Die Seminararbeit beschäftigt sich mit der Problematik des
Operationsbefehls Nr. 19 der deutschen Seekriegsleitung (SKL) vom 24. Oktober 1918 und der Vereitlung seiner Ausführung durch den Widerstand der Matrosen der Hochseeflotte. Die entscheidenden Aspekte bilden hierbei die Motive der SKL, den Flotteneinsatz zu befehlen und die der Matrosen, diesen zu verhindern. Dabei spielen der Zeitpunkt des Einsatzbefehls - mitten in den Waffenstillstandsverhandlungen -
und die Folge des Matrosenaufstands, nämlich die Novemberrevolution, eine wichtige Rolle.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Die Entwicklungen im Vorfeld
Der Operationsbefehl Nr. 19
Vereitlung des Flottenvorstoßes und Beginn der Revolution
Nachbetrachtung
Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und den Ablauf des geplanten Flottenvorstoßes der deutschen Seekriegsleitung im Oktober 1918 sowie den daraus resultierenden Matrosenaufstand, der den Ausgangspunkt für die Novemberrevolution bildete.
- Motivlage der Seekriegsleitung für den letzten Flotteneinsatz
- Einfluss der Waffenstillstandsverhandlungen auf die militärische Planung
- Widerstand der Matrosen gegen den Operationsbefehl Nr. 19
- Politisierung der Soldatenräte und Ausbreitung der Revolutionsbewegung
- Kritische Analyse des historischen Begriffs der "Admiralsrebellion"
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklungen im Vorfeld
Die eigentlichen Voraussetzungen für die Ereignisse 1918 und später, die mit dem Flotteneinsatz in Verbindung stehen, wurden schon einige Jahre zuvor geschaffen. Bereits im Sommer 1917 war es bei den deutschen Matrosen im Zuge der Situation in russischen Zarenreich zu aufrührerischen Bewegungen gekommen, die zwar die Hinrichtung von Max Reichpietsch und Albin Köbis sowie zahlreiche weitere Verhaftungen, aber keine Veränderungen in der Flotte nach sich zogen. Diese angestrebten Umstellungen zielten vor allem auf die Mißstände innerhalb des Sozialgefüges der Schiffsbesatzungen ab.
Nach Zeisler waren hierfür verschiedene Faktoren maßgeblich. So konnte durchschnittlich die Hälfte der Mannschaften im Zivilleben einem ausgebildeten technischem Beruf und beispielsweise einer gewerkschaftlichen Tätigkeit zugerechnet werden. Auch die Seeleute hatten zuvor auf Handelsschiffen schon mit proletarischen Ideen in anderen Ländern zu tun gehabt. Zudem bestand des öfteren auch eine Verbindung zur arbeitenden Landbevölkerung in den Werften. Durch das Leben auf engstem Raume innerhalb der Schiffskörper konnten sich politische Anschauungen extrem gut verbreiten. Schließlich war die Unzufriedenheit und letztlich auch der Friedenswille der Matrosen der „menschenunwürdigen Behandlung durch die Offiziere“ und der langen Untätigkeit der Hochseeflotte zu verdanken.
Gerade diesen letzten Aspekt zu ändern hatte sich die am 11. August 1918 unter Admiral Scheer neu geschaffene Seekriegsleitung (SKL) in Spa zum Ziel gesetzt. Urheber dieser neuen Kommandogewalt waren Admiral Reinhard Scheer (Chef der Seekriegsleitung), Kapitän zur See Magnus von Levetzow (Chef des Stabes der Seekriegsleitung) und Admiral Adolf von Trotha (Stabschef des Hochseekommandos). Zuvor hatten sie sich gegen die alten Befehlshaber Capelle, Müller und Holtzendorff durchgesetzt und mit der SKL durch die Ausschaltung des Flottenkommandos, Admiralsstabs, Reichsmarineamts und Marinekabinetts ein Pendant zur Oberstenheeresleitung (OHL) entworfen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Arbeit thematisiert den Operationsbefehl Nr. 19 und die daraus folgende Revolutionsbewegung unter Berücksichtigung unterschiedlicher historischer Forschungsmeinungen.
Die Entwicklungen im Vorfeld: Dieses Kapitel beleuchtet die sozialen Spannungen innerhalb der Marine und die strategischen Ambitionen der neu geschaffenen Seekriegsleitung.
Der Operationsbefehl Nr. 19: Hier wird der Befehl für den letzten Flotteneinsatz im Kontext des drohenden Kriegsendes und der militärischen Ehre der Offiziere analysiert.
Vereitlung des Flottenvorstoßes und Beginn der Revolution: Das Kapitel beschreibt den aktiven Widerstand der Matrosen gegen das Auslaufen der Flotte und die Entstehung der ersten Soldatenräte.
Nachbetrachtung: Eine kritische Würdigung der strategischen Sinnlosigkeit des Unternehmens und der historischen Bedeutung des Matrosenaufstands für den Zusammenbruch des Kaiserreichs.
Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Primärquellen und Sekundärliteratur zur Aufarbeitung der Ereignisse von 1918.
Schlüsselwörter
Operationsbefehl Nr. 19, Seekriegsleitung, Hochseeflotte, Matrosenaufstand, Novemberrevolution, Soldatenräte, Dolchstoßlegende, Admiralsrebellion, Waffenstillstand, Kaiserliche Marine, Marineoffiziere, Arbeitsräte, Erster Weltkrieg, Meuterei, Kieler Matrosenaufstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Ereignissen um den geplanten letzten Flotteneinsatz der deutschen Marine im Oktober 1918 und der daraus resultierenden Meuterei der Matrosen, die den Auftakt zur Novemberrevolution bildete.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Diskrepanz zwischen der Seekriegsleitung und den Mannschaften, der Einfluss der Waffenstillstandsverhandlungen auf militärische Entscheidungen sowie die Politisierung der Soldatenräte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Beweggründe für den Operationsbefehl Nr. 19 zu durchleuchten und zu klären, warum dieser Befehl den Widerstand der Matrosen provozierte, der schließlich zum Sturz des Kaiserreichs beitrug.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die primär auf der Auswertung von zeitgenössischen Dokumenten, Berichten des Untersuchungsausschusses, dem Kriegstagebuch der Seekriegsleitung und einschlägiger Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die personellen und strukturellen Veränderungen in der Marine, die Ausarbeitung des Operationsbefehls sowie die Eskalation des Matrosenaufstands von Wilhelmshaven bis Kiel detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Operationsbefehl Nr. 19, Seekriegsleitung, Matrosenaufstand, Novemberrevolution, Soldatenräte und Dolchstoßlegende.
Welche Rolle spielte die "Dolchstoßlegende" bei der Bewertung des Flottenvorstoßes?
Die Arbeit zeigt, dass die Seekriegsleitung den Einsatz teilweise rechtfertigte, um das militärische Ansehen zu wahren, während Historiker später debattierten, inwieweit der Vorstoß taktisch motiviert oder eine Verschleierung von Verantwortung war.
Warum scheiterte der Flottenvorstoß bereits vor dem Auslaufen?
Das Scheitern war primär auf den organisierten Widerstand der Besatzungen zurückzuführen, die den Einsatz als sinnlose "Todesfahrt" kurz vor dem Waffenstillstand ablehnten und sich durch Gehorsamsverweigerung zur Wehr setzten.
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- Magister Artium Andre Hoffmann (Author), 1999, Die Befehle für einen letzten Flotteneinsatz und der Beginn der Revolution bei den Matrosen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167326