methoden oder auch Abfrage, sowie Dokumentation von Kundenzufriedenheit wurden diskutiert. Der Aspekt eine umweltgerechte Betriebsführung nach der DIN 14000 oder EMAS zu zertifizieren wurde ebenfalls thematisiert. Dieses „Add on“ bietet sich aufgrund des Baukastensystems der Managementnormenfamilie an.
Die Arbeit zeigt, dass ein gelebtes strukturiertes Qualitätsmanagementsystem gerade im Handwerk Erweiterungsmöglichkeiten, Projekte oder Investitionen eine ideale Basis bietet.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung (Problematik und Zielsetzung der Arbeit)
3. Kurzdarstellung der Situation orthopädischer Handwerksbetriebe und die Bedeutung des Qualitätsmanagements
4. Vorstellung des Betriebes „Gassenschmidt Orthopädie“
5. Entstehung, Geschichte und Entwicklung von Qualität und Normen
6. Die Entwicklung des QM- Handbuches bei „Gassenschmidt Orthopädie“
7. Systematische Umarbeitung des vorhandenen Handbuches nach den Bestimmungen der DIN EN ISO 13485
8. Integration von Umweltaspekten nach EMAS und DIN EN ISO 14001
9. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den realen Umgang mit Normungsverfahren in einem orthopädischen Handwerksbetrieb am Beispiel von „Gassenschmidt Orthopädie“ praxisnah zu demonstrieren und als Handreichung für andere Betriebe bei der Zertifizierung zu dienen.
- Notwendigkeit und Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen (QM) im Handwerk
- Prozessorientierte Umstellung des Qualitätsmanagementhandbuchs (QMH) auf die Norm DIN EN ISO 13485
- Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Zertifizierung von Kleinbetrieben
- Integration von Umweltmanagementaspekten gemäß EMAS und DIN EN ISO 14001
- Strategien zur Bewältigung von Wettbewerbsdruck durch prozessorientierte Betriebsführung
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklung des QM- Handbuches bei „Gassenschmidt Orthopädie“
Qualitätsmanagement und individualisiertes Handwerk - das hört sich für viele Meister wie ein Vergleich mit Äpfel und Birnen an. Die Handwerkskammer und das itb haben in den 90er Jahren mit Schriften und Kampagnen für die Einführung und Umsetzung von Qualitätsmanagement in den Betrieben geworben. Hubert Gassenschmidt hat 1994 die Gelegenheit genutzt und in einem zweijährigen begleiteten Kurs seinen Kleinbetrieb nach DIN EN ISO 9002 zertifiziert. Vergleiche oder Vorlagen gab es bis dato nicht, da er der erste Zertifizierte seiner Innung der Orthopädieschuhmacher war. Er selbst argumentiert, dass die Hauptaufgabe sei, sich bewusst zu werden, was die wesentlichen Kernaufgaben des Handwerks sind, das man betreibt. Letztlich ist es nichts anderes als das was man täglich tut, in Worte oder Ablaufdiagramme zu fassen, um Kunden aber auch Angestellten und Auszubildenden einen Leitfaden über seine Produktherstellung zu geben.
Zum Bewusstsein für die Prozesse und die passende Visualisierung bietet sich als Starthilfe eine so genannte „Prozesslandkarte“ an, die im Brainstorming Verfahren in den ersten Grundzügen aufgestellt wird. „Städte, Gebirgszüge, Flüsse und Straßen“ zeigen sich in Form von Abläufen, Beziehungen, Netzen, Zu- und Abflüssen von Produkten innerhalb des Produktzyklus. Es ist gerade dem traditionellen Handwerk eigen, dass bestimmte Herstellungsprozesse durch Erfahrungswerte in ihrem Ablauf festgelegt sind und mündlich tradiert werden. Sie gehören dadurch zum Kanon der Gesellen- und Meisterprüfungsordnung und werden durch die Prüfung an sich kontrolliert und letztlich in ihrer Qualität überwacht. Dies ist ein Vorteil gegenüber der Industrie, wo oft ungelernte Kräfte arbeiten und Bewusstsein und Qualität der Tätigkeit durch mangelnde Ausbildung nicht sichergestellt ist und Kontrolle durch Reglements und Prüfungen bedarf.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung (Problematik und Zielsetzung der Arbeit): Diese Einleitung skizziert den Anlass der Projektarbeit, die Umstellung des Handbuchs auf die Norm 13485, und beschreibt das Ziel, dem Leser praktische Einblicke in die Zertifizierung eines Handwerksbetriebs zu geben.
3. Kurzdarstellung der Situation orthopädischer Handwerksbetriebe und die Bedeutung des Qualitätsmanagements: Das Kapitel erläutert den zunehmenden Wettbewerbs- und Preisdruck auf Handwerksbetriebe durch Gesundheitsreformen und die steigende Notwendigkeit, sich durch Zertifizierungen als qualitätsorientierter Partner zu positionieren.
4. Vorstellung des Betriebes „Gassenschmidt Orthopädie“: Hier wird die Entwicklung des inhabergeführten Unternehmens von der Gründung 1991 über die Zertifizierungen bis hin zur Etablierung als Kompetenzzentrum für Fußgesundheit beschrieben.
5. Entstehung, Geschichte und Entwicklung von Qualität und Normen: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss des Qualitätsbegriffs und der Entwicklung von Normungssystemen, von frühen Handwerkstechniken bis hin zu modernen internationalen Standards.
6. Die Entwicklung des QM- Handbuches bei „Gassenschmidt Orthopädie“: Dieser Abschnitt thematisiert die Herausforderungen und Strategien bei der Einführung von Qualitätsmanagement in einem handwerklichen Umfeld und die Rolle der Prozesslandkarte zur Visualisierung betrieblicher Abläufe.
7. Systematische Umarbeitung des vorhandenen Handbuches nach den Bestimmungen der DIN EN ISO 13485: Hier wird der organisatorische Prozess der Überarbeitung des bestehenden Handbuchs hin zur neuen Norm beschrieben, inklusive der Bedeutung von Meilensteinplanung und interner Qualifizierung.
8. Integration von Umweltaspekten nach EMAS und DIN EN ISO 14001: Das Kapitel untersucht die Möglichkeiten und Vorteile der Einbindung von Umweltmanagementsystemen in bestehende Qualitätsstrukturen des Betriebes.
9. Zusammenfassung und Ausblick: Diese Zusammenfassung reflektiert die Notwendigkeit zur Zertifizierung als Chance für Betriebe und gibt einen Ausblick auf die weitere Optimierung durch Monitoring-Konzepte.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Handwerk, Zertifizierung, DIN EN ISO 13485, Orthopädietechnik, Prozessmanagement, Prozesslandkarte, Medizintechnik, Umweltmanagement, EMAS, DIN EN ISO 14001, QM-Handbuch, Kundenzufriedenheit, Betriebsorganisation, Hilfsmittelversorgung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den praktischen Umgang mit Normungsverfahren und Qualitätsmanagement in einem kleinen orthopädischen Handwerksbetrieb.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Zertifizierung nach DIN EN ISO 13485, der Prozessoptimierung im Handwerk und der Integration von Umweltmanagement nach EMAS.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Zertifizierungsprozess eines Kleinunternehmens darzustellen, um anderen Betrieben als Orientierungshilfe für eigene Zertifizierungsmaßnahmen zu dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen fallstudienbasierten Ansatz am Beispiel des Betriebes „Gassenschmidt Orthopädie“, ergänzt durch Literaturanalysen zu Normen und Qualitätsmanagement.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung von Normen, die konkrete Umstellung eines Qualitätsmanagementhandbuchs auf neue Anforderungen sowie die Integration von Umweltaspekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Qualitätsmanagement, Handwerk, Zertifizierung, DIN EN ISO 13485, Prozesslandkarte und Umweltmanagement.
Wie geht der Betrieb mit den Anforderungen der Norm 13485 an die Dokumentation um?
Der Betrieb setzt auf praxisorientierte Dokumentation, indem er notwendige Formblätter schlank gestaltet und die Prozesse so dokumentiert, wie sie im Arbeitsalltag tatsächlich stattfinden, ohne dabei in unnötigen Papieraufwand zu verfallen.
Warum wird die Podologie als Teil des Qualitätsmanagements erwähnt?
Die Implementierung der Podologie erforderte aufgrund der DIN 13485 spezielle Hygienepläne, deren Umsetzung beispielhaft für die Integration neuer Geschäftsfelder in ein bestehendes zertifiziertes Managementsystem steht.
Wie motiviert der Inhaber seine Mitarbeiter im Hinblick auf das Qualitätsmanagement?
Er begreift Personalpolitik als Wertschöpfung, fördert die Mitarbeiter individuell basierend auf ihren Fähigkeiten und nutzt regelmäßige, kurze Werkstattfrühstücke zur ungezwungenen Klärung von Fortschritten und Problemen.
- Arbeit zitieren
- Sonja Christine Großmann (Autor:in), 2009, Qualitätsmanagement bei kleinen Unternehmen am Beispiel des Betriebes Gassenschmidt Orthopädie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168575