Bei Karl dem Großen handelt es sich um eine Person, die, gerade weil sie eine prägende Figur des Frühmittelalters war, auch heute noch Gegenstand der aktuellen Forschung ist. Der Aufstieg Karls vom König zum Kaiser, gekrönt durch Papst Leo III. am ersten Weihnachtstag im Jahre 800, ist wohl eines der bekanntesten Daten zu seiner Person. Der Frankenkönig übernahm bis zu diesem Zeitpunkt den weltlichen Schutz des Papstes und Roms. Jedoch brachte ihm die legitime Kaiserwürde die höchste weltliche Gewalt ein, die der oströmische Kaiser zuvor innehatte. Eine literarische Quelle, unter den verschiedenen Bezeichnungen Karolus Magnus et Leo Papa, Paderborner Epos, Aachener Karlsepos bekannt, beschäftigt sich unter anderem mit dem Besuch des Papstes in Paderborn als Gast des Frankenkönigs im Jahre 799. Da „das Epos ein Kunstwerk der Dichtung ist und kein historischer Bericht“ (PADBERG, Lutz von/SCHWIND, Johannes/HENTZE, Wilhelm (Hg.), De Karolo rege et Leone papa, Paderborn 1999, S. 79.) kann die Interpretation der Ereignisse auf literarischer Ebene basieren. Die Übersetzung (Karlsepos, übers. v.: BRUNHÖLZL, Franz, in:Prof. Dr. HONSELMANN, Klemens, Karolus Magnus et Leo Papa. Paderborner Epos vom Jahre 799, Paderborn 1966.) von Franz Brünhölzl ist Gegenstand und zugleich Grundlage der Arbeit. Eine Erläuterung der verwendeten Quelle soll zunächst Aufschluss über das weitere Vorgehen vermitteln. Um einen besseren Einblick in die Thematik zu bekommen, werden im Anschluss die folgenden Fragen näher untersucht. Wer war der Verfasser? Welche Intention verfolgte er? Wer war sein Publikum? Welche Vorlagen verwendete der Verfasser, und wie hat er diese im Epos verarbeitet?
Eine wesentliche Grundlage für das Verstehen des Textes ist die Bezugnahme auf die ursprünglichen Szenen antiker Werke, die sehr oft Verwendung finden. Hierbei beschränke ich mich auf einige wenige Szenen aus dem Epos, die mit dem Original aus der Bibel (Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung, Stuttgart 1980.) verglichen werden. Als Sekundärliteratur ist mir die Monografie von Christine Ratkowitsch (RATKOWITSCH, Christine, Karolus Magnus. Alter Aeneas, alter Martinus, alter Iustinus. Zu Intention und Datierung des „Aachener Karlsepos“, Wien 1997.), aus der neueren Forschung, eine große Hilfe, um die literarischen Aspekte der Quelle besser zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Quelle
3. Der Verfasser
4. Seine Intentionen
5. Das Publikum
6. Die Vorlagen des Verfassers
7. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das „Paderborner Epos“ (Karolus Magnus et Leo Papa), um zu klären, ob es sich dabei primär um ein Loblied auf Karl den Großen oder um ein kunstvoll aus antiken Versatzstücken zusammengesetztes Werk handelt. Dabei wird insbesondere der Frage nach der Identität des Verfassers, seiner Intention zur Legitimierung Karls sowie den zugrunde liegenden literarischen Vorlagen nachgegangen.
- Historische Einordnung des Paderborner Epos
- Analyse der Intention und politischer Legitimationsstrategien
- Untersuchung des zeitgenössischen Zielpublikums
- Interpretation der biblischen und antiken Vorlagen
- Diskussion über mögliche Autoren (Alkuin, Theodulf, Einhard)
Auszug aus dem Buch
6. Die Vorlagen des Verfassers
Das Epos enthält viele Bezüge zu mehreren Autoren. Mein Augenmerk wird sich allerdings auf einige wenige Szenen aus dem Epos richten, die im Zusammenhang mit der Bibel stehen.
Beginnen möchte ich mit dem Traum Karls des Großen (Verse 326-335). Dieser Traum oder Vision zeigt Karl, was mit dem Papst Leo III. passiert ist. Karl kann die Bedeutung des Traumes sofort erkennen und handelt entsprechend. Er schickt dem hilflosen Papst Unterstützung. In Anlehnung an die Bibel erscheint diese Szenerie in differenzierter Weise, wenn man die verschiedenen möglichen Vorlagen in der Bibel in den Blick nimmt. Im ersten Buch Moses Kapitel 20 erscheint Gott dem Menschen im Traum. Seine Worte sollen hier zukünftige Fehlentscheidungen vermeiden. Ein anderes Mal überbringt Gott im Traum einem treuen Gläubigen gute Nachrichten und sogleich Anweisungen, um dieses Glück nicht zu zerstören.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Karls des Großen als historische und literarische Figur sowie Vorstellung der primären und sekundären Quellenbasis.
2. Die Quelle: Untersuchung der Überlieferungsgeschichte, Datierung und der verschiedenen Bezeichnungen des Paderborner Epos im Kontext der wissenschaftlichen Forschung.
3. Der Verfasser: Erörterung der Hypothesen zur Verfasserschaft, wobei Persönlichkeiten wie Alkuin, Theodulf von Orléans und Einhard als potenzielle Kandidaten geprüft werden.
4. Seine Intentionen: Analyse der politischen Absichten hinter dem Werk, insbesondere der Legitimierung der kaiserlichen Macht Karls des Großen durch sakrale und historische Analogien.
5. Das Publikum: Identifizierung der Zielgruppe des Epos als gebildete höfische Elite, die über das nötige Hintergrundwissen verfügte, um die Anspielungen und antiken Vergleiche zu verstehen.
6. Die Vorlagen des Verfassers: Analyse der literarischen Struktur des Epos durch den Vergleich spezifischer Szenen, wie dem Traum Karls, mit biblischen Vorbildern.
7. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Reflexion über die trotz Forschung offengebliebenen Fragen zu Autor und Entstehungskontext des Werkes.
Schlüsselwörter
Paderborner Epos, Karl der Große, Karolus Magnus et Leo Papa, Papst Leo III., Kaiserkrönung, Legitimierung, Mittelalter, antike Vorlagen, Biblische Bezüge, höfische Kultur, Alkuin, Einhard, Theodulf von Orléans, Aachen, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Paderborner Epos, um dessen Entstehungskontext und literarische Intention zu durchleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder des Dokuments?
Die Arbeit behandelt die Legitimierung Karls des Großen als Kaiser, die Identität des anonymen Verfassers und die literarische Technik der Bezugnahme auf antike und biblische Texte.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, inwieweit das Epos ein authentisches Loblied oder ein nach literarischen Mustern konstruiertes Kunstwerk darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse der Quelle unter Berücksichtigung von Sekundärliteratur durchgeführt.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Autorenschaft, den politischen Intentionen, dem Zielpublikum sowie dem Nachweis von literarischen Vorlagen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Paderborner Epos, Kaiserkrönung, politische Legitimierung und literarische Rezeption.
Warum wird im Epos der Vergleich zwischen Karl und König David gezogen?
Der Vergleich dient der sakralen Legitimation, um Karl als gottgewollten Nachfolger und gerechten Herrscher darzustellen.
Welche Rolle spielt die Jagdszene im Epos für die Interpretation?
Die Jagdszene dient als rhetorisches Mittel, um Karl als Sieger über das „Böse“ (den Dämon/Eber) zu positionieren und ihn mit christlichen Heilsbotschaften zu verknüpfen.
- Arbeit zitieren
- Theresa Roth (Autor:in), 2006, Paderborner Epos - Ein Loblied auf Karl den Großen?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168078