Gewalterfahrung in der Schule, Wegbleiben von der Schule, Verfehlen von Schulabschlüssen sowie erhebliche Probleme mit dem Übergang von der Schule zur Berufsbildung sind offenkundige Schwierigkeiten, die aus unserem tradierten Schulsystem entstanden sind.
Schule weist immer noch durch soziale Selektion und nicht durch Förderung, die spätere gesellschaftliche Stellung der Kinder sowie Jugendlichen zu. Lehrkräften ist wenig bekannt über die Wirklichkeit der tatsächlichen Lebensverhältnisse ausgegrenzter Kinder und ihren Eltern, selbst aus politischer und gesellschaftlicher Sicht wird die Unfähigkeit der Schulen nicht ernsthaft bestritten. Und dennoch ist wenig eigener Veränderungs- und Entwicklungswille im System Schule bemerkbar.
Was sich in den Letzten Jahren wieder entwickelt hat, ist die Forderung nach dem Ausbau von Schulsozialarbeit, als Jugendhilfe soll sie sich verstärkt um das heruntergewirtschaftete System Schule kümmern, jedoch begrenzt, reglementiert und ressourcenarm. Wirklich gewünscht wird Schulsozialarbeit meist erst, wenn das Lehrpersonal mit ihren nervlichen Kräften am Ende sind und gefordert wird dann eine wieder perfekt in das Schulsystem passende Schülerin, die „richtig“ funktioniert.
Schule und Jugendhilfe haben ihre gemeinsame Wurzel, ihre Wege trennten sich erst im Laufe der Herausdifferenzierung der beruflichen Entwicklung der Lehrkräfte und SozialarbeiterInnen. Vor diesem Hintergrund wird in diesem Bericht zunächst die Gesamtstruktur der Schulsozialarbeit aufgezeigt, um dann spezifisch auf berufsbildende Schulen und die BBS einzugehen. Nach einer folgenden differenzierten Darlegung einzelner im Praktikum angewendeter Methoden folgt eine Reflexion auf theoretischer Ebene.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesamtstruktur der Schulsozialarbeit
2.1. Entwicklung Schulsozialarbeit
2.2. Definition Schulsozialarbeit
2.3. Aufgabenbeschreibung
2.4. Methoden der Schulsozialarbeit
2.5. Rechtliche Rahmenbedingungen
3. Berufsbildende Schulen
3.1. Sozialarbeit an berufsbildenden Schulen
3.2. Klientel an berufsbildenden Schulen
3.3. Zielgruppe im BVJ
4. Arbeitsfeld und Träger
4.1. BBS X
4.2. Landesschulbehörde als öffentlicher Träger
5. Berufspraxis
5.1. Soziales Kompetenztraining
5.2. Begleitung und Betreuung
5.3. Einzelfallhilfe
5.4. Gesprächs- und Beratungsarbeit
5.5. Teilnahme an Klassenkonferenzen
5.6. Hausbesuche
5.7. Netzwerkarbeit
6. Reflexion und Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, Struktur und Praxis der Schulsozialarbeit, insbesondere im Kontext berufsbildender Schulen (BBS) und des Berufsvorbereitungsjahres (BVJ). Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den Herausforderungen der Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule sowie der Wirksamkeit sozialpädagogischer Interventionen bei Schülern mit sozialen oder persönlichen Benachteiligungen.
- Entwicklung und Definition der Schulsozialarbeit in Deutschland
- Die spezifischen Rahmenbedingungen und das Klientel an berufsbildenden Schulen
- Praktische Methoden der Sozialarbeit, wie Einzelfallhilfe, Gruppentraining und Netzwerkarbeit
- Die Rolle der Schulsozialarbeit als Bindeglied zwischen Jugendhilfe und dem System Schule
- Analyse des beruflichen Selbstverständnisses von Schulsozialarbeitern
Auszug aus dem Buch
5.3. Einzelfallhilfe
Die Einzelfallhilfe ergibt sich oftmals aus einen besonders problematischen Verhalten eines Schülers. Der Schüler wird von den Lehrkräften als unzumutbar und untragbar beschrieben, er stört mit seinem Verhalten derart den Unterricht, sodass insbesondere die Schüler, die etwas lernen wollen, darunter leiden. Die psychische Belastungsgrenze ist bei den Lehrern oft nicht sehr hoch, von daher wählen sie als Instrument schnell und oft den Ausschluss aus der Klasse oder die Suspendierung von der Schule. Um extrem verhaltensauffälligen Schülern die Möglichkeit der Selbstreflexion zu geben ist eine auf längere Zeit angelegte intensive Einzelfallhilfe nötig. Hierbei wird sehr eng mit dem Schüler zusammengearbeitet, Konflikte werden direkt im Anschluss an das Fehlverhalten analysiert und konkretisiert. Es werden in Gesprächen und Rollenspielen alternative Lösungsvorschläge erarbeitet, um die Fremd- und Selbstwahrnehmung zu schärfen.
Bei einem Schüler zeigte sich über Monate ein derart schwieriges Verhalten, dass alle drei beteiligten Fachlehrer nicht mehr bereit waren, den Jugendlichen in ihrer Klasse zu unterrichten, sie sahen als Lösung nur die Suspendierung von der Schule. Die Sozialarbeiterin entwarf ein persönlich zugeschnittenes Konzept zur Informationsanalyse der Begründungszusammenhänge des Schülerverhaltens und legte schriftlich dar, wie sie mit dem Jugendlichen konkret an eine Verbesserung arbeiten wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten im Schulsystem und die Notwendigkeit des Ausbaus von Schulsozialarbeit als Unterstützungssystem.
2. Gesamtstruktur der Schulsozialarbeit: Dieses Kapitel definiert Schulsozialarbeit, beschreibt ihre historische Entwicklung und die rechtlichen Rahmenbedingungen innerhalb der Jugendhilfe.
3. Berufsbildende Schulen: Hier werden die Besonderheiten von berufsbildenden Schulen und die Zielgruppen, insbesondere im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), detailliert analysiert.
4. Arbeitsfeld und Träger: Das Kapitel beschreibt das konkrete Beispiel der BBS X und die Rolle der Landesschulbehörde als öffentlicher Träger.
5. Berufspraxis: Dieser Hauptteil erläutert die verschiedenen Methoden der Schulsozialarbeit, von der Einzelfallhilfe bis zur Netzwerkarbeit, anhand praktischer Beispiele.
6. Reflexion und Resümee: Das Abschlusskapitel reflektiert das Verhältnis von Theorie und Praxis in der Schulsozialarbeit und zieht ein Fazit über die notwendige Verbesserung der Kooperation mit der Jugendhilfe.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Berufsbildende Schule, Berufsvorbereitungsjahr, Einzelfallhilfe, Soziale Kompetenz, Kooperation, Schulpflicht, Krisenintervention, Sozialpädagogik, Prävention, Netzwerkarbeit, Schulverweigerung, Jugendsozialarbeit, Bildungsschicksal.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Tätigkeit und die strukturelle Einbettung der Schulsozialarbeit in das System der berufsbildenden Schulen in Niedersachsen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der Schulsozialarbeit, ihre methodischen Ansätze, die rechtlichen Grundlagen und die praktische Umsetzung der Unterstützung bei Schülern mit psychosozialen Belastungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Rolle der Schulsozialarbeit im Spannungsfeld zwischen Schule und Jugendhilfe zu beleuchten und aufzuzeigen, wie sozialpädagogische Interventionen den Schulerfolg und die Persönlichkeitsentwicklung fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich primär um eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur, ergänzt durch Praxisberichte und Fallbeispiele aus der Schulsozialarbeit an berufsbildenden Schulen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Methoden (Einzelfallhilfe, Gruppentraining, Hausbesuche) sowie die konkrete Vernetzung der Schulsozialarbeit mit anderen sozialen Einrichtungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), soziale Kompetenz, Prävention und Fallarbeit.
Wie unterscheidet sich die Arbeit des Schulsozialarbeiters von der des Lehrers im BVJ?
Während Lehrkräfte primär Bildungs- und Bewertungsaufträge verfolgen, ist der Schulsozialarbeiter dem Prinzip der Freiwilligkeit verpflichtet und agiert als Anwalt des Schülers mit ganzheitlichem Blick auf dessen Lebenssituation.
Warum ist eine verbesserte gesetzliche Verankerung der Jugendhilfe im NSchG notwendig?
Die Arbeit postuliert, dass ohne eine klare rechtliche Stärkung der Position der Jugendhilfe im Schulgesetz die Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe oft ineffizient bleibt und an unklaren Zuständigkeiten scheitert.
- Arbeit zitieren
- Heike Meyer (Autor:in), 2010, Sozialarbeit an berufsbildenden Schulen in Niedersachsen. Gesamtstruktur, Arbeitsfeld und Berufspraxis, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166685