Bert Brecht sah bereits in den Anfängen des Radios in der frühen Weimarer Republik das ungenutzte Potential dieses Mediums, das keiner bestellt und gewollt hatte, nun aber in den Alltag der Menschen eindrang. Brecht entwickelte eine erste frühe Kritik am Medium, die erst in den 70er Jahren neu erschlossen und gewürdigt werden konnte. Brecht zeigt sich bezüglich des Mediums Radio als Visionär und Utopist zugleich.
Innerhalb der Mediengeschichte spielt das „Radio“ eine besondere Rolle. Als erstes Massenmedium der Zweiten Moderne charakterisiert, gehört es zu den tertiären Medien, weil es sowohl von Sender- wie von Empfängerseite technischer Hilfsmittel bedarf, um zu funktionieren, es ist allein auditiv auf das Ohr abgestellt und ist in der Lage, eine unheimliche Vielfalt abzudecken. War es in der Anfangszeit der Weimarer Republik noch im chaotischen Gebrauch von verschiedenen Akteuren, entstand doch ab Mai 1923 das Radio als „staatlicher Unterhaltungsfunk“, dem rasch neun regionale Radiosender folgten, die rasch um ihr zahlendes Publikum buhlten.
Die erste Rundfunkanstalt war die "Deutsche Stimme – Gesellschaft für Belehrung und Unterhaltung mbH", die ihren Sitz im nahe an Berlin gelegenen Königswusterhausen hatte. Dabei ist der Name Programm: die Macher versprachen sich vom neuen Medium, das Raum und Zeit unsichtbar überwand, zwei Dinge: es sollte in gleicher Weise erziehen wie unterhalten. Es verwundert daher nicht, dass sich ebenso rasch die Sendezeit erhöhte, das Programm vielfältiger wurde und sogar schon zielgruppenorientiert gearbeitet wurde. Ließ sich anfangs das unheimliche Potential des neuen Mediums nur erahnen, so ließen die neuen Machthaber ab 30.1.1933 keine Zweifel mehr an einer einseitigen Verwendung: ab 16.2.1933 wurde der Radiovater von Bredow abgesetzt und das Radio in den Dienst des Führers gestellt.
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- Detlef Thiel (Autor:in), 2025, Die Radiotheorie von Bertolt Brecht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1683783