In unserer Alltagswelt sind wir ständig von konkreten und abstrakten Gegenständen umgeben, wir sprechen mit unseren Mitmenschen über sie und denken über sie nach. Wir träumen auch von solchen Gegenständen und teilen unsere Träume mit. Doch manchmal stoßen wir dabei an die Grenzen unserer Alltagssprache und es fällt schwer unsere persönliche Gedanken- oder Traumwelt mit den uns zu Verfügung stehenden Alltagsbegriffen zu umschreiben. Denn die Alltagssprache gibt Vergegenständlichungen, so genannte Objektivationen vor, derer wir uns bedienen müssen. Welche Rolle spielen nun diese Objektivationen für die Alltagswelt und was genau sind sie eigentlich, wie funktionieren sie? Und was hat Sprache mit all dem zu tun? Diese Fragen sollen im Folgenden geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bedeutung von Objektivationen für die Alltagswelt
2.1. Die Rolle der Sprache in der Objektivation
2.2. Kommunikation und Vereinfachung durch Alltagssprache
3. Grenzen und Probleme bei der Anwendung von Objektivationen
3.1. Subjektive Welten versus intersubjektive Objektivationen
3.2. Herausforderungen durch Fremdsprachen und kulturelle Konnotationen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion von Objektivationen innerhalb der Alltagswelt basierend auf der Wissenssoziologie von Berger und Luckmann und analysiert, wie Sprache diese Prozesse strukturiert und ermöglicht.
- Konstitution der intersubjektiven Welt durch subjektiv sinnvolle Vorgänge
- Die Rolle der Sprache als Ordnungssystem und Kontextgeber
- Kommunikative Effizienz und Vereinfachung durch Objektivationen
- Problematische Aspekte bei der Übertragung von subjektiven Erfahrungen
- Konnotationen und sprachbedingte Missverständnisse in fremden Sprachen
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Sprache und Kommunikation
Die Vergegenständlichungen sind ja bereits in der Sprache vorhanden, ich brauche sie mir nur noch anzueignen und das passiert im Alltagsgebrauch fast von selbst. Nehmen wir zum Beispiel einen Baum von dem ich eine bestimmte Vorstellung habe. Dieser Baum existiert als Bild, vielleicht verbunden mit bestimmten Assoziationen, in meinen Gedanken, ist also ein subjektiver Baum. Ich weiß, das andere Menschen auch einen solchen subjektiven Baum haben, genauso wie ich weiß oder zumindest vermute, dass der subjektive Baum meiner Mutter sich von dem meines Freundes und beide sich wiederum von meinem unterscheiden.
Wie genau sie aussehen oder mit welchen Assoziationen sie verbunden sind, ist aber in vielen Kontexten gleich. Erzähle ich eine Anekdote vom Nachbarshund, der sein Bein an einem Baum hebt, dann ist es egal, ob es eine Eiche, eine efeuumrankte Birke oder eine Tanne war, an der er sein Revier markiert hat. Deshalb gebrauche ich in der intersubjektiven Welt die Objektivation Baum, weil es die Kommunikation immens erleichtert. Es ist selten wichtig, wie mein subjektiver Baum, mein subjektives Auto, mein subjektives Haustier aussieht. Wichtig ist, dass meine Botschaft bei einem Gesprächspartner ankommt.
Objektivationen erleichtern Kommunikation nicht nur, sie verkürzen sie auch. Wenn ich von einem Spaziergang im Wald erzählen will, sage ich eben das: ein Spaziergang im Wald – und nicht: gemütliches Gehen durch eine große Ansammlung dicht beieinander stehender Bäume. Eine Bibliothek kann ich auch Bibliothek nennen, ich spreche nicht von einem Raum voller Bücher. Anders kann es sich verhalten, wenn ich nicht von einem realen Erlebnis, sondern von einem Traum berichten will. In meiner subjektiven, ungeteilten Traumwelt war ein Wald vielleicht viel mehr als ein Wald und ganz anders als ein realer Wald. Dennoch bleibt mir nicht viel übrig, als die Objektivation „Wald“ zu gebrauchen und dann weiter zu beschreiben, wie mein Traumwald sich von dem unterscheidet, was diese Objektivation in der Alltagswelt meint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Objektivationen die Alltagswelt strukturieren und welche zentrale Rolle die Sprache dabei einnimmt.
2. Die Bedeutung von Objektivationen für die Alltagswelt: Dieses Kapitel erläutert, wie aus subjektiv sinnvollen Vorgängen eine intersubjektive Welt entsteht und warum Objektivationen das notwendige Fundament des Alltagswissens bilden.
3. Grenzen und Probleme bei der Anwendung von Objektivationen: Hier wird diskutiert, wie durch Vereinfachung Missverständnisse entstehen können, insbesondere bei der Beschreibung subjektiver Erfahrungen oder beim Sprachwechsel.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Objektivationen trotz der Vorteile der Effizienz auch Herausforderungen bergen, wenn sie an die Grenzen der gemeinsamen Alltagssprache stoßen.
Schlüsselwörter
Alltagswelt, Objektivationen, Sprache, Berger und Luckmann, Intersubjektivität, Wissenssoziologie, Kommunikation, Vergegenständlichung, Alltagssprache, subjektiver Sinn, Wissensverteilung, soziale Konstruktion, Konnotation, Sprachgebrauch, Bedeutungshorizont.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziologische Perspektive auf die Alltagswelt gemäß Berger und Luckmann, wobei der Fokus auf dem Prozess der Objektivation durch Sprache liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf das Zusammenspiel von subjektivem Sinn, der intersubjektiven Welt und der Vermittlungsrolle der Sprache.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, welche Rolle Objektivationen für die Alltagswelt spielen, wie Sprache dabei verortet ist und was diese Prozesse im sozialen Miteinander auszeichnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Interpretation soziologischer Fachliteratur (Berger/Luckmann) anhand von alltagsnahen Beispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Objektivationen, deren kommunikativen Nutzen und die Schwierigkeiten bei der sprachlichen Abbildung komplexer oder subjektiver Erfahrungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Objektivation, Alltagswelt, Sprache, Intersubjektivität und Wissenssoziologie.
Warum ist das Beispiel mit dem "Baum" im Text so zentral?
Es verdeutlicht, dass die Kommunikation trotz individueller, unterschiedlicher Vorstellungen (subjektiver Baum) durch allgemein verständliche Begriffe (Objektivation) reibungslos funktionieren kann.
Welche Probleme entstehen bei der Nutzung von Fremdsprachen laut der Arbeit?
Fremdsprachen bergen das Risiko von Fehlinterpretationen, da die genauen Konnotationen und kulturell geprägten Objektivationen einer fremden Sprache oft nicht intuitiv verstanden werden.
Wann stoßen Objektivationen an ihre Grenzen?
Die Grenzen zeigen sich bei Erfahrungen, die sich vom Alltag abheben, wie Träume, religiöse Erlebnisse oder Kunst, bei denen die standardisierte Alltagssprache eine präzise Beschreibung oft erschwert.
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- Katharine Pusch (Author), 2009, Zu Berger/Luckmanns "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168223