Ausnahmezustand – der Titel des 1998 gedrehten Films über Terroranschläge in New York von Edward Zwick. Ausnahmezustand – Nach 9/11 ein häufig verwendeter Begriff um die Situation nach den Anschlägen zu beschreiben. Mit diesem Begriff wird die Meinung ausgedrückt, dass es nie wieder so sein wird wie vor den Anschlägen auf die symbolträchtigen Twin Towers des World Trade Centers.
Aber nicht nur die Darstellung der Anschläge im Film, sondern vor allem die Bekämpfung des Terrorismus haben mich wieder auf den Film aufmerksam werden lassen. Der Titel bezieht sich auf die Ausrufung des Ausnahmezustand durch den Präsidenten und als Folge dessen den Aufmarsch von Militär in New York zur Bekämpfung der Terroristen. Nach dem 9/11 wurde zwar kein Militär zur Terrorismusbekämpfung innerhalb der USA eingesetzt – sehr wohl aber im Ausland. Eine weitere Parallele ist in dem „Patriot Act“ zu sehen, welcher von der US-Regierung zur Terrorbekämpfung beschlossen wurde und unter anderem die systematische Verdächtigung junger Araber beinhaltet, genau wie im Film, wo ebenfalls systematisch alle jungen Araber „überprüft“ werden. Ein menschenrechtlicher Ausnahmezustand?
Aufgrund dessen untersuche ich in dieser Hausarbeit die Darstellung des Terrorismus im amerikanischen Polit-Thriller. Neben der Analyse der Darstellung der Terroristen und der Reaktion seitens des Staates (in Form von FBI, CIA und Militär) wird ein weiterer wichtiger Aspekt die Rolle der Medien im Film, vor allem des Fernsehens in der Darstellung des Films sein.
Zu Beginn werde ich die Mittel, welche ich für die Analyse des Films verwendet habe, kurz vorstellen. Diese werde ich dann an wichtigen Szenen des Films anwenden um oben genannte Aspekte genauer untersuchen zu können.
Ein kurzer Bezug zum historischen Entstehungskontext wird ebenfalls gegeben werden.
Am Ende der Analyse stehen Einsichten in die Darstellung von islamischen Terrorismus und dessen Bekämpfung im populären Hollywood Polit-Thriller. Denn auch wenn der Film bereits 9 Jahre alt ist, hat die behandelte Thematik in einer Zeit, in der Folterungen im Rahmen der Terrorismusbekämpfung geschehen und sogar die Diskussion diese zu legalisieren stattfindet, an Brisanz und Aktualität gewonnen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Die filmischen Analysemittel
2.1. Montage
2.2. Dramaturgie
2.3. Der Ton im Spielfilm
3. Der Film
3.1 Inhaltsangabe
3.2 Entstehungskontext
4. Analyse
4.1. Die Darstellung der Terroristen
4.2. Terrorismusbekämpfung und Rechtsstaatlichkeitskonflikt
4.3. Die Rolle der Medien im Film
5. Die Darstellung des Terrorismus – Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die filmische Darstellung von Terrorismus und dessen Bekämpfung im amerikanischen Polit-Thriller „Ausnahmezustand“ von Edward Zwick. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Terroristenfiguren, der staatlichen Reaktion sowie der maßgeblichen Rolle der Medien bei der Vermittlung von Bedrohungsszenarien und der Rechtfertigung politischer Maßnahmen.
- Analyse der narrativen und filmischen Mittel (Montage, Dramaturgie, Ton) zur Erzeugung von Realismus.
- Untersuchung der Darstellung arabischer Terroristen und der Wahrung ethnischer Stereotype.
- Kontrastierung des Rechtsstaatsprinzips mit exzessiven staatlichen Maßnahmen im Namen der Sicherheit.
- Evaluierung des Einflusses der Medien auf die öffentliche Wahrnehmung und die politische Stimmung im Film.
Auszug aus dem Buch
4.2 Terrorismusbekämpfung und Rechtstaatlichkeitskonflikt
Im Film kämpfen drei amerikanische Institutionen gegen den Terrorismus. Das FBI, vertreten durch Anthony Hubbart, die CIA in Person von Sharon Bridga und die US-Army mit General Devereaux.
Sharon Bridga oder auch Elise Kraft stellt eine Figur dar, die Vogler „Gestaltwandler“ nennt. „...deren Funktion[...] wechselt: der als „Helfer“ getarnte „Opponent“ oder umgekehrt[...], bzw. der „Opponent“ der zum „Helfer“ wird...“(Kühnel 2004, 158). Anfangs arbeitet sie gegen Hubbart und wird von diesem schließlich festgenommen [0:17]. Später sieht es so aus, als arbeiten sie zusammen, da sie mit Samir die einzige Quelle im Umfeld der Terroristen hat. Jedoch stellt sich heraus, dass sie immer noch nicht alles erzählt hat was sie weiß. Bei der Sitzung im weißen Haus wird bekannt, dass sie Hubbart noch nicht einmal ihren richtigen Namen verraten hat [1:02].
Im Film ist sie die einzige Repräsentantin des CIA. Generell wird die CIA im Film negativ dargestellt. Sie operiert illegal im Inland, behindert Untersuchungen des FBI und schlussendlich ist sie auch dafür verantwortlich, dass durch Sharon die Terroristen in die USA einreisen konnten. Bezeichnend sind Aussagen von Hubbart und Devereaux über die CIA. Hubbart sagt zu Sharon: „Tut mir leid das der kalte Krieg vorbei ist und ihr Master of the Universe Typen vom CIA nicht mehr gefragt seit“ [0:45]. Und in einem Gespräch mit Hubbard erwähnt Devereaux „die CIA wusste nicht, dass die Berliner Mauer zusammenbricht, bis ihr Steine auf den Kopf gefallen sind“ [0:43]. Der Konflikt zwischen CIA und FBI, sowie die generelle Kritik seitens der Politik an der CIA in den 90er Jahren werden hier dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Motivation für die Filmanalyse unter Bezugnahme auf aktuelle politische Diskurse um Menschenrechte und Terrorismusbekämpfung.
2. Die filmischen Analysemittel: Theoretische Einführung in die filmwissenschaftliche Analyse von Montage, Dramaturgie und Tongestaltung im Kontext des Hollywood-Kinos.
3. Der Film: Präsentation der Handlung des Films „Ausnahmezustand“ sowie Einordnung des historischen und gesellschaftlichen Entstehungskontexts.
4. Analyse: Detaillierte Untersuchung der Darstellung von Terroristen, des Konflikts zwischen staatlicher Terrorbekämpfung und Rechtsstaatlichkeit sowie der medialen Vermittlung.
5. Die Darstellung des Terrorismus – Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit der filmischen Darstellung und der bleibenden Relevanz der behandelten Thematik.
Schlüsselwörter
Ausnahmezustand, Edward Zwick, Terrorismus, Polit-Thriller, Filmanalyse, Montage, Dramaturgie, Rechtsstaatlichkeit, CIA, FBI, US-Army, Medienwirkung, Menschenrechte, Hollywood, Islamischer Terrorismus.
Hufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den amerikanischen Polit-Thriller „Ausnahmezustand“ von 1998 im Hinblick darauf, wie Terrorismus, die staatliche Reaktion darauf und die Rolle der Medien innerhalb des Films dargestellt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der filmischen Inszenierung von Terroristen, dem Konflikt zwischen notwendiger Terrorbekämpfung und dem Erhalt rechtsstaatlicher Prinzipien sowie der kritischen Funktion der Medien im Film.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Einsichten in die Darstellung von islamischem Terrorismus und dessen Bekämpfung im populären Hollywood-Kino zu gewinnen und zu prüfen, inwieweit der Film aktuelle ethische Fragen widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, wobei theoretische Ansätze zur Film- und Fernsehanalyse (u.a. Hicketier, Kühnel) angewandt werden, um spezifische Szenen und Montagetechniken zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Analysemittel, die Zusammenfassung der Filmhandlung, die Analyse der Terroristen-Darstellung, den Konflikt zwischen den US-Sicherheitsinstitutionen und die Rolle der Medien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Ausnahmezustand, Filmanalyse, Rechtsstaatlichkeit, Terrorbekämpfung, Medienwirkung und das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit.
Inwiefern spielt der „Gestaltwandler“-Begriff eine Rolle?
Der Autor nutzt Christopher Voglers Modell des „Gestaltwandlers“, um die ambivalente Rolle der CIA-Agentin Elise Kraft sowie des Generals Devereaux zu beschreiben, deren Funktionen im Film zwischen „Helfer“ und „Gegenspieler“ wechseln.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Filmkritik?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Film zwar einerseits vor einem Militäreinsatz im Inneren warnt, jedoch eine tiefergehende, generelle Kritik an militärischen Methoden durch die Fokussierung auf einzelne „böse“ Akteure wie General Devereaux teilweise vermissen lässt.
- Arbeit zitieren
- Wolfgang Woeste (Autor:in), 2007, Die Darstellung des Terrorismus im amerikanischen Polit-Thriller am Beispiel von "Ausnahmezustand", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166253