Das Verkehrsaufkommen in Österreich steigt und steigt: Allein die CO2-Emissionen im Verkehrssektor stiegen von 1990 bis 2005 um über 90 % (vgl. Umweltbundesamt 2007). Vor allem der Straßenverkehr hat in den letzten Jahrzehnten enorme Zuwächse erlebt: Wurden 1970 noch 32,9 Mrd. km mit dem Auto zurückgelegt, ist dieser Wert bis 2003 um das Zweieinhalbfache auf 82,1 Mrd. km gestiegen. Die Eisenbahn konnte im selben Zeitraum zwar ebenfalls Zugewinne verbuchen, mit einem Zuwachs von 6,5 auf 8,5 Mrd. Personenkilometer fiel dieser aber eher bescheiden aus (vgl. BMVIT 2007). Aus dem Verhältnis 1:5 zwischen Straße und Schiene wurde im Personenverkehr 1:10.
In dieser Arbeit soll nun versucht werden zu klären, worin die Ursachen für diese Entwicklung liegen. Die zentrale These lautet: Durch verkehrspolitische Maßnahmen wurde die Konkurrenzfähigkeit des Schienenverkehrs gegenüber dem Straßenverkehr in den letzten Jahrzehnten in Österreich deutlich reduziert. Um diese zu verifizieren oder falsifizieren, wurden verschiedene Daten ausgewertet, beispielsweise vom Verkehrsministerium (BMVIT), von der ÖBB oder von Online-Routenplanern. Um die Hintergründe für die beobachteten Entwicklungen aufzuzeigen, wurde der Problemstellung entsprechende Literatur recherchiert. Die Recherche beschränkte sich dabei auf den Personenverkehr, da eine Einbeziehung des Güterverkehrs den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Arbeitsmethodik
2. Österreichs Verkehrssystem
3. Kriterien für die Verkehrsmittelwahl
4. Ursachen der Verkehrsmittelwahl in Österreich
5. Ursachen der Verkehrsentwicklung in Österreich
6. Schlussfolgerungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Ursachen für die im Vergleich zum Schienenverkehr übermäßige Zunahme des Pkw-Verkehrs in Österreich. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern verkehrspolitische Entscheidungen der letzten Jahrzehnte die Konkurrenzfähigkeit der Bahn gegenüber der Straße negativ beeinflusst haben.
- Analyse der infrastrukturellen Entwicklung des Schienen- und Straßennetzes
- Untersuchung relevanter Kriterien für die Wahl des Verkehrsmittels
- Vergleich von Reisedauer, Komfort und Flexibilität auf Hauptverkehrsachsen
- Kritische Betrachtung der Investitionspolitik seit 1960
- Diskussion notwendiger Maßnahmen für eine angebotsorientierte Verkehrspolitik
Auszug aus dem Buch
3. Kriterien für die Verkehrsmittelwahl
Dass ein gut ausgebautes Straßennetz den Pkw-Verkehr fördert, liegt auf der Hand. Allerdings ist das bei weitem nicht das einzige Kriterium für die Wahl eines Verkehrsmittels. Personen, die einen bestimmten Weg zurücklegen wollen, entscheiden nach folgenden Punkten (gereiht nach Prioritäten, vgl. JAIN 2006):
Reisedauer -> abhängig von Wegstrecke und Geschwindigkeit
Komfort -> Einfachheit der Organisation, Stress, Gepäck-Transport, Umsteigen, …
Flexibilität -> zeitlich und räumlich
Reisekosten -> Fahrt, Anschaffung, Erhaltung, …
Privatsphäre -> Freiheit beim eigenen Verhalten, Rücksicht auf Verhalten anderer
Sicherheit -> Gefahr von Personenschaden, Raub, …
Umweltverträglichkeit nicht entscheidend (vgl. FRANZEN 1997)
Nun kann man diese Kriterien heranziehen, um grundsätzlich zu analysieren, welche Verkehrsmittel in welchen Bereichen im Vorteil sind. Hinsichtlich Flexibilität und Privatsphäre hat der Individualverkehr klar die Nase vorn, wobei die Differenz zum öffentlichen Verkehr vor allem vom Ausbau des Netzes und der Häufigkeit der (zeitlich akzeptablen) Verbindungen abhängt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Arbeitsmethodik: Die Arbeit beleuchtet den massiven Anstieg des Verkehrsaufkommens in Österreich und stellt die These auf, dass verkehrspolitische Maßnahmen die Bahn benachteiligt haben.
2. Österreichs Verkehrssystem: Dieses Kapitel zeigt anhand von Statistiken, dass der Fokus der Infrastrukturentwicklung in den letzten Jahrzehnten deutlich auf dem Ausbau des hochrangigen Straßennetzes lag.
3. Kriterien für die Verkehrsmittelwahl: Es werden die wesentlichen Faktoren wie Reisedauer, Komfort, Flexibilität und Kosten analysiert, die das Verhalten von Reisenden bei der Wahl zwischen Pkw und Bahn beeinflussen.
4. Ursachen der Verkehrsmittelwahl in Österreich: Basierend auf den zuvor definierten Kriterien werden die tatsächlichen Bedingungen auf den österreichischen Hauptverkehrsachsen und die Konkurrenzfähigkeit der Verkehrsmittel untersucht.
5. Ursachen der Verkehrsentwicklung in Österreich: Die Analyse der Investitionstätigkeiten zeigt eine deutliche Bevorzugung des Straßenbaus gegenüber der Schiene auf, was die heutige Wettbewerbssituation erklärt.
6. Schlussfolgerungen und Ausblick: Abschließend wird gefordert, den Fokus von einer nachfrageorientierten zu einer angebotsorientierten Verkehrspolitik zu verschieben, um eine Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene zu erreichen.
Schlüsselwörter
Verkehrssystem Österreich, Schienenverkehr, Straßenverkehr, Pkw, Konkurrenzfähigkeit, Infrastrukturinvestitionen, Mobilität, Reisedauer, Verkehrspolitik, ÖBB, Verkehrsmittelwahl, Individualverkehr, öffentliche Verkehrsmittel, Personenverkehr, Mobilitätskette.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Wettbewerbssituation zwischen Schiene und Straße im österreichischen Personenverkehr und untersucht die Gründe für das Übergewicht des Pkw-Verkehrs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur, die Kriterien der individuellen Verkehrsmittelwahl sowie die Auswirkungen politischer Investitionsentscheidungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu prüfen, ob die verkehrspolitischen Maßnahmen der vergangenen Jahrzehnte gezielt die Konkurrenzfähigkeit der Schiene gegenüber dem Individualverkehr geschwächt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine Literaturrecherche durch und wertet statistische Daten aus dem Bereich Verkehr (BMVIT, ÖBB, Routenplaner), um die Hypothese zu verifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Infrastruktur, eine Untersuchung der Entscheidungskriterien der Nutzer sowie eine kritische Betrachtung der Investitionsströme in Straßen- und Schienennetz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Verkehrssystem, Schiene-Straße-Konkurrenz, Infrastrukturpolitik und Mobilitätsentscheidungen definieren.
Wie bewertet die Arbeit die Konkurrenzfähigkeit der Bahn auf der Westbahnstrecke?
Die Westbahnstrecke wird als Ausnahme hervorgehoben, da dort die Bahn dank hoher Verbindungsdichte und Infrastrukturausbau mit dem Pkw konkurrenzfähig ist.
Welche Rolle spielt die "Symbolfunktion" des Autos bei der Verkehrsmittelwahl?
Laut Arbeit führen emotionale Motive wie Selbstwertgefühl und Machtgefühl oft zu einer irrationalen Entscheidung für das Auto, auch wenn eine Zugfahrt objektiv günstiger wäre.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich zukünftiger Investitionen?
Der Autor fordert eine Abkehr von der bisherigen nachfrageorientierten Politik hin zu einem angebotsorientierten Ausbau, finanziert durch die Internalisierung externer Kosten des Straßenverkehrs.
Warum sind Nebenbahnen in der Analyse relevant?
Der Autor zeigt auf, dass der Rückgang der Fahrgastzahlen auf Nebenbahnen, bedingt durch den Pkw-Boom, fälschlicherweise zu einer Streichung von Verbindungen führte, anstatt die Ursachen für den Attraktivitätsverlust zu beheben.
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- Christian Kozina (Author), 2009, Das Verkehrssystem in Österreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167636