Sprachbiografien ermöglichen einen Zugang zu den sprachlichen Ressourcen eines Individuums. Damit verbunden sind bestimmte Empfindungen, also Gefühle und Emotionen, die unter dem sogenannten Spracherleben subsummiert werden. Das Konzept von Sprachbiografien wird sowohl in der Forschung als auch in der Schule genutzt, um Mehrsprachigkeit als solche sichtbar zu machen und zu stärken. Die Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit im Kontext von Flucht und Migration sowie die Bedeutung von Sprache im Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen ist ein junges, aber bereits etabliertes interdisziplinäres Forschungsfeld. Dabei werden oftmals sprachbiografische Elemente hinzugezogen und nutzbar gemacht. Der Bezug zur Fluchtbewegung von UkrainerInnen, die aktuell in das deutsche Schulsystem integriert werden, fehlt allerdings bislang noch. Auch im Zusammenhang mit dem Russischunterricht in Deutschland, an dem zunehmend mehr ukrainisch-sprachige Kinder teilnehmen, ist ein Bewusstsein und rücksichtsvoller Umgang notwendig.
Im Kontext dieser Arbeit sollen daher Überlegungen und Implikationen der sprachbiografischen Ansätze in Bezug auf die Bedeutung des Ukraine-Krieges und damit dem Zuwachs an ukrainisch-sprachigen Kindern für den Russischunterricht reflektiert werden. Ziel dieser Arbeit ist es, die Aufmerksamkeit auf den Russischunterricht im deutschsprachigen Raum zu legen und auf mögliche Implikationen für den Umgang mit Mehrsprachigkeit im Unterricht, unter Berücksichtigung individueller Sprachbiografien und traumatischer Erlebnisse, hinzuweisen.
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- Anonym (Autor:in), 2022, Sprachbiografische Ansätze in der Mehrsprachigkeitsforschung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1676128