Seyla Benhabib stellt im dritten Kapitel „Zu Begriff und Institution der Staatsbürgerschaft“, in: dies., Kulturelle Vielfalt und demokratische Gleichheit. Partizipation im Zeitalter der Globalisierung drei Hauptthesen auf.
Ihre erste These lautet, dass es eine Asymmetrie zwischen Staatsbürgern und Nichtstaatsbürgern gibt, die sich vor allem auf die politischen Mitbestimmungsrechte bezieht (ebd., S. 80). Weiterhin geht sie von einer Kluft zwischen Ausländern aus, die zwischen EU-Mitgliedern und solchen, die Nicht-EU-Mitglieder sind besteht. Aus diesen beiden Thesen und ihrer Darstellung des Ist-Zustandes, in der sie die historische Entwicklung der Staatsbürgerschaft vor allem in Europa betrachtet, kommt sie zu der schlussfolgernden These, dass das Modell der Staatsbürgerschaft aus normativer Perspektive neu überdacht werden muss, da die drei grundsätzlichen Prinzipien, nämlich das der Abstammung, das Territorialprinzip und das Konsensprinzip, wie die Staatsbürgerschaft erworben werden kann, nicht mehr zeitgemäß sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Hauptthesen
2. Darstellung des Ist-Zustandes
3. Komponenten der Staatsbürgerschaft
4. Erwerb der Staatsbürgerschaft
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das Konzept der Staatsbürgerschaft im Werk von Seyla Benhabib, mit dem Ziel, die Diskrepanz zwischen traditionellen nationalstaatlichen Modellen und den Anforderungen einer globalisierten Welt aufzuzeigen. Die Forschungsfrage untersucht, inwiefern die aktuellen Erwerbs- und Definitionskriterien von Staatsbürgerschaft in modernen Demokratien noch zeitgemäß sind oder ob sie eine exklusive Barriere für Nicht-Staatsbürger darstellen.
- Kritische Analyse der Asymmetrie zwischen Staatsbürgern und Nicht-Staatsbürgern.
- Untersuchung der drei Komponenten der Staatsbürgerschaft (kollektive Identität, politische Partizipation, soziale Rechte).
- Evaluierung der drei klassischen Erwerbsprinzipien (Territorial-, Abstammungs- und Konsensprinzip).
- Diskussion über die Relevanz der "geschlossenen Gesellschaft" im Kontext globaler Verflechtungen.
- Plädoyer für eine transnationale Staatsbürgerschaft und eine stärkere Berücksichtigung der Zivilgesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3. Komponenten der Staatsbürgerschaft
Im Wesentlichen gibt es drei Komponenten der Staatsbürgerschaft: die kollektive Identität, Privilegien politischer Partizipation und soziale Rechte und Ansprüche (ebd., S. 88).
Die kollektive Identität beschreibt die Zugehörigkeit zu einer historisch gewachsenen politischen Einheit. In dieser Gemeinschaft lassen sich bestimmte sprachliche, kulturelle, ethnische und religiöse Gemeinsamkeiten finden, die diese Gruppe charakterisieren (ebd., S. 88). Es ist jedoch wichtig den Begriff der Staatsbürgerschaft, der die Zugehörigkeit zu einer politischen Gemeinschaft ausdrückt, von dem Begriff der Nationalität, der die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sprachlichen, ethnischen, religiösen oder kulturellen Gruppe symbolisiert, zu trennen. Dies ist zwingend notwendig, da politische Gemeinschaften nicht aus ethnisch/ national homogenen Gruppen zusammengesetzt sind, sondern ein heterogenes Gemisch unterschiedlichster Nationalitäten, Ethnien, Kulturkreise und religiöser Gemeinschaften sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hauptthesen: Das Kapitel führt die zentrale Problematik ein, dass das traditionelle Modell der Staatsbürgerschaft aufgrund aktueller politischer Spannungsfelder und globaler Entwicklungen aus normativer Perspektive einer grundlegenden Neubewertung bedarf.
2. Darstellung des Ist-Zustandes: Hier wird anhand europäischer Abkommen wie Maastricht, Schengen und Dublin aufgezeigt, wie durch die Harmonisierung der Gesetzeslage faktisch zwei Klassen von Ausländern entstehen und wie die Genfer Konvention in der Praxis umgangen wird.
3. Komponenten der Staatsbürgerschaft: Dieses Kapitel differenziert zwischen kollektiver Identität, politischer Teilhabe und sozialen Ansprüchen und fordert eine Abkehr von ethnisch-homogenen Identitätsbegriffen zugunsten eines inklusiveren Staatsverständnisses.
4. Erwerb der Staatsbürgerschaft: Es erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Territorial-, Abstammungs- und Konsensprinzip, wobei deren heutige Unzulänglichkeit im Kontext einer global vernetzten Zivilgesellschaft betont wird.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Fiktion der "geschlossenen Gesellschaft" aufgegeben werden muss und plädiert für eine stärkere Integration ziviler Qualifikationen bei der Vergabe der Staatsbürgerschaft.
6. Literatur: Aufzählung der verwendeten Quellen, insbesondere des Primärtextes von Seyla Benhabib.
Schlüsselwörter
Staatsbürgerschaft, Seyla Benhabib, Globalisierung, politische Partizipation, soziale Rechte, kollektive Identität, Territorialprinzip, Abstammungsprinzip, Konsensprinzip, EU-Asylpolitik, transnationale Staatsbürgerschaft, Zivilgesellschaft, Menschenrechte, nationale Souveränität, Migration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die philosophische und politische Analyse von Seyla Benhabib zur Staatsbürgerschaft und untersucht deren institutionelle sowie normative Grundlagen im Zeitalter der Globalisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die rechtliche Asymmetrie zwischen Inländern und Ausländern, die Komponenten der Staatsbürgerschaft sowie die klassischen Prinzipien ihres Erwerbs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass das traditionelle Modell der Staatsbürgerschaft auf veralteten Prämissen basiert und eine Kluft zwischen demokratischem Selbstverständnis und der rechtlichen Praxis erzeugt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Diskursanalyse, die politische Texte und institutionelle Abkommen kritisch auf ihre normativen Gehalte hin untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle europäische Asyl- und Migrationspolitik, die drei Komponenten der Staatsbürgerschaft und hinterfragt die drei traditionellen Erwerbsprinzipien (Territorial-, Abstammungs- und Konsensprinzip).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Staatsbürgerschaft, Globalisierung, soziale Rechte, politische Partizipation und transnationale Identität beschreiben.
Warum hält die Autorin das Konzept einer "geschlossenen Gesellschaft" für hinfällig?
Aufgrund der globalen Verflechtungen in Industrie, Finanzen und Kommunikation ist eine Gesellschaft, die nur auf biologischer Abstammung oder starrer nationaler Identität basiert, nicht mehr mit den Anforderungen einer modernen, offenen Zivilgesellschaft vereinbar.
Wie bewertet Benhabib das Prinzip der doppelten Staatsbürgerschaft?
Sie bewertet dieses nicht als Abwertung, sondern als Aufwertung, da die Entscheidung für mehrere Loyalitäten die Kritikfähigkeit und Widerstandsfähigkeit demokratischer Bürger stärke.
- Arbeit zitieren
- Rita Hering (Autor:in), 2009, Ausarbeitung des Referates zu Seyla Benhabibs "Zu Begriff und Institution der Staatsbürgerschaft", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166922