Der Gesamtwortbestand des Deutschen wird auf 5 bis 10 Millionen Wörter geschätzt. Praktisch benötigt jeder Sprecher jedoch nur 6 000 bis 10 000 Wörter zur Verständigung. Dass es jedoch gar nicht so sehr auf das einzelne Wort, als vielmehr auf seine lexikalisch und lexikalisch-semantischen Merkmale innerhalb der deutschen Gegenwartssprache ankommt, möchte ich auf den folgenden Seiten nachweisen.
Die Grundlage für diese Arbeit ist ein Fernsehauftritt von Jasmin Tabatabei und Benno Führmann im „ZDF-Morgenmagazin“. Die Gesprächsgrundlage bildet ein Zeichentrickfilm, den sie synchronisiert haben. Ausgewählt habe ich dieses Gespräch, da es durch die gelockerte Atmosphäre des „Morgenmagazins“ und die Dreier-Konstellation der Gesprächsteilnehmer nah an die Privatheit mündlicher Kommunikation heranreicht. Obwohl es ein Interview ist, erinnert es doch mehr an einen Talkshowausschnitt.
Zuerst einmal werde ich den Untersuchungsgegenstand der Lexik, als Teildisziplin der Linguistik, beschreiben und auf das Lexem, als die Einheit innerhalb der Lexik, eingehen. Die verschiedenen Unterscheidungsmöglichkeiten lexikalischer Einheiten werde ich kurz schildern und auf zwei näher eingehen. Daraufhin werde ich mich mit den im Text vorkommenden Wortbildungsprozessen befassen. Abschließend möchte ich noch, an ausgewählten Textstücken beweisen, dass die Polysemie ein Folge des Bedeutungswandels innerhalb einer Sprachgemeinschaft ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Untersuchungsgegenstand der Lexik
2.1. Das Lexem
3. Transkription
4. Unterscheidungsmöglichkeiten der lexikalischen Einheiten innerhalb eines Textes
4.1 Der Grundwortschatz eines ausgewählten Textstückes
4.2 Autosemantika und Synsemantika
5. Wortbildungsprozesse der Transkription
5.1 Komposition
5.2 Derivation
5.3 Lexikalisierung
5.4 Mündliche lexikalische Alternativen
6. Polysemie als Folge des Bedeutungswandels
7. Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht die lexikalisch-semantischen Merkmale innerhalb der deutschen Gegenwartssprache anhand eines konkreten Gesprächsausschnitts aus dem "ZDF-Morgenmagazin". Das primäre Ziel ist es, die Dynamik von Lexik, Wortbildungsprozessen und Bedeutungswandel in der mündlichen Kommunikation nachzuweisen und zu verdeutlichen, wie Kontext und Situation die Bedeutung von Lexemen beeinflussen.
- Grundlagen der Lexik und Definition des Lexems
- Analyse des Grundwortschatzes an einem Textbeispiel
- Unterscheidung zwischen Autosemantika und Synsemantika
- Untersuchung von Wortbildungsprozessen wie Komposition und Derivation
- Lexikalisierungsprozesse und Bedeutungswandel
Auszug aus dem Buch
4.2 Autosemantika und Synsemantika
Autosemantika sind Selbstdeuter, d.h. Wörter bzw. Zeichen, die eine selbständige lexikalische Bedeutung besitzen und als Satzglied fungieren können. Es sind demzufolge Wörter, „die Ausdruck eines abgrenzbar physischen Phänomens oder eines Gegenstandes, einer Erscheinung oder Handlung der Wirklichkeit sein können.“11 Autosemantika können die semantische Funktion für sich allein erfüllen, d.h. emotionale und appellative Äußerungen, Urteile oder Aussagen darstellen.
Synsemantika hingegen sind Bedeutungsträger, d.h. Wörter oder Morpheme, die nur durch eine Kombination mit Autosemantika Bedeutung erlangen können. Jedoch lassen sich grundsätzlich erst einmal alle lexikalischen und syntaktischen Einheiten als Synsemantika, im weitesten Sinne, charakterisieren, da sie erst im sprachlichen und außersprachlichen Kontext ihre referentielle Bedeutung erhalten.
Am folgenden Textbeispiel möchte ich das Zusammenspiel von Auto- und Synsemantika nachweisen. Dabei sind sämtliche Synsemantika fett dargestellt, ein Bindestrich trennt dabei zwei aufeinanderfolgende Sysemantika.
„Na (.) du musst halt n bissch-en mehr gAs geben (-) is lEtzend-lich n KINderfilm (-) das heißt da geht’s NICH um nAturalismus (-) sondern (.) du musst n bissch-en übertreiben (-) musst den Kindern n bissch-en spAss bei der sache mAchen (.) un (.) insofern is (.) sprEch ich den sinbAd schon anders (.) un n bissch-en mEhr (---) die gAnze zeit hochtur-ig (.) als ich normalerweise (.) jetzt hIer sprEche um Acht uhr morgens“12
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung lexikalisch-semantischer Merkmale für die Kommunikation dar und führt das gewählte Textbeispiel, ein Interview aus dem "ZDF-Morgenmagazin", ein.
2. Untersuchungsgegenstand der Lexik: Dieses Kapitel definiert die Lexik als Forschungsgebiet und erörtert das Lexem als zentrale Einheit innerhalb des lexikalischen Systems.
3. Transkription: Hier wird das für die Analyse verwendete Gespräch zwischen Jasmin Tabatabei und Benno Führmann gemäß der GAT-Konventionen transkribiert.
4. Unterscheidungsmöglichkeiten der lexikalischen Einheiten innerhalb eines Textes: Es werden verschiedene linguistische Ansätze zur Gliederung des Wortschatzes vorgestellt und die Differenzierung zwischen Autosemantika und Synsemantika erläutert.
4.1 Der Grundwortschatz eines ausgewählten Textstückes: Dieses Unterkapitel analysiert den Grundwortschatz anhand der ersten Zeilen des Transkripts und veranschaulicht dessen Stabilität und Funktion.
4.2 Autosemantika und Synsemantika: Hier wird die funktionale Unterscheidung zwischen selbstbedeutenden und kontextabhängigen sprachlichen Einheiten am Beispiel eines Textausschnitts nachgewiesen.
5. Wortbildungsprozesse der Transkription: Dieses Kapitel befasst sich mit den Mechanismen der Wortbildung, insbesondere der Bildung komplexer Wörter durch Komposition und Derivation.
5.1 Komposition: Es werden die in der Transkription gefundenen Komposita analysiert und ihre Struktur hinsichtlich der beteiligten Wortarten untersucht.
5.2 Derivation: Dieser Abschnitt erläutert die Bildung neuer Lexeme durch Affixe (Präfixe und Suffixe) und untersucht die entsprechenden Belege aus dem Transkript.
5.3 Lexikalisierung: Es wird untersucht, wie ad-hoc-Bildungen zu festen Bestandteilen des Wortschatzes werden und welche Rolle dabei die Idiomatisierung spielt.
5.4 Mündliche lexikalische Alternativen: Dieses Kapitel stellt die Besonderheiten der mündlichen Kommunikation gegenüber der Schriftsprache dar und analysiert expressive lexikalische Varianten.
6. Polysemie als Folge des Bedeutungswandels: Hier wird die Mehrdeutigkeit von Wörtern als Resultat von Bedeutungswandel und kontextueller Verschiebung innerhalb einer Sprachgemeinschaft diskutiert.
7. Ausblick: Der Ausblick resümiert die Notwendigkeit der lexikalisch-semantischen Kompetenz und betont die wichtige Aufgabe der Linguistik bei der Sprachvermittlung.
Schlüsselwörter
Lexik, Lexem, Wortschatz, Transkription, Wortbildung, Komposition, Derivation, Autosemantika, Synsemantika, Polysemie, Bedeutungswandel, Sprachgemeinschaft, Linguistik, Idiomatisierung, Grundwortschatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung lexikalisch-semantischer Strukturen in der deutschen Gegenwartssprache auf Basis eines transkribierten Fernsehinterviews.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Lexikologie, Wortbildungsprozesse (Komposition, Derivation), Lexikalisierung sowie die Bedeutung von Polysemie und Kontextabhängigkeit in der Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, an einem konkreten Beispiel aus dem "ZDF-Morgenmagazin" die linguistischen Mechanismen nachzuweisen, die der Bildung und dem Wandel von Wörtern in der mündlichen Sprache zugrunde liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine gesprächsanalytische Transkription und wendet linguistische Analysemethoden der Wortbildung und Semantik auf diesen Text an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Grundwortschatz, das Zusammenspiel von Autosemantika und Synsemantika, verschiedene Wortbildungsmittel sowie die Entstehung von Polysemie durch Bedeutungswandel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Lexik, Lexem, Wortbildung, Polysemie, Autosemantika, Synsemantika, Bedeutungswandel und Sprachdynamik.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Autosemantika und Synsemantika?
Autosemantika sind Wörter mit einer selbstständigen lexikalischen Bedeutung, während Synsemantika erst durch die Kombination mit Autosemantika oder den sprachlichen Kontext ihre volle Bedeutung entfalten.
Was bedeutet der Begriff "ad-hoc-Bildung" im Kontext dieser Arbeit?
Eine ad-hoc-Bildung ist ein komplexes Wort oder eine Wortverbindung, die der Sprecher spontan während des Sprechens nach den Regeln der Wortbildung erzeugt, ohne dass diese Form bereits ein etablierter Teil des allgemeinen Wortschatzes sein muss.
Warum spielt die Transkription für die Untersuchung eine so zentrale Rolle?
Die Transkription liefert das authentische Datenmaterial. Erst durch die exakte Verschriftlichung der mündlichen Äußerungen können linguistische Merkmale wie Wortwahl, informelle Strukturen und syntaktische Besonderheiten wissenschaftlich präzise analysiert werden.
- Quote paper
- B.A. Liane Giese (Author), 2004, Nachweis lexikalisch-semantischer Merkmale innerhalb einer Sprache an einem ausgewählten Textbeispiel, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166963