Der mexikanische Film Los Olvidados „Die Vergessenen“, wurde von Luis Buñuel im Jahre 1950 gedreht. Eine Stimme aus dem Off weist direkt am Anfang des Filmes auf die Universalität des Dramas hin und die Städte New York, Paris und London sind zu sehen. So ist es nicht verwunderlich, dass der von Fernando Meirelles und Kátia Lund gedrehte brasilianische Film City of God „Die Stadt Gottes“ (Originaltitel: Cidade de Deus) dieselbe Thematik enthält, obwohl er viel später, nämlich im Jahre 2002, erschien. Diese beiden Filme sollen nun die Grundlage meiner Studienarbeit darstellen.
Beide Filme basieren auf genau recherchierten, wahren Begebenheiten, die in den Slums von Mexico-City und in Cidade de Deus, einer Trabantenstadt für Flüchtlinge im Vorort Jacarepaguá in Rio de Janeiro, stattfinden. Die Armenviertel sind geprägt von Gewalt, Drogen und Jugendkriminalität, was darauf zurückzuführen ist, dass die Kinder und Jugendlichen von der Gesellschaft und dem Staat im Stich gelassen wurden.
Dabei war das 20. Jahrhundert doch vor allem durch einen wirtschaftlichen Aufschwung, technische Neuheiten und Reformen des Bildungssystems gekennzeichnet. In den 40er Jahren erfuhr Mexiko das Goldene Zeitalter der mexikanischen Filmindustrie, worauf die vielen Filme Buñuels zurückzuführen sind. Doch das 20. Jahrhundert war auch vom Zweiten Weltkrieg und der mexikanischen Revolution geprägt. Im Vordergrund stand die Suche nach der nationalen und auch individuellen Identität. So hinterließen die kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen bei der mexikanischen Bevölkerung Spuren, die jedoch kaum oder gar nicht die unteren Bevölkerungsschichten erreichten. Obwohl Brasilien keine Revolution erfuhr, ging es dort unter ähnlichen elenden Umständen zu, da „mit der Abolition [der Sklaverei] der Kampf gegen die ungleiche Integration in die moderne Gesellschaft – von der Beseitigung der wirtschaftlichen Ungleichheiten bis zur Anerkennung der kulturellen Besonderheiten [– begann].“2 Die unteren Bevölkerungsschichten wurden an die Ränder der Großstädte verdrängt und mussten dort in Baracken leben, die im extremen Gegensatz zu den neu errichteten Gebäuden als Folge der wachsenden Urbanisierung standen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Charakteristika und Themen der Filme
2.1.1. Los Olvidados
2.1.2. City of God
2.2. Filmtheoretische Hintergründe bzw. filmische Gestaltungsmittel
2.2.1. Los Olvidados
2.2.2. City of God
2.3. Filmästhetische Besonderheiten
2.3.1. Los Olvidados
2.3.2. City of God
3. Zusammenfassung und Fazit
4. Bibliographie
4.1. Elektronische Quellen
4.2. Primärliteratur
4.3. Sekundärliteratur
4.4. Internetquellen
5. Plagiatserklärung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die komparative Analyse der Darstellung elender Lebensbedingungen von Straßenkindern in den Filmen "Los Olvidados" und "City of God", um die filmästhetischen sowie filmtheoretischen Strategien beider Werke im Kontext ihrer jeweiligen Entstehungszeit und gesellschaftlichen Bedeutung herauszuarbeiten.
- Gegenüberstellung des mexikanischen Klassikers "Los Olvidados" und des modernen brasilianischen Werks "City of God".
- Analyse der filmischen Gestaltungsmittel wie Kameraführung, Montage und Mise-en-scène.
- Untersuchung der Rolle von Realismus, Surrealismus und Traumsequenzen zur Vermittlung sozialer Missstände.
- Vergleich der Auswirkungen gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und Urbanisierung auf die Kriminalität von Jugendlichen.
- Reflexion über die mediale Rezeption und die Bedeutung der Filme als gesellschaftliches Korrektiv.
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Los Olvidados
In seiner Pariser Phase kam Luis Buñuel zum ersten Mal mit dem Surrealismus in Kontakt, dessen Anhänger den provokativen-antibürgerlichen Skandal pflegten. Er neigte zur Welt des Irrationalen und des Traums und fühlte sich immer mehr von dieser aufrührerischen Kunstbewegung angezogen. Sein Erfolg mit dem Film Un chien andalou „Ein andalusischer Hund“, der aus zwei Träumen geschaffen wurde verhalf ihm in die französische Surrealisten-Gruppe um André Breton aufgenommen zu werden. Aufgrund dieser Erfahrung sind Buñuels Filme stets durch surrealistische Elemente geprägt, die mit verborgenen Kräften des Irrationalen, dem Unbewussten, dem Traum und der Phantasie in Zusammenhang stehen. Der Surrealismus wurde zum beliebten Stilmittel Buñuels, der die Überschreitung von Gattungs- und Tabugrenzen, einem wichtigen Kriterium des Surrealismus, mit dem Medium Film zunutze machte. Dadurch erfolgte in Buñuels Filmen eine Intermedialität zwischen Film und Literatur, die sich nicht nur durch ein Spiel zwischen diesen beiden Medien zeigte, sondern auch ein Spiel mit dem neuen Medium Film ans Tageslicht brachte, welches Buñuel meisterhaft zu nutzen wusste. Die Traum- und Tiermetaphorik sind Ausdrücke dieser Intermedialität, die ich nun im Folgenden näher erläutern werde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der vernachlässigten Jugend in Großstädten ein und vergleicht die Filme "Los Olvidados" und "City of God" als Grundlage der Arbeit.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Charakteristika, filmtheoretischen Hintergründe und filmästhetischen Besonderheiten beider Werke unter Berücksichtigung ihrer zeitlichen Kontexte.
2.1. Charakteristika und Themen der Filme: Dieses Unterkapitel beschreibt die inhaltlichen Schwerpunkte und die Darstellung der Lebensumstände in den Slums von Mexico-City bzw. Rio de Janeiro.
2.2. Filmtheoretische Hintergründe bzw. filmische Gestaltungsmittel: Hier werden die technischen und filmtheoretischen Aspekte, wie Montage und Mise-en-scène, im Vergleich zwischen Buñuels Arbeitsweise und der modernen Produktion von Meirelles und Lund erörtert.
2.3. Filmästhetische Besonderheiten: Dieses Kapitel widmet sich der surrealistischen Bildsprache bei Buñuel und der narrativen Struktur sowie den filmischen Mustern in "City of God".
3. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die Ergebnisse, stellt die Bedeutung der Filme für ihre Zeit heraus und plädiert für eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den gezeigten Missständen.
4. Bibliographie: Ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen, unterteilt in elektronische Quellen, Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetressourcen.
5. Plagiatserklärung: Die formale Bestätigung der eigenständigen Leistung der Verfasserin.
Schlüsselwörter
Los Olvidados, City of God, Luis Buñuel, Fernando Meirelles, Straßenkinder, Realismus, Surrealismus, Filmtheorie, Montage, Mise-en-scène, Jugendkriminalität, Intermedialität, Mexiko, Brasilien, Sozialdrama.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht vergleichend, wie die Filme "Los Olvidados" (1950) und "City of God" (2002) das Schicksal und die elenden Lebensbedingungen von Straßenkindern in lateinamerikanischen Slums darstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die filmtheoretische Analyse, die filmästhetische Ausgestaltung, die Bedeutung von Gewalt und Kriminalität sowie die Wirkung dieser Werke auf die jeweilige zeitgenössische Gesellschaft.
Welches Ziel verfolgt die Verfasserin mit dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche filmische Strategien – vom Surrealismus bei Buñuel bis hin zur modernen Erzählstruktur bei Meirelles – dazu genutzt werden, soziale Missstände und das Scheitern an der Gesellschaft zu thematisieren.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet einen komparativen Ansatz, der eine filmtheoretische Analyse (Einstellung, Montage, Mise-en-scène) mit einer inhaltlichen Untersuchung der Filme verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die thematische Einführung der Filme, die Erläuterung der filmischen Gestaltungsmittel und die Untersuchung filmästhetischer Besonderheiten, wie etwa die Rolle von Träumen und Metaphern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Realismus, Surrealismus, soziale Marginalisierung, filmische Montage und die spezifische intermediale Gestaltung in den analysierten Filmen.
Wie unterscheidet sich die filmische Herangehensweise zwischen "Los Olvidados" und "City of God"?
Während Buñuel auf eine surrealistisch geprägte Bildsprache und Intermedialität setzt, nutzt "City of God" moderne Techniken wie eine schnelle Montage, Split-Screens und ein ausgefeiltes Erzählmuster, um die Dynamik der Slums abzubilden.
Welche Bedeutung misst die Autorin den Tiersymbolen in Buñuels Film bei?
Tiere wie Hühner, Hähne und Hunde dienen bei Buñuel als surrealistische Ausdrucksmittel für Gewalt, Unterdrückung, Vorahnung von Tod oder metaphysische Bezüge, die über die bloße Handlung hinausgehen.
- Arbeit zitieren
- Aylin Battal (Autor:in), 2010, Los Olvidados & City of God im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167290