Bei der schlafenden Priesterin bzw. der Fruchtbarkeitsgöttin im Forum Wissen handelt sich um eine Nachbildung einer Skulptur aus Gips. Das Original aus Terrakotta wurde im Hypogäum von Ħal Saflieni in Malta gefunden und ist als die sogenannte „Schlummernde“ bekannt. Die Figur wurde im Totenbereich der unterirdischen Grabräume gefunden. Die Datierung des Originals wird auf circa 3000 vor Christus geschätzt, dem Zeitalter des Neolithikum, der Jungsteinzeit. Aufgrund ihres Fundortes können Rückschlüsse zu ihrer Funktion gezogen werden, die in einem eigenen Kapitel erläutert werden.
Die Nachbildung hat ein Gewicht von 215 Gramm, eine Höhe von 7,2 cm, eine Tiefe von 7,3 cm und misst an der breitesten Stelle 11,95 cm. Die Figur ruht, nur mit einem Fransenrock bekleidet, seitlich auf einer Liege. Der zierliche Kopf ist auf ein kleines Kissen gelagert. Ihre mächtig breite Hüfte ist dem Betrachter zugedreht. Ein Arm ist unter dem Kissen vergraben und der andere vor die prallen Brüste gelegt. Ihre Arme laufen in zierliche Hände aus. Das Entstehungsdatum der Nachbildung ist leider unbekannt. Die Göttinger Reproduktion der Schlummernden wird im Sammlungsschaufenster des Forum Wissens ausgestellt.
Die Gips-Figur gehörte ursprünglich zu der Privatsammlung des Göttinger Ordinarius für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Prof. Dr. Heinz Kirchhoff (1905-1997), der die Universitäts-Frauenklinik in Göttingen von 1954-1973 leitete und neben seiner engagierten frauenärztlichen Tätigkeit ein leidenschaftlicher Kunstsammler und Globetrotter war. Die Sammlung umfasste ca. 650 Frauenstatuetten und -skulpturen von der Altsteinzeit bis zur Moderne, teils erworben, teils aus Schenkungen und etwa zur Hälfte Originale und zur anderen Hälfte museale Repliken. Bei der Ikonologie soll der Bedeutungshorizont des Objektes erfasst werden. Dementsprechend wird die funktionale Bestimmung, Symbolik und Ideologie betrachtet. Die originale Figur der Schlummernden (Abb. 14) ist im Nationalmuseum von Valletta in Malta eine der Attraktionen und heute ein Nationalheiligtum. Sie gilt als die berühmteste von einer Reihe an Skulpturen aus den neolithischen Tempelanlagen der Mittelmeerinsel. Die Terrakottafigur wird mit dem Magna-mater-Kult in Verbindung gebracht. Magna-mater ist die Muttergöttin der Fruchtbarkeit, Wachstum und Ernte. Maltas Fruchtbarkeitsgöttin war zugleich Totengöttin oder Mutter der Totenherrscherin gewesen.
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- Anonym (Author), 2024, Objektbiografie. Die Schlafende Priesterin aus der Sammlung Heinz Kirchhoff im Forum Wissen Göttingen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1682626