Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Liebeskonzepte der Geschwister Gabriele und Renald Dubois in Joseph von Eichendorffs Novelle "Das Schloss Dürande". Anhand zentraler Handlungssituationen wird gezeigt, dass Gabriele eine selbstlose, bedingungslose und romantische Liebe zu Graf Hippolyt Dürande verkörpert, die sich durch Opferbereitschaft und Unabhängigkeit von Gegenliebe auszeichnet. Renalds Liebe zu seiner Schwester hingegen ist von Besitzanspruch, Kontrollbedürfnis und einer inzestuös gefärbten Vormundschaft geprägt, die zunehmend in Gewalt und Zerstörung umschlägt. Der Vergleich macht deutlich, dass Eichendorff zwei gegensätzliche Formen von Liebe gegenüberstellt: eine idealisierte, hingebungsvolle Liebe und eine zerstörerische, machtorientierte Liebe.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Hauptteil
- 2.1 Wie liebt Gabriele?
- 2.1.1 Einleitende Handlung im Wald
- 2.1.2 Klosteraufenthalt und Weg nach Paris
- 2.1.3. Showdown im Schloss Dürande.
- 2.2 Wie liebt Renald?
- 2.2.1. Einleitende Handlung im Wald
- 2.2.2. Suche nach Gabriele in Paris
- 2.2.3. Showdown im Schloss Dürande
- 2.1 Wie liebt Gabriele?
- 3. Vergleich der Geschwister Dubois
- 4. Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Liebesverhältnis von Gabriele und Renald Dubois in Joseph von Eichendorffs Novelle „Das Schloss Dürande“. Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, wie die Geschwister ihre Zuneigung gegenüber den Figuren, zu denen sie sich hingezogen fühlen, zum Ausdruck bringen.
- Analyse der romantischen Epoche als Kontext für Liebesdarstellungen in der Literatur.
- Vertiefte Betrachtung von Eichendorffs Novelle „Das Schloss Dürande“ als Beispiel für verschiedene Facetten der Liebe.
- Vergleich der unterschiedlichen Liebeskonzepte und -ausprägungen von Gabriele und Renald Dubois.
- Beleuchtung der Frage nach bedingungsloser Liebe im Kontext von Geschwisterbeziehungen und gesellschaftlichen Normen.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Klosteraufenthalt und Weg nach Paris
Als Gabriele den nächtlichen Gefühlsausbruch ihres Bruders mitbekommt, entscheidet sie sich sofort zum Kloster aufzubrechen (vgl. Eichendorff 2011, 6 f.). Renalds Ansicht, der das Treffen als Vergehen seiner Schwester sieht, überträgt sich auf Gabriele. Während sie sich kurz nach der Auseinandersetzung keiner Schuld bewusst war, fühlt sie sich jetzt umso schuldiger, weswegen sie allein zum Kloster aufbricht. Ihre Intention liegt darin den Rat bei ihrer Tante zu suchen. Allerdings kann auch der Versuch gesehen werden die Gunst ihres Bruders zurückzugewinnen, was ein Zeichen der Zuneigung ist. Dennoch befindet sich Gabriele in einem Zwiespalt, da sie Sorge hat ihren Liebsten nicht mehr zu sehen. Zudem war es ihr „unerträglich, da[ss] ihr Liebster nicht [weiß], wohin sie [gegangen]" ist (Eichendorff 2011, S. 7). Trotz der räumlichen Trennung von Hippolyt Dürande kann sie ihn nicht vergessen. Im Gegenteil, sie fühlt sich einsam und beistandslos im Kloster, weswegen sie sich mit der Beteiligung an der Klosterwirtschaft abgelenkt (vgl. Eichendorff 2011, S. 10). Die Hoffnung, dass sie Dürande „selber auskundschaften" kann bzw. er „plötzlich einmal aus dem Walde zu ihr komm[t]" (Eichendorff 2011, S. 10) zeigt, dass sie sich im Geist immer noch zu ihm hingezogen fühlt.
Ein weiteres Zeichen ihre Liebe zum Grafen kann in der abendlichen Situation am Klosterfenster ausgemacht werden. Renate und Gabriele sehen einen fremden Mann an einer Mauer und Gabriele lässt ihr weißes Tuch in den Klostergarten fallen. Nach wiederholtem Blick war das Tuch sowie der Fremde verschwunden (vgl. Eichendorff 2011, S. 13). Eberhardt (2004, S. 49) erklärt dazu, dass im damaligen Volksbrauch ein Tuch als Pfand bei der Liebeswerbung, Verlobung oder Hochzeit diente. Unterstützend dazu entgegnet Köhnke (1974, S. 10), dass mit einem weißen Tuch eine Kapitulation angekündigt werde. In diesem Falle symbolisiere es Gabrieles Hingabe an ihren Geliebten. Das heftige Herzklopfen als Symbol für die aufflammende Liebe unterstützt diese Interpretation (vgl. Eichendorff 2011, S. 13). Im Verlauf der Handlung trifft Gabriele nach langer Zeit im Kloster auf den Grafen Dürande, der ihr verlorenes Tuch bei sich trägt, wodurch sich aufklärt, wen Renate und Gabriele an der Klostermauer eines Abends gesehen haben. Damit hat der junge Graf Dürande den Liebespfand entgegengenommen, behält ihn bei sich und zögert nicht ihn verstohlen Gabriele zu zeigen (vgl. Eichendorff 2011, 16 f.). Kurz darauf erfolgt für Gabriele die Aufklärung seiner Identität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die romantische Epoche und Eichendorffs Novelle „Das Schloss Dürande“ ein, um die unterschiedlichen Liebeskonzepte der Geschwister Gabriele und Renald Dubois zu untersuchen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Liebesverhältnisse von Gabriele zu Hippolyt Dürande und von Renald zu seiner Schwester Gabriele, basierend auf drei spezifischen Handlungsschwerpunkten des Werkes.
3. Vergleich der Geschwister Dubois: In diesem Kapitel werden die Liebesweisen von Gabriele und Renald gegenübergestellt, wobei Gabrieles Liebe als selbstlos und unaufdringlich, Renalds Liebe hingegen als kontrollierend und möglicherweise inzestuös gefärbt dargestellt wird.
4. Fazit: Das Fazit fasst die deutlichen Unterschiede in der Art und Weise, wie Gabriele und Renald lieben, zusammen und betont, dass Gabrieles Liebe bedingungslos ist, während Renalds Liebe von Besitzanspruch und Pflichtgefühl geprägt ist.
Schlüsselwörter
Liebe, Romantik, Eichendorff, Das Schloss Dürande, Gabriele Dubois, Renald Dubois, Geschwisterliebe, bedingungslose Liebe, Kontrolle, Vormundschaft, Familienehre, unstandesgemäße Liebe, Zerstörungstrieb, Selbstmord, Beziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Art und Weise, wie die Geschwister Gabriele und Renald Dubois in Joseph von Eichendorffs Novelle „Das Schloss Dürande“ lieben und ihre Zuneigung zum Ausdruck bringen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die romantische Epoche, die vielfältigen Facetten der Liebe in literarischen Werken, die Analyse von Geschwisterdynamiken und die Frage nach bedingungsloser Liebe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, wie Gabriele und Renald Dubois ihre Zuneigung gegenüber Figuren zum Ausdruck bringen, zu denen sie sich hingezogen fühlen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Werkanalyse von Eichendorffs Novelle „Das Schloss Dürande“ durchgeführt, indem das Verhalten beider Charaktere anhand von drei Handlungsschwerpunkten interpretiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die separaten Liebeskonzepte von Gabriele und Renald in verschiedenen Handlungssituationen der Novelle, gefolgt von einem abschließenden Vergleich ihrer Liebesweisen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Romantik, Liebe, Eichendorff, Geschwister, bedingungslos, Kontrolle, Vormundschaft und Inzest.
Warum fühlt sich Gabriele nach der Auseinandersetzung mit ihrem Bruder schuldig, obwohl sie anfangs "rein von aller Schuld" war?
Gabrieles anfängliches Unschuldsgefühl wandelt sich in Schuld um, als sie die heimlichen Treffen aus der Perspektive ihres Bruders Renald als Vergehen interpretiert, was sie dazu bewegt, ins Kloster aufzubrechen.
Welche symbolische Bedeutung hat das weiße Tuch, das Gabriele am Klosterfenster fallen lässt?
Das weiße Tuch symbolisiert im damaligen Volksbrauch ein Pfand bei der Liebeswerbung und eine Kapitulation, was Gabrieles Hingabe an ihren Geliebten und die aufkeimende Liebe unterstreicht.
Inwiefern unterscheidet sich Gabrieles Liebe von der ihres Bruders Renald?
Gabrieles Liebe ist selbstlos, unaufdringlich und bedingungslos, während Renalds Liebe von einem starken Kontrollbedürfnis, Besitzanspruch und möglicherweise inzestuösen Zügen gegenüber seiner Schwester geprägt ist.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2023, Die Art und Weise zu lieben in Eichendorffs "Das Schloss Dürande". Vergleich der Geschwister Dubois, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1685549