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Die Instrumentalisierung Preußens im nationalsozialistischen Propaganda-Spielfilm

Titel: Die Instrumentalisierung Preußens im nationalsozialistischen Propaganda-Spielfilm

Magisterarbeit , 2004 , 107 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Constanze Freiin von Kettler (Autor:in)

Politik - Sonstige Themen

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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit beleuchtet zunächst den Mythos Preußen. Was verstand die
nationalsozialistische Propaganda unter Preußen, inwiefern hat sie Preußen missbraucht? Die Nationalsozialisten haben Preußen schon im Wahlkampf instrumentalisiert, und auch der erste ganz große Streich des soeben entstandenen Propagandaministeriums, der Tag von Potsdam, hat mit der Instrumentalisierung Preußens zu tun.
In diesem Zusammenhang wird das Verhältnis des Propagandaministers, der ja für das Erscheinungsbild des Nationalsozialismus in der Bevölkerung verantwortlich war, zu Friedrich dem Großen thematisiert.

Ein wichtiger Komplex dieser Arbeit ist die Beschäftigung damit, was Propaganda überhaupt ist, was die Nationalsozialisten darunter verstanden haben und warum Propaganda so wichtig in diesem Herrschaftssystem war.
Insbesondere nutzte die nationalsozialistische Propaganda das Medium Film, um die Massen für sich zu gewinnen. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass der Filmkonsum anstieg, je länger der Krieg dauerte. Da die nationalsozialistische Filmpropaganda nicht – wie man erwarten könnte – aus simpel strukturierten Hetzfilmen besteht, ist eine Abgrenzung zwischen Propaganda- und Unterhaltungsfilmen vonnöten. In diesem Zusammenhang ist es auch interessant,
inwieweit Goebbels selbst auf die Filme Einfluss nehmen konnte und tatsächlich nahm. Darüber hinaus werden die institutionellen Voraussetzungen der Lenkung analysiert. Wie wurde nach 1933 die Filmwirtschaft umgebaut zum Zwecke der besseren Überprüfung im Sinne der Propaganda und der Zensur? Im Anschluss an diesen Exkurs wird ein Blick auf die bevorzugten Themen im nationalsozialistischen Film geworfen. Im besonderen werden hier exemplarisch die historischen Begebenheiten aufgegriffen, die für die weiter unten behandelten Filme wichtig sind. Die dort auftauchenden Propagandaaspekte werden näher erläutert und auch in den Zusammenhang mit weiteren Filmbeispielen gebracht.
Die Instrumentalisierung Preußens im Film des Dritten Reichs wird veranschaulicht anhand von zwei Beispielen, den Filmen „Bismarck“ von 1940 und „Der große König“, ein Film über Friedrich den Großen, der 1942 in die Kinos kam. Die Filme werden auf propagandistisches Potenzial und Inhalt überprüft, und es wird der zeitgenössische Kontext diskutiert und mit der Rezeption der Zuschauer verglichen.
Abschließend wird noch ein kritischer Blick auf die tatsächlichen Möglichkeiten der Propaganda und der Rezeption im Kriegsalltag geworfen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

1.1 Vorstellung des Themas

1.2 Quellen und Forschungsstand

Das Preußen der Nationalsozialisten

1.3 Der Tag von Potsdam

1.4 Preußen im Film

1.5 Filmische Darstellung Friedrichs des Großen

1.6 Goebbels und Friedrich der Große

2 Die Bedeutung der Propaganda

2.1 Propaganda und Nationalsozialismus

2.2 Bedeutung des Films für die Propaganda

2.3 Was ist ein Propagandafilm?

2.4 Die Instrumentalisierung der Geschichte als Propagandamittel

2.5 Goebbels, der oberste Schirmherr des Films

2.6 Exkurs: Institutionelle Voraussetzungen der Lenkung

2.6.1 Lage der Filmwirtschaft in der Zeit der Machtübernahme

2.6.2 Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda

2.6.3 Reichsfilmkammer

2.6.4 Filmkreditbank

2.7 Film zwischen Zensur und Prädikat

3 Topoi im nationalsozialistischen Film

3.1 Führerprinzip

3.2 Sterben für Deutschland

3.3 Militär und Krieg

3.4 Die Linke und der Parlamentarismus als Feindbild

4 Preußen im Film: Betrachtung anhand zweier Beispiele

4.1 „Bismarck“ (1940)

4.1.1 Inhalt

4.1.2 Propagandistisches Potenzial der Figur Otto von Bismarck

4.1.3 Zeitgenössischer Kontext

4.1.3.1 Führungspersönlichkeit und Kampf gegen den Parlamentarismus

4.1.3.2 Bismarck – ein Mann der Vorsehung

4.1.3.3 Friedensliebe oder Siegesrausch?

4.1.4 Zeitgenössische Rezeption von „Bismarck“

4.1.5 Zwischenfazit

4.2 „Der große König“ (1942)

4.2.1 Inhalt

4.2.2 Propagandapotenzial der Figur Friedrich II. von Preußen

4.2.3 Zeitgenössischer Kontext

4.2.4 Propagandistische Aspekte und ihre Darstellung im Film

4.2.4.1 Feigheit vor dem Feind

4.2.4.2 Kriegsmüdigkeit

4.2.4.3 Die Vision des Führers

4.2.4.4 Frankreich

4.2.5 Historische Einordnung und Kontext

4.2.6 Zeitgenössische Rezeption von „Der große König“

4.2.7 Zwischenfazit

5 Filmrezeption im Dritten Reich

6 Abschließende Betrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht die Instrumentalisierung preußischer Geschichte und Mythen durch die nationalsozialistische Propaganda mittels des Mediums Film. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie historische Figuren wie Friedrich der Große und Otto von Bismarck in Spielfilmen als Projektionsflächen für die nationalsozialistische Ideologie und zur Legitimation des NS-Regimes genutzt wurden.

  • Analyse des "Mythos Preußen" als ideologisches Fundament der NS-Propaganda.
  • Untersuchung der Bedeutung des Kinos als wichtigstes Propagandainstrument des Dritten Reiches.
  • Detaillierte Filmanalyse von "Bismarck" (1940) und "Der große König" (1942).
  • Darstellung der institutionellen Lenkung der Filmproduktion durch Joseph Goebbels.
  • Untersuchung der zeitgenössischen Rezeption und der Wirksamkeit der filmischen Propaganda.

Auszug aus dem Buch

3.2 Bedeutung des Films für die Propaganda

Das Thema Propaganda im nationalsozialistischen Film weckt Erwartungen von Hetzfilmen antisemitischer Art oder kriegsverherrlichenden Geschichten. Jedoch besteht tatsächlich nur ein kleiner Teil der zwischen 1933 und 1945 entstandenen Produktion aus plumper Volksverhetzung. Es gibt genug Wochenschauberichte und vor allem erfolgreiche Spielfilme, die auf den ersten Blick keine propagandistischen Ziele verfolgen. Denn der nationalsozialistische Film hat sich am Zeitgeschmack orientiert, und es ist auch zweifelhaft, ob jeder Film, der in dieser Zeit in die Filmtheater kam, als Teil des politischen Machtapparats zu sehen ist.78

Die Bedeutung des Films für die nationalsozialistische Propaganda kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Film ist ein durchaus wichtiges Propagandainstrument, wenn nicht vielleicht sogar das wichtigste. Auch wenn er - im Gegensatz zu Radio und Zeitung - nicht ganz aktuell ist, so besitzt er doch eine weitaus größere Tiefenwirkung.

Der Reichsfilmintendant Fritz Hippler schreibt 1944 in der Zeitschrift „Illustrierter Filmkurier“:

„Im Vergleich zu den anderen Künsten ist der Film durch seine Eigenschaft, primär auf das Optische und Gefühlsmäßige, also Nichtintellektuelle einzuwirken, massenpsychologisch und propagandistisch von besonders eindringlicher und nachhaltiger Wirkung. Er beeinflusst nicht die Meinung exklusiver Kreise von Kunstkennern, sondern er erfasst die breiten Massen. Er erzielt damit soziologische Wirkungen, die oft nachhaltiger sein können als die von Schule und Kirche, ja sogar von Buch, Presse und Rundfunk. Es wäre daher auch aus ganz außerkünstlerischen Gründen geradezu frevelhaft und leichtsinnig, wenn ein verantwortungsbewusstes Staatsregiment sich des Führungsanspruchs über dieses wichtige Element begeben würde.“79

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Diese Einleitung erläutert die Vereinnahmung des Preußenbildes durch die Nationalsozialisten, die zur Rechtfertigung ihrer autoritären Politik historische Figuren wie Friedrich den Großen und Bismarck instrumentalisierten.

2 Die Bedeutung der Propaganda: Dieses Kapitel definiert Propaganda als zentrales Instrument totalitärer Systeme und analysiert die Rolle des Films, der als "modernstes Mittel zur Beeinflussung der Massen" unter Goebbels’ Leitung zur massenpsychologischen Steuerung eingesetzt wurde.

3 Topoi im nationalsozialistischen Film: Hier werden zentrale propagandistische Motive wie das Führerprinzip, die Verherrlichung des Heldentods für das Vaterland sowie die Diskreditierung des Parlamentarismus als ideologische Kerninhalte des NS-Films identifiziert.

4 Preußen im Film: Betrachtung anhand zweier Beispiele: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Untersuchung der Filme "Bismarck" (1940) und "Der große König" (1942), die den historischen Kontext, die propagandistische Ausrichtung und die zeitgenössische Rezeption dieser Produktionen analysiert.

5 Filmrezeption im Dritten Reich: Das Kapitel reflektiert die Schwierigkeiten, die tatsächliche Wirkung der Propagandafilme auf das Publikum zu messen, und weist auf die Diskrepanz zwischen staatlicher Intention und individueller Wahrnehmung hin.

6 Abschließende Betrachtung: Das Fazit resümiert, dass die Nationalsozialisten durch die ständige Berufung auf ein verzerrtes preußisches Tugendideal das Geschichtsbild nachhaltig prägten und das Ansehen Preußens in der Welt langfristig schädigten.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Propaganda, Film, Preußen, Friedrich der Große, Otto von Bismarck, Führerprinzip, Joseph Goebbels, Filmwirtschaft, Zensur, Kolberg, Bismarck-Film, Geschichtslegitimation, Kriegspropaganda, NS-Ideologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Instrumentalisierung preußischer Geschichte und Mythen durch die nationalsozialistische Filmpropaganda und deren Funktion als Legitimationsmittel für das NS-Regime.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Definition von Propaganda im Nationalsozialismus, die institutionelle Kontrolle des Filmwesens unter Goebbels und die filmische Darstellung preußischer Identitätsfiguren als Vorbilder für Hitler.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Wie und mit welchen Mitteln haben die Nationalsozialisten preußische Geschichte und Mythen im Film instrumentalisiert, um ihren Machtanspruch und ihr politisches Handeln zu legitimieren?

Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?

Es handelt sich um eine medien- und filmwissenschaftliche sowie historische Analyse, die auf der Auswertung von Quellen (Reden, Tagebücher von Goebbels), zeitgenössischen Filmkritiken und fachwissenschaftlicher Literatur basiert.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Propaganda, die Analyse der Topoi (Führerprinzip, Sterben für Deutschland) und eine tiefgehende Untersuchung der Filme "Bismarck" und "Der große König".

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Zu den prägenden Begriffen gehören Propaganda, Film, Preußen, Führerprinzip, Instrumentalisierung und Geschichtslegitimation.

Welche Rolle spielt Joseph Goebbels in dieser Analyse?

Goebbels wird als zentraler Akteur ("Filmminister") beschrieben, der die Filmproduktion institutionell kontrollierte, massiv in die inhaltliche Gestaltung eingriff und den Film als strategisches Werkzeug zur Beeinflussung der Volksmoral nutzte.

Warum wird gerade der Film "Der große König" als so bedeutsam eingestuft?

Der Film wird als "Film der Nation" und Höhepunkt des nationalsozialistischen Führerkultes im Preußenfilm analysiert, da er die Problematik des Krieges explizit thematisiert und das Leidensnarrativ zur Stärkung der Durchhaltebereitschaft während des Zweiten Weltkriegs nutzte.

Ende der Leseprobe aus 107 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Instrumentalisierung Preußens im nationalsozialistischen Propaganda-Spielfilm
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Politische Wissenschaft
Note
2,3
Autor
Constanze Freiin von Kettler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
107
Katalognummer
V166813
ISBN (eBook)
9783640831340
ISBN (Buch)
9783640831708
Sprache
Deutsch
Schlagworte
instrumentalisierung preußens propaganda-spielfilm
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Constanze Freiin von Kettler (Autor:in), 2004, Die Instrumentalisierung Preußens im nationalsozialistischen Propaganda-Spielfilm, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166813
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