Die vorliegende Arbeit Gerechtigkeit in der philosophischen Diskussion. Robert Nozick`s Kritik an John Rawls` „Theorie der Gerechtigkeit“, versucht die Frage zu erläutern inwiefern, die Kritik von Robert Nozick an Rawls mit seiner eigenen Theorie wiederlegt werden kann. Den ersten Teil der Untersuchung bildet eine ausführliche Darlegung der Theorie von John Rawls und eine detailierte Erläuterung der Kritik von Robert Nozick. Auf dieser Grundlage war es möglich die beschriebene Nozicksche Kritik anhand der eigenen Theorie zu wiederlegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. John Rawls „Eine Theorie der Gerechtigkeit“; Eine Einführung
2.1. Der Schleier des Nichtwissens
2.2. Die Gerechtigkeitsprinzipien
2.3. Das Differenzprinzip und die Maximin – Regel
3. Die ultraliberale Reaktion durch Robert Nozick
3.1. Menschen sind Eigentümer ihrer selbst
3.2. Die gesellschaftliche Zusammenarbeit und Umverteilung
4. Die Schwächen der Nozickschen Kritik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen John Rawls' Theorie der Gerechtigkeit und Robert Nozicks libertärer Kritik, mit dem Ziel zu analysieren, inwieweit Nozicks Gegenposition anhand seiner eigenen theoretischen Prämissen widerlegt werden kann.
- Grundlagen der Rawlsschen Gerechtigkeitstheorie und der Urzustand
- Die Mechanismen des Differenzprinzips und der Maximin-Lösung
- Nozicks libertäre Kritik an staatlicher Umverteilung und Eigentumseingriffen
- Methodische Analyse der Widersprüchlichkeiten in Nozicks Argumentation
Auszug aus dem Buch
3.1. Menschen sind Eigentümer ihrer selbst
Wie hinreichend dargelegt wurde, geht Rawls davon aus, dass die natürlichen Fähigkeiten eines Menschen moralisch willkürliche Faktoren bei der Umverteilung darstellen. Für die Lösung des Problems fordert Rawls diese Fähigkeiten als Gemeinschaftsprodukt zu sehen und nur zum Vorteile aller in der gemeinschaftlichen Arbeit einzusetzen.
Für Nozick bildet diese Forderung ein Affront. Die Menschen könnten nicht so einfach von ihren natürlichen Vorzügen abgelöst werden, wie es Rawls verlangt. Werden natürliche Fähigkeiten und Vorzüge zur Gemeinschaftssache erklärt, so Nozick, erfährt der Einzelne eine Entfremdung seiner selbst (Ladwig 2006: 122).
Auf die Frage warum „[…] sollten die Besitztümer nicht zum Teil von natürlichen Fähigkeiten abhängen?“ (Nozick 2006: 285), lässt Nozick Rawls durch ein Zitat antworten, welches dem Wortlaut nach sagt, das die natürlichen Gaben unverdient und willkürlich sind. Nozick klassifiziert diese Antwort in zwei Deutungsmöglichkeiten: Zum einen könnte die Antwort meinen, dass eine Verteilung nach moralisch willkürlichen Aspekten beseitigt und durch eine moralisch gerechtfertigte Verteilung ersetzt werden soll. Diese Deutung nennt Nozick das positive Argument (a) (Nozick 2006: 286).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz des Liberalismus in Zeiten der Globalisierung und Wirtschaftskrise ein und skizziert den theoretischen Konflikt zwischen John Rawls und Robert Nozick.
2. John Rawls „Eine Theorie der Gerechtigkeit“; Eine Einführung: Dieses Kapitel erläutert Rawls' Modell des Urzustands, den Schleier des Nichtwissens und die daraus abgeleiteten Gerechtigkeitsprinzipien.
2.1. Der Schleier des Nichtwissens: Hier wird die Konstruktion der Unwissenheit als Bedingung für die Wahl gerechter Grundsätze detailliert beschrieben.
2.2. Die Gerechtigkeitsprinzipien: Es werden die zwei zentralen Gerechtigkeitsprinzipien von Rawls hinsichtlich Freiheit und sozio-ökonomischer Verteilung dargestellt.
2.3. Das Differenzprinzip und die Maximin – Regel: Dieses Kapitel analysiert die Strategie der Maximin-Lösung und die Legitimierung von Ungleichheiten durch das Differenzprinzip.
3. Die ultraliberale Reaktion durch Robert Nozick: Die Einleitung in Nozicks libertäre Philosophie verdeutlicht seinen Gegensatz zur Rawlsschen Konzeption und seinen Fokus auf den Minimalstaat.
3.1. Menschen sind Eigentümer ihrer selbst: Dieses Kapitel behandelt Nozicks Kritik an der Rawlsschen Idee, natürliche Fähigkeiten als Gemeinschaftsgut zu betrachten.
3.2. Die gesellschaftliche Zusammenarbeit und Umverteilung: Hier wird Nozicks Argumentation gegen staatliche Umverteilung mittels des Robinson-Crusoe-Gedankenexperiments erörtert.
4. Die Schwächen der Nozickschen Kritik: Die kritische Analyse zeigt auf, dass Nozicks Argumentation bei genauerer Betrachtung ihrer eigenen Prämissen, insbesondere bei der Transformation zum Minimalstaat, widersprüchlich erscheint.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung beider Theorien und reflektiert die Schwierigkeit einer endgültigen Definition sozialer Gerechtigkeit.
Schlüsselwörter
John Rawls, Robert Nozick, Gerechtigkeit, Liberalismus, Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Differenzprinzip, Minimalstaat, Eigentumsrechte, Umverteilung, Naturrechte, Anspruchstheorie, Sozialstaat, politische Philosophie, Maximin-Regel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den theoretischen Disput zwischen John Rawls' „Theorie der Gerechtigkeit“ und Robert Nozicks libertärer Kritik, wobei untersucht wird, ob Nozicks Kritikpunkte an Rawls durch Nozicks eigene Theorie widerlegt werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind soziale Gerechtigkeit, Eigentumsrechte, die Rolle des Staates, das Prinzip der gesellschaftlichen Zusammenarbeit sowie die Abgrenzung zwischen Individuum und Gemeinschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die interne Konsistenz der Nozickschen Argumentation zu prüfen und aufzuzeigen, ob seine Angriffe auf Rawls' Umverteilungskonzept aufgrund seiner eigenen Annahmen, etwa bezüglich des Minimalstaates, scheitern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse der Primärtexte von Rawls und Nozick sowie einer kritischen Auseinandersetzung anhand philosophischer Rezensionen und Sekundärliteratur.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Rawls' Urzustand und Differenzprinzip, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der Nozickschen Kritik an der Selbstverfügung und Umverteilung sowie einer abschließenden Schwachstellenanalyse der Nozickschen Argumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Liberalismus, Eigentumsrechte, Urzustand, Minimalstaat und Verteilungsgerechtigkeit charakterisiert.
Warum hält Nozick die Rawlssche Umverteilung für unzulässig?
Nozick argumentiert, dass Individuen Eigentümer ihrer selbst und ihrer natürlichen Fähigkeiten sind; staatliche Umverteilung stellt für ihn einen Eingriff in diese natürlichen Rechte dar, den er als staatliche Zwangsarbeit interpretiert.
Wie verstrickt sich Nozick laut dem Autor in Widersprüche?
Der Autor zeigt auf, dass Nozicks Entschädigungsgrundsatz, der den Übergang zum Minimalstaat legitimieren soll, paradoxerweise selbst zu Eingriffen in Naturrechte führt, die Nozick eigentlich prinzipiell ablehnt.
Was ist die „Maximin-Lösung“ bei Rawls?
Es ist eine Entscheidungsstrategie unter Unsicherheit, bei der Individuen im Urzustand jene Grundsätze wählen, deren schlechtestmögliches Ergebnis besser ist als das jeder anderen Alternative.
Inwiefern beeinflusst der „Schleier des Nichtwissens“ die Gerechtigkeitsentscheidung?
Durch die Unkenntnis über die eigene soziale Stellung, Talente und Fähigkeiten werden persönliche Interessen neutralisiert, was eine objektive Einigung auf faire Grundsätze für alle Gesellschaftsmitglieder ermöglichen soll.
- Arbeit zitieren
- Philipp Meyer (Autor:in), 2010, Die Gerechtigkeit in der philosophischen Diskussion - Robert Nozick's Kritik an John Rawls' „Theorie der Gerechtigkeit“ , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168520