Es wird der Versuch unternommen den Aphorismus „Vom Gesicht und Räthsel“ in Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ in Bezug auf den Begriff der Zeit zu entschlüsseln. Hierzu soll eine kurze Darstellung Friedrich Nietzsches und eine Einbettung in den Historischen Rahmen Hilfe leisten, um zu verdeutlichen unter welchen philosophischen Einflüssen Nietzsche seine Gedankengänge entwickelt.
Auf der einen Seite soll herausgestellt werden, welche Vorstellung Nietzsche von dem Begriff der Zeit hat und wie er das Dasein mit diesem Zeitbegriff verknüpft. Auf der anderen Seite soll geklärt werden, inwiefern sich die Zielsetzung und das Erreichen der Ziele des Lebens durch Nietzsches Zeitbegriff ändern. In diesem Zusammenhang soll erläutert werden, warum der „Augenblick“, der bewusst gelebt werden soll, zum Fokus des Lebens wird und das Streben nach einem Ziel am Ende des Lebens sinnlos zu werden scheint. Hierzu wird der Sisyphosmythos herangezogen, um den Begriff der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“ zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Rahmen
3. „Vom Gesicht und Räthsel“
4. Der Mythos von Sisyphos
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Aphorismus „Vom Gesicht und Räthsel“ aus Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ im Hinblick auf seinen Begriff der Zeit, um aufzuzeigen, wie das Streben nach einem Jenseits zugunsten einer bewussten Gestaltung des Augenblicks infrage gestellt wird.
- Die philosophische Einbettung Nietzsches in den historischen Kontext.
- Die Analyse der linearen Zeitvorstellung im Kontrast zur „ewigen Wiederkehr des Gleichen“.
- Die Funktion des „Augenblicks“ als zentraler Punkt des menschlichen Daseins.
- Die Verknüpfung mit dem Sisyphos-Mythos zur Verdeutlichung existenzieller Anstrengung.
- Die Bedeutung von Selbstüberwindung und die Neuorientierung ethischen Handelns.
Auszug aus dem Buch
„Vom Gesicht und Räthsel“
Friedrich Nietzsche beschreibt in seinem Aphorismus „Vom Gesicht und Räthsel“ wie der Mensch sich zum Sklaven seiner selbst macht, der nicht für sich selber denken muss, sondern sich den Lehren der Religion unterwirft und dem Irrglauben verfällt, dass sich die Zeit linear bewegt und somit zu einem Ziel führt, das es zu erreichen gilt. Dieses Ziel ist am Ende einer unendlich scheinenden Zeitachse und endet, wie die Religion es lehrt, im Jenseits. Nietzsche hingegen versucht diesen, für ihn falschen Glauben, abzuschütteln und den Menschen von ihm – für ein eigenständiges Denken – frei zu machen. Dies hat zur Konsequenz, dass der Mensch sich vor Abgründen sieht. Diese Abgründe entstehen erst durch das eigenständige Denken und können nur mit Hilfe der eigenen Vorstellungskraft und der in sich selbst verwurzelte Moral überwunden werden. Im Gegensatz dazu bietet die Religion einen scheinbar leichteren Weg, da offensichtlich in der linearen Vorstellung der Zeit das Problem – der zu überwindenden Abgründe – nicht vorhanden ist, da sie erst durch das eigenständige Denken entstehen. Sie sind nur durch dieses Denken, welches den Menschen vom Tier unterscheidet, sichtbar und Zarathustra fragt deshalb: „Ist Sehen nicht selber – Abgründe sehen?“. Das Sehen wird mit dem Denken gleichgesetzt und zieht die aufkommende Frage nach dem Sinns des Lebens und dessen Zielsetzung nach sich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Untersuchung des Aphorismus ein und erläutert die zentrale Fragestellung bezüglich Nietzsches Zeitbegriff und dessen Auswirkungen auf das menschliche Dasein.
2. Historischer Rahmen: Dieses Kapitel skizziert den Lebensweg Nietzsches, seine akademische Prägung sowie die philosophischen Einflüsse von Schopenhauer und Wagner auf sein Denken.
3. „Vom Gesicht und Räthsel“: Hier wird der Aphorismus analysiert, wobei die Kritik an der linearen Zeit und der Religion sowie die Bedeutung des Augenblicks zentral behandelt werden.
4. Der Mythos von Sisyphos: Das Kapitel nutzt den Sisyphos-Mythos, um die Anstrengung der Selbstbefreiung und die Akzeptanz der ewigen Wiederkehr zu illustrieren.
5. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die moralischen Implikationen des Bruchs mit der Religion zusammen und reflektiert über neue Wege ethischen Handelns ohne ein jenseitiges Ziel.
6. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen zur Untermauerung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Vom Gesicht und Räthsel, Zeitbegriff, Ewige Wiederkehr, Augenblick, Sisyphos, Selbstüberwindung, Nihilismus, Moral, Religion, Willensmetaphysik, Existenz, Philosophie, Sinnsuche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Aphorismus „Vom Gesicht und Räthsel“ von Friedrich Nietzsche, um zu verstehen, wie er das herkömmliche Verständnis von Zeit und Leben kritisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Nietzsches Zeitbegriff, die Kritik an der Religion, das Konzept der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“ und die Bedeutung der Selbstüberwindung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, warum die Vorstellung einer linearen Zeit und eines Jenseits durch Nietzsches Philosophie zugunsten der bewussten Gestaltung des „Augenblicks“ ersetzt werden soll.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die den Aphorismus in seinen historischen und inhaltlichen Kontext einbettet und mit anderen Mythen wie Sisyphos vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der historischen Einordnung Nietzsches, der Exegese des Aphorismus hinsichtlich des Zeitbegriffs sowie dem Vergleich mit dem Sisyphos-Mythos.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Ewige Wiederkehr, Augenblick, Selbstüberwindung, Nihilismus und die Kritik an der linearen Zeitvorstellung.
Warum ist das Bild des Sisyphos für Nietzsche relevant?
Sisyphos dient als Sinnbild für das scheinbar sinnlose, immer wiederkehrende Unterfangen, das erst im reflektierten Augenblick zu einer Form von Freiheit führt.
Welche Rolle spielt das „Sehen“ in Nietzsches Argumentation?
Das Sehen wird mit eigenständigem Denken gleichgesetzt, welches zwar Abgründe offenbart, aber gleichzeitig die notwendige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben bildet.
- Arbeit zitieren
- Rita Hering (Autor:in), 2009, Der Zeitbegriff im Aphorismus „Vom Gesicht und Räthsel“ in Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166996