Die folgende Hausarbeit handelt um Sprachwandelphänomene, Faktoren, die
Sprachwandel verursachen können und um Anglizismen im deutschen Wortgut.
Das oben genannte Gedicht Wider das Sprachpanschen von Gerhard H. Junker stellt eine
klare Stellung zu Anglizismen dar, denn ,,Deutsch und Englisch sind wie Weine,/ sie
erblühen nur alleine“. Die starke Distanz zu Anglizismen wird deutlich, denn diese
quälen nicht nur die Enkelkinder des englischen Genies Shakespeare, sondern bereiten
auch Probleme bei der Verständigung auf, weil sie kaum einer versteht. Auch die
deutsche Sprache wird durch Anglizismen verschandelt, dabei spielen die Sportreporter
nicht weniger eine Rolle. Ein Lösungsvorschlag ist dennoch gegeben, und zwar soll der
rote Wein, rot bleiben und nicht mit dem weißen gemischt werden. Also eine
Differenzierung von Englisch und Deutsch. Die Frage, ob eine klare Differenzierung
möglich ist, soll zunächst einmal offen bleiben, denn darum soll es unter anderem auch in
dieser Hausarbeit gehen. Desweiteren werden auch Fragen geklärt, ob Anglizismen einen
Sprachverfall oder einen Sprachwandel verursachen, ob es eine Mischung von beidem
möglich wäre oder ob eine total neue Sprache bzw. Dialekt sich heraus kristallisiert.
Im theoretischen Teil wird das Augenmerk auf die Sprachwandelphänomene gelegt. Es
werden lediglich nur die drei wichtigsten Ursachen bzw. Kriterien für Sprachwandel
dargestellt. Dazu zählen die Sprachliche Variation, Sprachliche Innovation und
Sprachliche Ökonomie. Anschließend wird in die Invisible- Hand Theorie eingegangen.
Im analytischen Teil hingegen wird die Ära der Anglizismen tiefgründiger vorgestellt.
Was sind Anglizismen, Fremd- und Lehnwörter? Wie sind diese entstanden? Was für
einen Einfluss haben sie in verschiedenen sozialen Lebensbereichen? Wie reagiert das
deutsche Volk? Ist eine starke Ablehnung oder Integration der Anglizismen erkennbar?
Demnach lautet die Leitfrage für diese Hausarbeit:
Wie ist die Haltung verschiedener deutscher Bevölkerungsgruppen gegenüber dem
Sprachwandel, dass von Anglizismen verursacht wird?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachwandel
2.1. Sprachwandel in theoretischer Sicht
2.1.1. Sprachliche Ökonomie
2.1.2. Sprachliche Innovation
2.1.3. Sprachliche Variation
2.1.4. Invisible-Hand-Erklärung
2.2. Anglizismus
2.2.1. Anglizismenentstehung
2.2.2. Lehnwort vs. Fremdwort
2.2.3. Anglizismusgebrauch in der Jugendsprache
2.2.4. Deutsche Sprachpolitik
2.2.5. Das Verein deutsche Sprache
2.2.6. Anglizismenablehnung
3. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Sprachwandels durch den Einfluss von Anglizismen im Deutschen und analysiert, inwiefern dies als Sprachverfall oder als Bereicherung der Sprache wahrgenommen wird, um die Haltung verschiedener Bevölkerungsgruppen dazu zu ergründen.
- Theoretische Grundlagen des Sprachwandels (Ökonomie, Innovation, Variation)
- Entstehung und historische Einordnung von Anglizismen
- Rolle von Anglizismen in der Jugendsprache
- Sprachpolitische Aspekte und die Arbeit des "Vereins für deutsche Sprache"
- Debatte um Lehnwörter versus Fremdwörter
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Sprachliche Ökonomie
In der sprachlichen Ökonomie wird das sprachliche Verhalten durch eine ungenaue und verkürzte Kommunikation geprägt. Es ist eine hohe Informationsvergabe mit geringem sprachlichem Aufwand möglich. Dabei tragen die Konversationsmaximen von Herbert Paul Grice eine große Bedeutung. Grice führt in seiner Theorie der vier Maximen den Begriff der Konversationalen Implikatur ein. Konversationale Implikatur ist, ,,das in einer Konversation nicht ausgesprochen[e], sondern angedeutet[e] und mitgemeint[e] […] und für den Gesprächspartner (aufgrund der Kenntnisse von Wortbedeutung, Kontext und Hintergrundwissen) durch Überlegungen erschließbar[e] […].‘‘ Implikaturen, wie von Grice eingeführt, können nur dann funktionieren, wenn diese sich in ein allgemeines Kooperationsprinzip befinden. Das allgemeine Kooperationsprinzip erklärt er wie folgt:
Mache deinen Gesprächsbeitrag jeweils so, wie es von dem akzeptierten Zweck oder der akzeptierten Richtung des Gesprächs, an dem du teilnimmst, gerade verlangt wird.
Dafür hat Grice vier Konversationskategorien eingeführt, damit die o.g. Richtlinien auch praktisch umsetzbar sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, der Relevanz von Sprachwandel und Anglizismen sowie Formulierung der Leitfrage zur Haltung deutscher Bevölkerungsgruppen gegenüber diesen Einflüssen.
2. Sprachwandel: Theoretische Auseinandersetzung mit den Kriterien des Sprachwandels, insbesondere der sprachlichen Ökonomie, Innovation und Variation sowie der Theorie der unsichtbaren Hand.
2.1. Sprachwandel in theoretischer Sicht: Detaillierte Analyse der sprachwissenschaftlichen Faktoren wie Ökonomie, Innovation, Variation und der Invisible-Hand-Erklärung zur Beschreibung von Sprachwandelprozessen.
2.1.1. Sprachliche Ökonomie: Betrachtung der ökonomischen Prinzipien in der Kommunikation, erläutert durch die Konversationsmaximen von H.P. Grice und verschiedene Stilformen.
2.1.2. Sprachliche Innovation: Darstellung der Wege sprachlicher Erneuerung, insbesondere durch Wortbildung, Entlehnung und Bedeutungsveränderung.
2.1.3. Sprachliche Variation: Erläuterung der Variabilität von Sprache als Folge verschiedener Ausdrucksmöglichkeiten und situativer Faktoren.
2.1.4. Invisible-Hand-Erklärung: Untersuchung der Sprachentwicklung als unbewusster evolutionärer Prozess, bekräftigt durch die Metapher der "unsichtbaren Hand" und die Trampelpfadtheorie.
2.2. Anglizismus: Einführung in das Thema Anglizismen, ihre Integration ins Deutsche und die kontroversen Standpunkte bezüglich ihrer Bewertung.
2.2.1. Anglizismenentstehung: Historische Nachzeichnung der Zunahme englischer Einflüsse auf die deutsche Sprache, insbesondere nach den Weltkriegen und dem Einfluss des amerikanischen Englisch.
2.2.2. Lehnwort vs. Fremdwort: Definition und Abgrenzung der Begriffe, sowie Erörterung der Problematik fließender Übergänge zwischen beiden Formen.
2.2.3. Anglizismusgebrauch in der Jugendsprache: Analyse der starken Prägung der Alltagssprache von Jugendlichen durch Anglizismen und die daraus resultierende gesellschaftliche Kritik.
2.2.4. Deutsche Sprachpolitik: Untersuchung der politischen Perspektiven auf die deutsche Sprache in Europa und die Auswirkungen des zunehmenden Gebrauchs der englischen Sprache.
2.2.5. Das Verein deutsche Sprache: Vorstellung der Ziele und Aktivitäten des Vereins als Bürgerbewegung zum Schutz des deutschen Sprach- und Kulturguts.
2.2.6. Anglizismusablehnung: Kritische Auseinandersetzung mit der Ablehnung von Anglizismen und Analyse der verschiedenen Argumentationsmuster von Sprachkritikern.
3. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Thematik, die zur Einsicht führt, dass eine klare Abgrenzung schwierig ist und ein bewusster, maßvoller Umgang mit Entlehnungen angestrebt werden sollte.
Schlüsselwörter
Sprachwandel, Anglizismen, Deutsche Sprache, Sprachökonomie, Lehnwörter, Fremdwörter, Jugendsprache, Sprachpolitik, Verein für deutsche Sprache, Sprachverfall, Globalisierung, Internationalisierung, Sprachkritik, Sprachwandelphänomene, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Phänomene des Sprachwandels und speziell den Einfluss von Anglizismen auf das deutsche Wortgut, wobei die Einstellung der Gesellschaft zu diesem Einfluss im Zentrum steht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Sprachwandels, die Entstehung und Kategorisierung von Anglizismen, deren Verwendung in verschiedenen sozialen Bereichen sowie der sprachpolitische Umgang mit diesem Phänomen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Haltung verschiedener deutscher Bevölkerungsgruppen gegenüber dem durch Anglizismen verursachten Sprachwandel zu untersuchen und zu klären, ob es sich dabei um Sprachverfall oder Sprachwandel handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse linguistischer Konzepte sowie der Auswertung von Studien und Diskursen zur sprachlichen Situation in Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der Sprachwandelmechanismen und eine analytische Untersuchung von Anglizismen, ihrer Entstehung, der Abgrenzung zu Lehnwörtern sowie der gesellschaftlichen und politischen Reaktionen darauf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachwandel, Anglizismen, sprachliche Ökonomie, Fremdwörter, Jugendsprache und Sprachpolitik charakterisiert.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Fremd- und Lehnwörtern eine Rolle?
Sie ist relevant für das Verständnis, wie stark englische Begriffe in das deutsche phonologische, morphologische und graphematische System integriert sind und ob sie als Bereicherung oder Bedrohung empfunden werden.
Welche Rolle spielt die "Invisible-Hand-Erklärung"?
Sie dient als theoretisches Erklärungsmodell, um Sprachwandel als einen evolutionären, unbewussten Prozess des menschlichen Handelns darzustellen, anstatt als geplanten Akt.
Was ist die Kernposition des "Vereins für deutsche Sprache"?
Der Verein setzt sich für die Förderung der Landessprache und den Schutz des deutschen Sprach- und Kulturguts vor einer Übermacht an Anglizismen ein, ohne sich grundsätzlich gegen Fremdwörter in fachlichen Kontexten zu wenden.
- Arbeit zitieren
- Habib Tekin (Autor:in), 2011, Sprachwandel oder Sprachverfall - Anglizismeneinfluss ins Deutsche, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168489