Demokratie beruht auf Solidarität, informelle Netzwerke und Schattenwirtschaft sind, obwohl in der Praxis als alltägliche Überlebensstrategie gesehen, antidemokratisch. Ebenso wichtig für eine lebendige Zivilgesellschaft wie Demokratie sind auch unabhängige Medien sowie bürgerliche Rechte und Gleichberechtigung, die unter Tuđman bis 1999 in keiner Weise gesichert waren und in den letzten Jahren erst langsam, wenn überhaupt entstehen, oftmals auch unter dem Druck eines erwünschten EU-Beitritts. Die Tendenz geht jedoch in die Richtung, dass zivilgesellschaftliche Aktivitäten teilweise von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen22 wie Arbeitslosigkeit, Armut und Verbrechen neuerlich aus der Öffentlichkeit und der Politik verdrängt werden, so dass die Zivilgesellschaft, die in Kroatien noch im Entstehen ist, gleichzeitig von Problemen des Transformationsprozesses zunehmend in der Öffentlichkeit verdrängt wird und noch einen weiten Weg vor sich hat. Die Entwicklung der Ansätze einer Zivilgesellschaft in der Republik Kroatien bis heute in Initiativen von verschiedenen NGOs und regierungskritischen Gruppen zeigt aber dennoch, wie viel Hoffnung diese für die Bewältigung von Traumata, für die Korrektur propagandistisch überhöhter Feindbilder im eigenen Land (zB Serben in der ehemaligen Republik Krajina; kritische Medien, Feministinnen, Homosexuelle), in anderen Staaten und für ein in Zukunft vielleicht friedlicheres Miteinander von Nationen, Geschlechtern, Lebensweisen geben, welche gesellschaftlichen Diskussionen und Prozesse in Gang kommen, obwohl die Politik einen Demokratisierungsprozess nur zögerlich in Gang zu setzen vermag.
22 Nach
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- Erste Schritte
- Kroatien als Teil der Habsburger Monarchie
- Ansätze einer bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert
- Kroatien 1918 bis 1945
- Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS)
- Königreich Jugoslawien
- Unabhängiger Staat Kroatien (Nezavisna Država Hrvatska NDH)
- Ziviler (?) Widerstand 1918 – 1945
- Ein langer Weg
- Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (SFRJ)
- Erste zivile Keime – „Kroatischer Frühling“ – im Keim erstickt
- Der Zerfall Jugoslawiens
- Kroatiens Weg zu einem unabhängigen Staat
- Noch zuwenig Zivilgesellschaft – eine Ursache des Zerfalls
- Die Republik Kroatien im Krieg (1991/92 – 1995)
- Ziviles (Über-)Leben
- Das Recht auf unabhängige Information
- Noch nicht in der Zielgerade..........\n
- Die Ära Tuđman nach dem Krieg (1995 - 1999)
- Neue Aufgaben für eine Zivilgesellschaft für das 21. Jh.
- Zivilgesellschaft in Kroatien – Gegenwart und Zukunft
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Die Seminararbeit befasst sich mit der Entwicklung und Beschaffenheit einer Zivilgesellschaft in Kroatien. Ziel ist es, den historischen Verlauf der Zivilgesellschaft in Kroatien zu erforschen, die Herausforderungen und Hindernisse aufzuzeigen und die Gegenwart und Zukunft dieser wichtigen gesellschaftlichen Kraft zu beleuchten.
- Die Rolle des Habsburgerreichs in der Formierung der kroatischen Gesellschaft
- Der Einfluss von Krieg und politischer Instabilität auf die Entwicklung der Zivilgesellschaft
- Der Wandel der Zivilgesellschaft von der Zeit des Sozialismus zur unabhängigen Republik
- Die Herausforderungen, vor denen die Zivilgesellschaft in Kroatien heute steht
- Die zukünftigen Perspektiven der Zivilgesellschaft in Kroatien
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
- Das erste Kapitel beleuchtet die Anfänge der kroatischen Gesellschaft im Kontext der Habsburger Monarchie, den Einfluss des Feudalismus und die Entstehung einer bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert.
- Das zweite Kapitel zeichnet den Verlauf der Zivilgesellschaft in Kroatien im 20. Jahrhundert nach, beginnend mit dem Zerfall des Habsburgerreichs über die Zeit des sozialistischen Jugoslawiens bis hin zum Krieg der 1990er Jahre.
- Das dritte Kapitel betrachtet die Zeit nach dem Krieg und fokussiert auf die Entwicklung der Zivilgesellschaft unter Präsident Tuđman, die Herausforderungen der Nachkriegszeit und die Herausbildung einer zivilgesellschaftlichen Struktur für das 21. Jahrhundert.
Schlüsselwörter (Keywords)
Die zentralen Schlüsselbegriffe, die die Arbeit durchziehen, sind: Zivilgesellschaft, Kroatien, Habsburgermonarchie, Jugoslawien, Krieg, Demokratisierung, Transformation, politischer Wandel, nationale Identität, soziale Bewegungen, NGOs, Medienfreiheit, Bürgerrechte, Europäische Integration.
Häufig gestellte Fragen
Wie entwickelte sich die Zivilgesellschaft in Kroatien?
Die Entwicklung verlief von bürgerlichen Ansätzen im 19. Jahrhundert unter den Habsburgern über die Unterdrückung im Sozialismus bis hin zur langsamen Entstehung nach dem Krieg der 1990er Jahre.
Welche Rolle spielte Präsident Tuđman für die Zivilgesellschaft?
Unter Tuđman (bis 1999) waren bürgerliche Rechte und Medienfreiheit kaum gesichert; zivilgesellschaftliche Gruppen standen oft im Konflikt mit der Regierung.
Welchen Einfluss hat die EU auf Kroatiens Demokratisierung?
Der Wunsch nach einem EU-Beitritt erhöhte den Druck auf die Politik, bürgerliche Rechte, Gleichberechtigung und unabhängige Medien zu fördern.
Was sind die größten Hindernisse für kroatische NGOs?
Arbeitslosigkeit, Armut und die Verdrängung zivilgesellschaftlicher Themen durch wirtschaftliche Probleme erschweren die Arbeit der NGOs.
Was war der 'Kroatische Frühling'?
Eine Reformbewegung in den 1970er Jahren innerhalb der SFR Jugoslawien, die als früher ziviler Keim gilt, aber politisch unterdrückt wurde.
Warum ist Zivilgesellschaft für die Vergangenheitsbewältigung wichtig?
NGOs helfen bei der Bewältigung von Kriegstraumata und korrigieren propagandistische Feindbilder gegenüber Minderheiten.
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- MSc Mag. Dr. Gertraud Wagenhofer (Author), 2009, Zivilgesellschaft - Entwicklung und Beschaffenheit einer Zivilgesellschaft in Kroatien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167852