„Die Rheydter Edelstahlfirma Heinz Gothe hat ihren Edelstahl Service Betrieb GmbH (ESB) (…) an (…) [die] Hempel Special Metals GmbH (HSM) veräußert.“ – so die Meldung vom 02.09.2009 der Westdeutschen Zeitung. Somit gehört die ESB GmbH zu den zahlreichen Unternehmen die jedes Jahr in Deutschland verkauft werden. Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) werden alleine aufgrund der Unternehmensnachfolgeregelung über 70.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Jahr für Jahr übertragen. Davon werden nur etwa 44 % der Unternehmen an Familienmitglieder übertragen. Die übrigen Unternehmen werden entweder an die Mitarbeiter bzw. an Fremde verkauft oder mangels Nachfolgeregelung stillgelegt.
In diesem Kontext stellt sich allerdings die Frage nach dem Wert des Unternehmens. Dabei spielt es keine Rolle in welche Hände das Unternehmen übergeben wird. Denn mit dieser Frage beschäftigen sich nicht nur Eigentümer und Interessenten sondern auch Externe. So kann sich beispielsweise im Erbfall das Finanzamt für den Unternehmenswert interessieren, da dieser als Berechnungsgrundlage für die Erbschaftssteuer gilt. Aber wie soll ein Unternehmen bewertet werden? Es gibt für Unternehmen keine Schwackeliste, wie es bei Gebrauchtautos der Fall ist. Jedes Unternehmen ist einzigartig und gleicht einer Individualität. Im Rahmen einer Unternehmensbewertung können weiterhin u. a. folgende Fragen entstehen: Sind bei der Bewertung nur materielle oder auch immaterielle Werte zu berücksichtigen? Haben zukünftige Erträge auf den Unternehmenswert einen Einfluss? Welche Faktoren haben eine besondere Auswirkung auf den Unternehmenswert? Gibt es vielleicht Besonderheiten bzw. Problembereiche bei der Bewertung der KMU? Auf diese und weitere Fragen wird im Rahmen einer Unternehmensbewertung eingegangen und mittels verschiedener Verfahren beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Abgrenzung der kleinen und mittleren Unternehmen
2.2 Anlässe und Zwecke der Unternehmensbewertung
3 Unternehmensbewertungsverfahren
3.1 Einzelbewertungsverfahren
3.1.1 Liquidationswertverfahren
3.1.2 Substanzwertverfahren
3.2 Gesamtbewertungsverfahren
3.2.1 Ertragswertverfahren
3.2.2 Discounted-Cash-Flow-Verfahren
3.3 Mischverfahren
3.3.1 Mittelwertverfahren
3.3.2 Übergewinnverfahren
3.4 Marktwertorientierte Bewertungsverfahren
4 Ausgewählte Problemfelder der Unternehmensbewertung
4.1 Defizite in der Due Diligence
4.2 Kaufpreisfindung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die spezifischen Herausforderungen und Problemfelder bei der Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Rahmen von M&A-Transaktionen systematisch aufzuzeigen und kritisch zu analysieren.
- Charakterisierung von KMU und deren Abgrenzung gegenüber Großunternehmen
- Darstellung und kritische Würdigung der gängigen Unternehmensbewertungsverfahren
- Bedeutung und Durchführung der Due Diligence bei KMU-Transaktionen
- Analyse der Problematik bei der Kaufpreisfindung
- Untersuchung der Subjektivität des Unternehmenswerts
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Liquidationswertverfahren
Bei der Ermittlung des Liquidationswertes wird die Aufgabe der Geschäftstätigkeit bzw. die Zerschlagung des Unternehmens unterstellt. Dabei werden einzelne Wirtschaftsgüter mit ihren Veräußerungserlösen und Schulden mit ihren Ablösebeträgen angesetzt. Die Saldierung der beiden Summen ergibt den Liquidationswert eines Unternehmens.
Die Liquidationswertermittlung erfordert die Heranziehung der Bilanz und des Inventars. In diesem Kontext muss dem Inventar jedoch eine höhere Stellung als der Bilanz zugesprochen werden, da nicht alle Werte in der Bilanz abgebildet werden. In der Bilanz werden nur Buchwerte ausgewiesen, die stillen Reserven bleiben unberücksichtigt. So kann z. B. bei Veräußerung einer bereits voll abgeschriebenen Immobilie ein wesentlich höherer Erlös erzielt werden als der Erinnerungswert von einem Euro. Außerdem dürfen die Liquidationskosten, die weder in der Bilanz noch im Inventar aufzufinden sind, nicht vernachlässigt werden. Diese setzen sich z. B. aus Abbruch- und/oder Rekultivierungskosten, Leasingablösekosten oder Sozialplanausgaben zusammen. Des Weiteren können bei der Veräußerung des Vermögens stille Reserven aufgedeckt werden mit der Folge einer höheren Steuerverbindlichkeit. Diese sollen bei der Liquidationswertermittlung ebenfalls Berücksichtigung finden. Darüber hinaus hat der Liquidationswert eine besondere Bedeutung. Der Liquidationswert stellt bei einer rationalen Betrachtung die absolute Wertuntergrenze eines Unternehmens dar. Sollte sich bei der Ermittlung des Unternehmenswertes ergeben, dass der Liquidationswert größer als der Fortführungswert ist, muss das Unternehmen nach ökonomischen Gesichtspunkten liquidiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Unternehmensbewertung bei KMU-Transaktionen ein und definiert das Ziel der Arbeit, die bestehenden Problemfelder in diesem Bereich aufzuzeigen.
2 Grundlagen: Das Kapitel charakterisiert KMU durch quantitative und qualitative Merkmale und erläutert die verschiedenen Anlässe sowie Zwecke, die eine Unternehmensbewertung erforderlich machen.
3 Unternehmensbewertungsverfahren: Hier werden die wesentlichen, in Deutschland anerkannten Bewertungsmethoden wie Einzel-, Gesamt-, Misch- und marktwertorientierte Verfahren detailliert dargestellt und hinsichtlich ihrer Eignung für KMU kritisch bewertet.
4 Ausgewählte Problemfelder der Unternehmensbewertung: Dieses Kapitel beleuchtet die Defizite in der Due Diligence bei KMU-Transaktionen sowie die komplexen Herausforderungen bei der finalen Kaufpreisfindung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont, dass der Unternehmenswert eine subjektive Größe bleibt, bei der eine umfassende Due Diligence wichtiger ist als die rein mathematische Anwendung eines Bewertungsverfahrens.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, KMU, M&A-Transaktionen, Ertragswertverfahren, DCF-Verfahren, Due Diligence, Kaufpreisfindung, Liquidationswert, Mittelstand, Unternehmensnachfolge, Marktwert, Bewertungsprobleme, KMU-Charakteristika, Transaktionsanlässe, Unternehmenswert
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik, wie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Rahmen von Unternehmenskäufen oder -verkäufen (M&A) bewertet werden können und welche spezifischen Herausforderungen dabei auftreten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Mittelstands, die verschiedenen gängigen Unternehmensbewertungsverfahren, die Bedeutung einer umfassenden Due Diligence sowie die Faktoren, die die Kaufpreisfindung beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die spezifischen Problemfelder bei der Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen aufzuzeigen, da diese sich signifikant von Großunternehmen unterscheiden und oft keine objektive Bewertung zulassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Darstellung gängiger betriebswirtschaftlicher Bewertungsmethoden sowie der kritischen Auseinandersetzung mit der Anwendungspraxis im KMU-Sektor.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der KMU-Definition und Bewertungsanlässe erläutert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Bewertungsmethoden und der praktischen Defizite bei der Due Diligence sowie der Preisfindung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Unternehmensbewertung, KMU, M&A, Due Diligence, Ertragswertverfahren, Kaufpreisfindung und Mittelstand.
Warum ist das Liquidationswertverfahren eine wichtige Kennzahl?
Es dient bei einer rationalen Betrachtung als die absolute Wertuntergrenze eines Unternehmens. Übersteigt dieser Wert den Fortführungswert, ist eine Liquidation aus rein ökonomischer Sicht geboten.
Warum wird die Due Diligence bei KMU oft vernachlässigt?
Dies liegt meist an der Kostenintensität und der Annahme, dass bei kleinen Betrieben der Aufwand für eine vollumfängliche Prüfung in keinem Verhältnis zum erzielbaren Kaufpreis steht.
Gibt es den einen "richtigen" Unternehmenswert?
Nein, der Unternehmenswert ist eine subjektive Größe, die auf individuellen Einschätzungen von Käufer und Verkäufer basiert und von verschiedenen Faktoren wie den eigenen Zielen und der aktuellen Marktsituation beeinflusst wird.
- Arbeit zitieren
- Denis Remha (Autor:in), 2010, Spezifische Problemlagen bei der Bewertung von kleiner und mittlerer Unternehmen im Kontext von M&A-Transaktionen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166688