In der vorliegenden Arbeit werde ich die Kommunikationsmedien Brief und Telefon in Marcels Prousts Roman Á la recherche du lemps perdu einem Vergleich unterziehen. Den Schwerpunkt der Untersuchung werde ich dabei auf das Telefon legen. Zunächst erläutere ich die Geschichte und die Verbreitung der Telekommunikation, um mich zeitlich und räumlich der Romanhandlung zu nähern und um den geschichtlichen Hintergrund näher zu beleuchten. Danach werde ich die beiden Medien miteinander vergleichen, um grundsätzliche Unterschiede und Wirkungsweisen kontrastierend aufzuzeigen.
Das Kernstück der Untersuchung bildet Kapitel 2.2. Hier werden Brief und Telefon anhand von einiger ausgewählter Szenen aus der Recherche miteinander vergleichen. Dabei werde ich mich auf zwei bzw. drei Szenen beschränken und diese detailliert analysieren.
Am Ende meiner Arbeit werde ich die Ergebnisse meiner Analyse zusammentragen und ein abschließendes Fazit ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Telefon und der Brief – ein Vergleich beider Kommunikationsmedien
2.1. Geschichte des Telefons
2.2. Das Medium Telefon im Vergleich zum Brief
2.3. Brief und Telefon in Á la recherche du temps perdu
3. Fazit
4. Literatur
5. Verwendete Abkürzungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht und vergleicht die Kommunikationsmedien Brief und Telefon innerhalb von Marcel Prousts Roman „Á la recherche du temps perdu“, wobei der analytische Schwerpunkt auf der Wirkung und den medientechnischen Eigenschaften des Telefons liegt.
- Historische Entwicklung der Telekommunikation
- Kontrastive Analyse der Kommunikationsformen Brief und Telefon
- Medienreflexion in Prousts Werk anhand ausgewählter Szenen
- Untersuchung von Intimität und Distanz in der schriftlichen vs. mündlichen Kommunikation
- Rolle des Telefons als Instrument für Kontrolle und Spionage
Auszug aus dem Buch
2.3. Brief und Telefon in der Recherche
Das erste Medium, dessen sich Marcel in der Recherche bedient ist der Brief. Als kleiner Junge, der nicht schlafen kann, bevor ihm seine Mutter einen Gutenachtkuss gegeben hat, schreibt er ihr einen Brief, worin er sie bittet, zu ihm zu kommen. Die Mutter geht darauf jedoch nicht ein, woraufhin er sich seiner Angst stellen muss. Der erste Brief, der ihm etwas bedeutet, bekommt er von seiner Jugendliebe Gilberte. Er kann zunächst gar nicht glauben oder verstehen, was er in den Händen hält, da er so lange darauf gewartet und davon geträumt hat: „Mais parce que je la savais impossible [Gilbertes Signatur. K. R.] dans une lettre adressee à moi, cette vue, non accompagnée de croyance, ne me causa pas de joie.“ Bald darauf aber realisiert er, was tatsächlich geschehen ist:
„Le bonheur, le bonheur par Gilberte, c‘était une chose à laquelle j‘avais constamment songé, une chose toute en pensées, c‘était, comine disait Léonard, de la peinture, cosa mentale. Une feuille de papier couverte de caracteres, la pensée ne s‘assimile pas cela tout de suite. Mais dès que j‘eus terminé la lettre, je pensai à elle, elle devint un objet de rêverie, elle devint, elle aussi, cosa mentale et je l‘aimais déjà tant que toutes les cinq minutes il me fallait la relire, l‘embrasser. Alors, je connus mon bonheur.“
Marcel mag diesen Brief nicht etwa, weil er dort daraus etwas über Gilberte erfährt. Der Brief wird vielmehr zu einem gedanklichen Symbol, einer ,cosa mentale‘, in dem sich Marcels Wünsche und Träume über Gilberte manifestiert haben. „[...] vielmehr dient der Brief nur dazu, eine Projektionsfläche zu kreieren, in die hinein der Leser seine eigenen Vorstellungen von der Geliebten werfen kann.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Ziel der Arbeit, die Kommunikationsmedien Brief und Telefon in Prousts Roman zu vergleichen und dabei insbesondere das Telefon als das Kernstück der Untersuchung hervorzuheben.
2. Das Telefon und der Brief – ein Vergleich beider Kommunikationsmedien: Dieses Kapitel behandelt die historische Genese des Telefons und setzt diese in Kontrast zur traditionellen, rituellen Form des Briefeschreibens und der damit verbundenen zeitlichen Verzögerung.
2.1. Geschichte des Telefons: Hier wird der rasante technische Aufstieg des Telefons seit 1876 sowie seine langsame Etablierung in Frankreich im Vergleich zu Deutschland beleuchtet.
2.2. Das Medium Telefon im Vergleich zum Brief: Dieses Kapitel analysiert die grundsätzlichen Unterschiede, wie die Unmittelbarkeit des Telefonats gegenüber der reflektierten, künstlerischen Form des Briefes.
2.3. Brief und Telefon in Á la recherche du temps perdu: Dieser Abschnitt wendet die theoretischen Erkenntnisse auf den Roman an und untersucht, wie Marcel diese Medien nutzt, um Intimität zu erzeugen oder Eifersucht zu verarbeiten.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz der Vorteile des Telefons hinsichtlich der Gleichzeitigkeit beide Medien in der Recherche als unzulängliche Instrumente zur Ergründung der menschlichen Wirklichkeit dargestellt werden.
4. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
5. Verwendete Abkürzungen: Verzeichnis der im Text benutzten Kürzel für die verschiedenen Bände des Romans.
Schlüsselwörter
Marcel Proust, Á la recherche du temps perdu, Telefon, Brief, Kommunikation, Medienvergleich, Intimität, Zeitlichkeit, Distanz, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Moderne, Technologie, Erinnerung, Eifersucht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Kommunikationsmedien Brief und Telefon und deren Darstellung sowie Funktion innerhalb von Marcel Prousts Romanzyklus „Á la recherche du temps perdu“.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Im Zentrum stehen die medientechnischen Unterschiede zwischen schriftlicher und mündlicher Kommunikation, die damit verbundenen emotionalen Wirkungen auf den Protagonisten sowie die Veränderung der Wahrnehmung von Nähe und Distanz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, aufzuzeigen, ob und wie das Telefon das traditionelle Medium Brief im Kontext des Romans ergänzt oder ersetzt und welche medienästhetischen Konsequenzen dies für die Romanfiguren hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin verwendet eine kontrastierende medientheoretische Analyse, bei der sie historische Hintergründe der Telekommunikation mit einer detaillierten Szenenanalyse aus dem Roman verknüpft.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technikhistorische Einordnung, den theoretischen Vergleich beider Medien und die praktische Anwendung der Erkenntnisse an ausgewählten Schlüsselszenen des Romans.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Proust, Kommunikation, Telefon, Brief, Medienvergleich, Intimität und Technikgeschichte definieren.
Wie beschreibt der Autor Marcel die „Telefonfräulein“?
Marcel nimmt die Telefonistinnen als sagenumwobene, märchenhafte Gestalten wahr, die er mit mythologischen Wesen wie Engeln, Danaiden oder Furien vergleicht, da sie die unsichtbare Verbindung zwischen den Menschen kontrollieren.
Warum spielt das Telefon für Marcel eine Rolle bei seiner Eifersucht?
Das Telefon dient Marcel zunehmend als Werkzeug zur Spionage, da es ihm ermöglicht, Albertine nahezu jederzeit zu erreichen oder durch Dritte ihre Handlungen zu überwachen, was seine Eifersucht befeuert.
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- Katharina Rempel (Author), 2008, L'admirable féerie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168487