Unser heutiges Leben wird von einer Vielzahl von Technologien bestimmt, die mehr oder weniger dazu beitragen sollen, dass wir angenehm und ausgefüllt die Zeit verbringen können. An nur einem Tag begegnen wir derart viel Technik und technischen Lösungen, dass wir nicht mehr dazu in der Lage sind, am Abend zu benennen, was wir überhaupt alles genutzt haben. Sei es die Kaffeemaschine, mit Hilfe derer wir morgens den ach so nötigen Espresso zubereiten, das Auto, damit wir schnell und sicher zu unserer Arbeitsstätte kommen oder die Musikanlage, um uns von einem wieder einmal anstrengenden Tag erholen können, an dem dermaßen viele Eindrücke auf uns niedergegangen sind, dass wir das meiste schon wieder vergessen oder verdrängt haben.
Man mag sich angesichts unseres strukturierten und voll ausgefüllten Tagesablaufs die Frage stellen, wie denn die Menschen vor einigen hundert Jahren gelebt haben, obwohl ihnen keine Handys, Computer oder Flugzeuge zur Verfügung standen. Es ist für viele schwer vorstellbar, dass der Horizont lediglich bis zum nächsten Dorf reichte, die Konversation auf einige wenige Personen beschränkt war und Informationen, wenn sie denn ankamen, viele Wochen Verzögerung mit sich brachten. Doch wie weit wird sich die heutige Entwicklung noch fortsetzen, wann ist einmal Schluss mit der Gier nach immer mehr Fortschritt, nach immer mehr Abwechslung und Zeitvertreib? Sollten wir nicht doch inne halten, uns auf wirklich wesentliche Dinge besinnen, anstatt danach zu streben, auch die letzten Ressourcen unserer Erde zu erschließen, auszubeuten und dann ganz empört die Schuld auf andere schieben?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Entwicklung des medizinischen Verständnisses
2.1 Galenus von Pergamon und die antike Anatomie
2.2 René Descartes und die mechanistische Iatrophysik
2.3 William Harvey und die Entdeckung des Blutkreislaufs
3. Die Frage nach der Sterblichkeit in der modernen Wissenschaft
4. Zellbiologische Ansätze zur Lebensverlängerung
5. Gesellschaftliche und philosophische Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch den Einfluss des wissenschaftlichen Fortschritts auf das menschliche Leben, insbesondere im Hinblick auf den Wunsch nach Unsterblichkeit und die medizinische Entwicklung. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Spannungsfeld zwischen technologischer Machbarkeit und der ethischen Frage nach dem "sinnvollen" Umgang mit der gewonnenen Lebenszeit.
- Historische Wandlungen des medizinischen Menschenbildes
- Die mechanistische Sichtweise von Descartes
- Wissenschaftliche Revolution durch William Harvey
- Biologische Mechanismen der Zellalterung
- Philosophische Kritik am ungebremsten Fortschrittsglauben
Auszug aus dem Buch
William Harvey und die Entdeckung des Blutkreislaufs
Es sollte noch bis zum Jahr 1628 dauern, bis der alte Glaube an das Herz abgelöst wurde von den Forschungsergebnissen des Anatoms William Harvey. Dessen akademischer Lehrer an der Universität Padua, Hieronymus Fabricius, legte den Grundstein für ein anderes Denken, indem er die Venenklappen entdeckte. Er tat sich mit einer Deutung allerdings schwer, da er noch immer an die Autorität von Galenus glaubte. Sein Schüler Harvey dagegen zweifelte angesichts dieser Entdeckung allerdings an der besagten Autorität.
Ab 1607 war Harvey in London tätig und kam dort zu dem Schluss, dass nur die Sektion lebender Organismen weiterhelfen kann. Seine Forschungen begannen mit dem Sezieren lebendiger Hunde, um die Bewegungen des Herzens sichtbar zu machen. Als er die Hauptschlagadern durchtrennte, konnte er feststellen, dass das Blut rhythmisch heraussprudelte, was ihn wiederum zu der Erkenntnis gelangen ließ, dass nicht die Adern pulsieren und das Blut vorantreiben, sondern dass das Herz das Blut in die Gefäße pumpt.
Danach wäre das Herz für den Menschen das wichtigste Organ, da es gänzlich allein dafür zuständig ist, den Körper mit Blut zu versorgen. Die Frage ergab sich darauf, wie viel Blut produziert werden müsste, damit genug davon durch die Aorta gepresst werden könnte. Harvey schätzte das Blutvolumen der linken Herzkammer und multiplizierte es mit den Herzschlägen pro Minute. Als Resultat konnte nur feststehen, dass die Leber in keinem Fall dazu in der Lage sein konnte, eine derart große Menge an Blut zu produzieren und auch die Organe könnten nicht annähernd so viel Blut verbrauchen. Harvey schloss daraufhin für sich das einzig Logische, nämlich dass das Blut in einem Kreislauf zirkulieren muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtung der technologisch geprägten Lebenswelt und kritische Hinterfragung des Gier nach ständigem Fortschritt.
2. Historische Entwicklung des medizinischen Verständnisses: Analyse des Paradigmenwechsels von der antiken Anatomie über Descartes' mechanistisches Weltbild hin zur Entdeckung des Blutkreislaufs durch Harvey.
3. Die Frage nach der Sterblichkeit in der modernen Wissenschaft: Untersuchung der menschlichen Motivation, den Tod zu besiegen, im Kontext kultureller und naturwissenschaftlicher Bestrebungen.
4. Zellbiologische Ansätze zur Lebensverlängerung: Erläuterung wissenschaftlicher Ansätze wie der Untersuchung von Sirtuinen und Genen zur Verlangsamung der Zellalterung.
5. Gesellschaftliche und philosophische Reflexion: Kritische Auseinandersetzung mit den Folgen einer künstlich verlängerten Lebenszeit für den Einzelnen und die Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Wissenschaft, Medizin, Lebensverlängerung, Blutkreislauf, Iatrophysik, René Descartes, William Harvey, Sterblichkeit, Genetik, Sirtuine, Fortschritt, Technikethik, Philosophie, Humanbiologie, Zellalterung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert kritisch das wissenschaftliche Streben nach Lebensverlängerung und hinterfragt, ob der technologische Fortschritt tatsächlich zu einem erfüllteren Leben führt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Medizingeschichte, der mechanistischen Sichtweise des menschlichen Körpers und modernen biologischen Ansätzen zur Alterungshemmung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet, inwieweit der Traum vom ewigen Leben wissenschaftlich verwirklicht werden kann und ob ein solches Bestreben mit einer inhaltlichen Sinnhaftigkeit einhergeht.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt primär eine historische und philosophische Analyse, ergänzt um die Betrachtung wissenschaftshistorischer Dokumente und biologischer Theorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil spannt einen Bogen von der Ablösung des antiken anatomischen Weltbildes durch Harvey bis hin zu heutigen Erkenntnissen der Zellalterung und den ethischen Implikationen unserer technisierten Lebensweise.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wissenschaftskritik, Biopolitik, Medizingeschichte, Transhumanismus-Ansätze und philosophische Reflexion der Sterblichkeit beschreiben.
Warum spielt die Person René Descartes eine so wichtige Rolle für das medizinische Verständnis?
Descartes begründete die Iatrophysik, welche den Körper als Maschine betrachtete, und legte damit das Fundament für ein rein physikalisch-mechanistisches Verständnis des menschlichen Organismus.
Welche Rolle spielt die Thermodynamik in Bezug auf das Alter?
Der Autor verweist auf den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, um zu verdeutlichen, dass biologische Systeme aufgrund natürlicher Entropie und Zerfallsprozesse nicht unendlich existieren können.
- Arbeit zitieren
- Arne Viecens (Autor:in), 2010, Bringt die Wissenschaft ewiges Leben?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167721