„Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft.“ Diese Aussage machte Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Partei Bündnis 90/ Die Grünen, während eines Beitrages in der Zeitschrift für KulturAustausch im Jahr 2004. Wie komplex die Thematik ist, die hinter dieser prägnanten Aussage der Politikerin steckt, scheint auf den ersten Blick nicht weiter ersichtlich. Auf den folgenden Seiten werde ich auf Migration und Ethnisierungsprozesse als Momente der multikulturellen Gesellschaft in Deutschland eingehen.
In einem ersten Schritt soll in diesem Kontext auf Arbeitsmigration in Deutschland eingegangen werden. Hierbei soll die Erörterung dieses Prozesses auf historischer Ebene als Grundlage dienen. Darauf folgend thematisiere ich konkreter einige Grundzüge der Migration von Gastarbeitern aus der Türkei nach Deutschland.
In einem weiteren Schritt werden einige problematische Aspekte der Integration türkischer Migranten in Deutschland erarbeitet. Diese Erarbeitung soll - basierend auf den Ebenen der Politik und der Medien - einige Beispiele für Versäumnisse im Integrationsprozess verdeutlichen. Des Weiteren wird hier die Einleitung für den darauffolgend diskutierten Aspekt - Ethnisierungsprozesse im Rahmen türkischer Migration - liegen. Hierbei geht es zunächst um die Erörterung einiger theoretischer Grundlagen. Anschließend werde ich die Diskussionsgrundlage präzisieren. Der Fokus wird dann auf Ethnisierungsprozessen im Schulalltag liegen.
Letztlich bleibt zu klären, wie mit eben jenen Prozessen umzugehen ist. Im Rahmen dieses Punktes sollen prägnant einige Ansätze zur Lösung der vorliegenden Problematik aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Arbeitsmigration in Deutschland
II.1. Geschichtliche Grundzüge von Migration in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg
II.2. Die Migration von Arbeitern aus der Türkei nach Deutschland – einige Grundzüge
III. Versäumnisse und Probleme bei der Integration türkischer Migranten – einige Grundzüge
IV. Ethnisierungsprozesse im Rahmen türkischer Migration
IV.1. Theoretische Grundlagen
IV.2. Ethnisierungsprozesse im Schulalltag
V. Chancen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die komplexen Prozesse der Migration und die damit einhergehenden ethnischen Zuschreibungen im Kontext türkischer Schülerinnen und Schüler zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie diese Zuschreibungsprozesse, insbesondere durch Politik und Medien sowie innerhalb des deutschen Schulsystems, das Integrationsgeschehen beeinflussen und durch welche Ansätze eine entdramatisierende, reflexive Pädagogik diesen entgegenwirken kann.
- Historische Einordnung der Arbeitsmigration in Deutschland
- Analyse von Integrationsversäumnissen in Politik und Medien
- Theoretische Konzeptualisierung von Ethnizität
- Untersuchung von Ethnisierungsprozessen im schulischen Alltag
- Darstellung von Lösungsansätzen für eine reflexive Pädagogik
Auszug aus dem Buch
IV.1. Theoretische Grundlagen
Das zuletzt angedeutete Beispiel ist hier bewusst gewählt, denn es gibt ganz konkret einen Ausblick auf die Situation, in der sich viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, meist selbst bereits in der zweiten oder dritten Generation, täglich wiederfinden. Wie am Beispiel aus dem Journal Der Spiegel festzustellen ist, geht es hierbei oft um Stigmatisierungen, Verallgemeinerungs- und Zuschreibungsprozesse. Dabei dient nicht nur die inhaltliche Tatsache, dass immer wieder einzelne Vorkommnisse auf eine gesamte ethnische Gruppe bezogen werden, diesem scheinbar gewollten Effekt. Auch zeigt der Artikel, dass auf sprachlicher Ebene durch bestimmte Phrasen und Worte wie „Exempel des Bösen“ oder „Zeitbombe“, die beim Konsument eindeutig negative Konnotationen auslösen, ein bestimmtes Bild übermittelt wird. Aufgrund der Relevanz, welche diese Thematik also aufzuweisen vermag, wird nun konkreter auf Ethnisierungsprozesse im Kontext türkischer Migration eingegangen. Dabei soll zunächst der Begriff der Ethnizität auf theoretischer Basis definiert werden, im Anschluss daran soll die Thematik an Hand von Beispielen aus dem Schulalltag erörtert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Komplexität der multikulturellen Gesellschaft ein und skizziert den Aufbau der Arbeit von der historischen Arbeitsmigration bis hin zu aktuellen Ethnisierungsprozessen.
II. Arbeitsmigration in Deutschland: Dieses Kapitel betrachtet die historischen Hintergründe der Migration in Deutschland nach 1945 und fokussiert spezifisch auf die Anwerbung türkischer Arbeiter.
III. Versäumnisse und Probleme bei der Integration türkischer Migranten – einige Grundzüge: Hier werden die problematischen Aspekte der Integrationspolitik sowie die Rolle der Medien bei der Stigmatisierung türkischer Migranten kritisch beleuchtet.
IV. Ethnisierungsprozesse im Rahmen türkischer Migration: Dieses Kapitel erarbeitet zunächst theoretische Grundlagen zu Ethnizität und analysiert darauf aufbauend spezifische Ethnisierungsprozesse im schulischen Alltag.
V. Chancen: Das abschließende Kapitel diskutiert Möglichkeiten zur Vermeidung ethnischer Zuschreibungen und fordert eine reflexive Pädagogik zur Förderung der Gleichberechtigung.
Schlüsselwörter
Migration, Arbeitsmigration, Integration, Ethnisierungsprozesse, türkische Migranten, Ethnizität, Stigmatisierung, Medienwirklichkeit, Schule, reflexive Pädagogik, Fremddefinition, Schulalltag, Chancengleichheit, interkulturelles Lernen, Diskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation türkischer Migranten in Deutschland, insbesondere unter dem Aspekt, wie durch ethnische Zuschreibungen im Alltag, in der Politik und in den Medien eine Stigmatisierung stattfindet.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Zentrale Themen sind die deutsche Migrationsgeschichte, die Rolle der Politik bei der Gestaltung von Integrationsprozessen, die mediale Konstruktion von Feindbildern sowie die Auswirkungen ethnischer Zuweisungen auf den Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ethnische Zuschreibungen die Lebensrealität von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund beeinflussen, und Ansätze für einen reflektierteren, pädagogisch angemessenen Umgang mit Differenz zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle sozialwissenschaftliche und erziehungswissenschaftliche Diskurse und Studien zum Thema Migration und Ethnisierung zusammengeführt und kritisch erörtert werden.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Im Hauptteil werden sowohl die historischen Rahmenbedingungen der Arbeitsmigration als auch die Mechanismen der "Ausländerpolitik" und die diskursive Stigmatisierung durch Medien und Lehrer im Schulsystem analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Migration, Ethnisierung, Integration, Stigmatisierung, reflexive Pädagogik und interkulturelle Bildung sind die zentralen Begriffe, die den Kern der Analyse beschreiben.
Welche Rolle spielen "Türkenklassen" in der historischen Betrachtung?
Sie werden als ein Produkt der damaligen Fiktion betrachtet, dass Arbeitsmigranten nur vorübergehend in Deutschland blieben und ins Herkunftsland zurückkehren würden, was die Eingliederung bewusst erschwerte.
Warum wird im Text das Magazin "Der Spiegel" als Beispiel herangezogen?
Der Spiegel dient als exemplarisches Medium, um zu verdeutlichen, wie durch bestimmte sprachliche Metaphern und die inhaltliche Verknüpfung von Einzelfällen mit genereller Kriminalität eine problematische "Medienwirklichkeit" erzeugt wird.
Was versteht man unter einer "reflexiven Pädagogik" nach Weber?
Es ist ein pädagogischer Ansatz, der einerseits ethnische Besonderheiten nicht unreflektiert als Defizite unterstellt, aber andererseits sensibel für die tatsächlichen sozialen Folgen von Zuweisungsprozessen bleibt.
- Arbeit zitieren
- B.A. Mark Valentin (Autor:in), 2008, Migration und ethnische Zuschreibungsprozesse im Kontext türkischer Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167952