Nicht nur öffentliche Dienstleistungen unterliegen dem Trend der Privatisierung, sondern auch öffentlich genutzte Räume sehen sich einer Privatisierung gegenüber. Die Einflussfaktoren der Globalisierung sowie der Wertewandel in der modernen Gesellschaft verursachen eine Strukturveränderung der öffentlichen und zum Teil privaten Räume.
Diese Veränderung äussert sich vor allem darin, dass der Druck auf öffentliche Räume wächst, da neue Angebote ihren Platz im urbanen Raum finden, welche sich den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft anpassen. Dabei handelt es sich vor allem um sogenannte „privatöffentliche“ Räume, die Öffentlichkeit suggerieren obwohl sie von Privaten betrieben werden. Zudem wird dem Konsum ein erhöhter Stellenwert beigemessen, weshalb öffentlicher Raum zu wirtschaftlichen Zwecken veräussert wird.
Diese Entwicklungen führen zu einem Verschwimmen zwischen öffentlichem und privatem Raum, wobei die Definition des öffentlichen Raumes für die Beurteilung der Problematik eine grosse Rolle spielt.
Eine Analyse der relevanten Literatur in Verbindung mit einer Fallstudie über die Stadt Basel zeigt auf, dass die Städte ihr Verhalten an dasjenige von Unternehmen anpassen, um im globalen Standortwettbewerb mitzuhalten. Dies führt zur Kommerzialisierung der Räume und somit auch zu Inklusions und Exlusionsprozessen zwischen den einzelnen Schichten der Gesellschaft.
Die Entwicklungstendenzen zeigen, dass zu der geografischen Perspektive, die eine „Privatisierung der öffentlichen Räume“ beschreibt, eine soziologische Perspektive hinzutreten muss. Die Betrachtung der Entwicklungstendenzen in diesem Bereich zeigt, dass eine „Privatisierung des öffentlichen Lebens“ stattfindet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Motivation für die Arbeit
1.2 Umfeld der Arbeit
1.1 Aktueller Forschungsstand
1.2 Zielsetzung und Methodik der Arbeit
2 Der öffentliche Raum und seine Funktionen im Wandel
2.1 Was ist ein öffentliches Gut?
2.2 Idee der Öffentlichkeit
2.2.1 Definition des öffentlichen Raumes
2.2.2 Historische Entwicklung des öffentlichen Raumes
2.3 Aufgaben des öffentlichen Raumes
2.4 Rechtliche Grundlagen im öffentlichen und privaten Raum
3 Treiber des Strukturwandels
3.1 Globalisierung führt zu Standortwettbewerb
3.2 Wertewandel definiert neue Ansprüche an den Raum
3.4 Erhöhtes Sicherheitsbedürfnis der Bürger
3.5 Vorteile privater Einrichtungen
3.5.1 Einnahmen und Qualitätssteigerung
3.5.2 Gewährleistung von Sicherheit
4 Strukturen der Privatisierung
4.1 Komplette Veräusserung
4.2 Privat-öffentlicher Raum
4.2.2 Privatisierte Bahnhöfe
4.2.3 Einkaufszentren
4.2.4 Branding Center
4.2.5 Temporäre Privatisierung
4.2.6 Areale in Innenstädten
5 Fallstudie über die Stadt Basel
5.1 Die Stadt Basel
5.2 Drei relevante Beispiele aus der Stadt Basel
5.2.1 Neunutzung Hafen St. Johann- Campus Plan
5.2.2 Evaluation des Projekts Novartis Campus
5.2.3 Projekt Messe 2012
5.2.4 Einschätzung des Projekts Messe 2012
5.2.5 Bebauungsplan Bahnhof SBB
5.2.6 Einschätzung des Projekts railcity Basel SBB
6 Entwicklungstendenzen im Kontext
6.1 Städte als Dienstleistungsmetropolen
6.2 Wachsende Akzeptanz privater Erlebnisräume
6.3 Kommerzialisierung der Räume
6.4 Exklusions- und Inklusionsprozesse
7 Spannungsfelder der Entwicklungen
7.1 Neue Unruhen am Stadtrand
7.2 Soziale Entmischung
7.3 Beeinflussung des Bürgerverhaltens
7.4 Spagat zwischen politischer Verantwortung und kommerziellem Nutzen
8 Fazit und Ausblick
8.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
8.2 Fazit
8.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zunehmende Privatisierung öffentlicher Räume im Kontext globaler Strukturveränderungen und städtischer Standortwettbewerbe. Sie hinterfragt, wie sich die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum verschwimmen und welche soziologischen sowie politischen Auswirkungen dies auf das urbane Zusammenleben hat.
- Transformation des öffentlichen Raumes durch Kommerzialisierung
- Einfluss von Globalisierung und Wertewandel auf städtische Areale
- Analyse städtischer Fallbeispiele (Stadt Basel)
- Spannungsfelder zwischen privatem Sicherheitsbedürfnis und öffentlichem Zugang
- Soziale Inklusions- und Exklusionsprozesse in modernen Städten
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Definition des öffentlichen Raumes
Dem Begriff Öffentlichkeit liegt ein breites Spektrum an Inhalten zu Grunde. Das Brockenhaus Lexikon betont vor allem zwei Bedeutungen, die der Begriff haben kann. Zum einen handle es sich um einen „Begriff der politischen und sozialen Sprache“ und zum anderen um einen wichtigen Grundsatz im Bereich des Rechts. In der folgenden Arbeit liegt der Fokus auf der politischen und sozialen Dimension des Begriffs, da im öffentlichen Raum die politische und soziale Interaktion, welche durch die Öffentlichkeit ermöglicht wird, von Bedeutung ist und folgender Definition unterliegen kann:
„Öffentlichkeit bezeichnet idealtypisch die gesellschaftlich gestaltete beziehungsweise organisierbare Sphäre der freien Meinungsäusserung, der Kritik, der Kontrolle und der Entscheidungsfindung in allen Fragen, die das politische Gemeinwesen betreffen. Steht sie in dieser Funktion prinzipiell am sozialen Geschehen und in politischen Handlungszusammenhängen Beteiligten offen ohne normative Vorgaben hinsichtlich des Ablaufs und der Zielsetzung der gesellschaftlichen Kommunikation zu machen.“ (Brockenhaus – Lexikon)
Bahrdt (2006) betont jedoch noch weitere wichtige Aspekte der Öffentlichkeit, die sich im Kern um angeeignete Kommunikations- und Verhaltensformen drehen: Die Öffentlichkeit zeichne sich vor allem dadurch aus, dass sie kein geschlossenes System bilde und somit keine vollständige Integration stattfinde wodurch die Individuen nicht zu einem „übergreifenden System zusammenkommen“. Dies bedeutet genauer, dass sich Einzelpersonen, welche sich in der Öffentlichkeit begegnen, gewisse Verhaltensweisen angeeignet haben so dass „Begegnungen nach gewissen Regeln abgewickelt werden“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Privatisierung öffentlicher Räume ein, erläutert die Motivation sowie die Zielsetzung der Arbeit und skizziert den aktuellen Forschungsstand.
2 Der öffentliche Raum und seine Funktionen im Wandel: Dieses Kapitel definiert den öffentlichen Raum theoretisch, untersucht seine historische Entwicklung sowie seine Funktionen und beleuchtet die rechtlichen Rahmenbedingungen.
3 Treiber des Strukturwandels: Hier werden die Ursachen für den Wandel städtischer Strukturen analysiert, insbesondere Globalisierung, Wertewandel und das wachsende Bedürfnis nach Sicherheit.
4 Strukturen der Privatisierung: Das Kapitel differenziert verschiedene Formen der Privatisierung, von der kompletten Veräusserung bis hin zu privat-öffentlichen Räumen wie Bahnhöfen und Einkaufszentren.
5 Fallstudie über die Stadt Basel: Die Fallstudie wendet die theoretischen Erkenntnisse auf Basel an und untersucht Projekte wie den Novartis Campus, die Messe 2012 und den Bahnhof SBB.
6 Entwicklungstendenzen im Kontext: Es werden übergeordnete Trends wie die Entwicklung zu Dienstleistungsmetropolen und die zunehmende Kommerzialisierung der urbanen Räume beleuchtet.
7 Spannungsfelder der Entwicklungen: Dieses Kapitel diskutiert die negativen Konsequenzen, darunter soziale Entmischung, Unruhen am Stadtrand und die Beeinflussung des Bürgerverhaltens.
8 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf künftige Herausforderungen im Umgang mit dem öffentlichen Raum.
Schlüsselwörter
Privatisierung, öffentlicher Raum, Stadtentwicklung, Standortwettbewerb, Kommerzialisierung, soziale Exklusion, Stadt Basel, urbaner Wandel, Sicherheitsbedürfnis, Erlebnisräume, gesellschaftliche Transformation, öffentliche Güter, Infrastruktur, Inklusionsprozesse, Stadtplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den zunehmenden Trend zur Privatisierung öffentlicher Räume und deren Auswirkungen auf die Stadtgesellschaft, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen ökonomischen Interessen und der öffentlichen Zugänglichkeit liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretische Bestimmung des öffentlichen Raumes, die treibenden Faktoren des Strukturwandels (wie Globalisierung) sowie die verschiedenen Ausprägungsformen der Privatisierung im urbanen Umfeld.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern die Gesellschaft den urbanen Raum so beeinflusst, dass die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum verschwimmen, und welchen Rückwirkungseinfluss diese Transformation auf die Gesellschaft selbst hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es wird eine integrative Vorgehensweise gewählt, die raumwissenschaftliche mit sozialwissenschaftlichen Ansätzen verknüpft, ergänzt durch eine tiefgehende Literaturrecherche und eine empirische Fallstudienanalyse der Stadt Basel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Identifikation von Treibern des Wandels, die Kategorisierung von Privatisierungsformen und eine detaillierte Fallstudienanalyse zu spezifischen Basler Bau- und Entwicklungsprojekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe wie Privatisierung, Standortwettbewerb, soziale Inklusion/Exklusion, Stadtentwicklung und Kommerzialisierung beschreiben den Kern der Untersuchung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Novartis Campus in Basel?
Die Autorin betrachtet das Projekt als zweischneidig: Einerseits bietet es eine städtebauliche Aufwertung und neue Grünflächen für die Stadt, andererseits führt es zur Privatisierung ehemals öffentlicher Parzellen und verdrängt bestehende Nutzungen.
Welche Bedeutung hat das „Projekt Messe 2012“ für die Öffentlichkeit?
Das Projekt wird kritisch hinterfragt, da die Überdachung (Citylounge) zwar eine architektonische Aufwertung verspricht, aber gleichzeitig die öffentliche Nutzung und Zugänglichkeit des Platzes aus Sicht von Kritikern einschränken könnte.
- Arbeit zitieren
- Patricia Purice (Autor:in), 2009, Privatisierung öffentlicher Räume, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167006