Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit einem, in jeder Hinsicht herausragenden, österreichischen Schriftsteller der Wiener Moderne - Hugo von Hofmannsthal. Unsere Vorgehensweise hierbei ist es, zunächst kurz auf Hofmannsthals Biographie in Bezugnahme auf seine aristokratisch-snobistische Haltung und sein prekäres Verhältnis zum Judentum einzugehen. Daran anschließend soll dessen (Sprach-) Krise von 1902, unter eingehender Betrachtung des Chandos-Briefs, analysiert, sowie eine Dramenauswahl vor dem Hintergrund der Wiener Moderne umfassend dargelegt werden. Vor unserer Abschlussbetrachtung werden wir noch einen Blick auf Stefan George und Richard Strauss werfen, welche das Leben und Wirken des Dichters maßgeblich mit geprägt haben. Für das Verfassen dieser Arbeit haben wir uns überwiegend auf Ulrich Weinzierls „Hofmannsthal – Skizzen zu einem Bild“ von 2005 gestützt, da in dieser Biographie auch kritisch und unbeschönigt über Hofmannsthal referiert und durch ein Konglomerat von Zitaten eine gute Gesamtübersicht geliefert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Aristokrat Hugo von Hofmannsthal
3. Hofmannsthals Verhältnis zum Judentum
4. Krise und Sprachskepsis am Beispiel „ein Brief“
5. Das Werk Hofmannsthals vor dem Hintergrund der Wiener Moderne
6. Hofmannsthals Weggefährten
6.1 Stefan George
6.2 Richard Strauss
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die facettenreiche Persönlichkeit und das literarische Wirken Hugo von Hofmannsthals im Kontext der Wiener Moderne. Dabei wird analysiert, wie seine aristokratische Selbstsicht, sein problematisches Verhältnis zu seiner jüdischen Herkunft und die Krise von 1902 sein Schaffen maßgeblich beeinflussten und zu einer poetologischen Neuausrichtung führten.
- Hofmannsthals aristokratische Identität und militärische Laufbahn
- Das ambivalente Verhältnis zur eigenen jüdischen Herkunft
- Die Sprachkrise von 1902 und der „Chandos-Brief“ als Wendepunkt
- Entwicklung und Wandel im dramatischen Werk (von „Gestern“ bis „Der Turm“)
- Einfluss prägender Weggefährten wie Stefan George und Richard Strauss
Auszug aus dem Buch
4. Krise und Sprachskepsis am Beispiel „ein Brief“
Im August 1902 verfasst Hugo von Hofmannsthal ein Prosa-Stück, welches am 18./19. Okt. 1902 in der Berliner Tageszeitung Der Tag unter dem einfachen Namen Ein Brief erschien. Hofmannsthal drückt hierin zum ersten Mal ausführlich die für die moderne Literatur charakteristische Sprachskepsis aus.
Der fiktive Absender des Briefes, welcher auf den 22. August 1603 datiert ist, ist Philip Lord Chandos, ein junger Dichter, der das Einstellen seiner literarischen Tätigkeit begründet. Der Brief ist eine Antwort auf die – ebenfalls fiktive – Nachfrage des englischen Philosophen und Empirikers Francis Bacon (1561-1626), bezüglich Chandos’ Vorankommens in der Literatur. Gemeinhin wird der Chandos-Brief in einschlägiger Forschungsliteratur in drei Phasen unterteilt. In der ersten Phase erinnert sich Lord Chandos an seine literarisch produktive Zeit. Er war ein hochbegabter junger Dichter und fand große Anerkennung für seine literarischen Arbeiten, mit denen er sich in Gänze identifizierte. Es ist die Phase seines frühen Schaffensrausches, in der er seinen Worten noch vertraut, da sie ihn Wirklichkeit erschließende Kraft besitzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Autors Hugo von Hofmannsthal als zentrale Figur der Wiener Moderne und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise sowie der verwendeten Literaturquelle.
2. Der Aristokrat Hugo von Hofmannsthal: Analyse der aristokratischen Selbstwahrnehmung des Dichters, seiner sozialen Kontakte und seiner militärischen Ambitionen unter Berücksichtigung zeitgenössischer Einschätzungen.
3. Hofmannsthals Verhältnis zum Judentum: Untersuchung des komplexen und widersprüchlichen Verhältnisses Hofmannsthals zu seinen jüdischen Wurzeln sowie seine bewusste Distanzierung und antisemitischen Äußerungen.
4. Krise und Sprachskepsis am Beispiel „ein Brief“: Detaillierte Betrachtung des literarischen Wendepunkts von 1902, bei dem Hofmannsthal durch den „Chandos-Brief“ die Krise des Sprachvermögens thematisiert.
5. Das Werk Hofmannsthals vor dem Hintergrund der Wiener Moderne: Vergleich verschiedener Schaffensphasen und Darstellung der poetologischen Entwicklung vom frühen lyrischen Drama hin zur späteren Prosa und Dramatik.
6. Hofmannsthals Weggefährten: Fokus auf die prägenden Beziehungen zu Stefan George und Richard Strauss und deren Bedeutung für Hofmannsthals künstlerische Entwicklung.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Identitätskrise Hofmannsthals und deren entscheidender Rolle für seine künstlerische Transformation als moderner Schriftsteller.
Schlüsselwörter
Hugo von Hofmannsthal, Wiener Moderne, Sprachskepsis, Chandos-Brief, Aristokratie, Judentum, Identitätskrise, Literaturgeschichte, Stefan George, Richard Strauss, Dramatik, Ästhetizismus, Poetologie, Selbstbild, österreichische Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich dem Leben und literarischen Schaffen des österreichischen Dichters Hugo von Hofmannsthal im Kontext der Wiener Moderne.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit beleuchtet die aristokratische Haltung des Dichters, seine ambivalente Haltung zur jüdischen Herkunft, die Sprachkrise um 1902 sowie seinen Wandel vom Lyriker zum Dramatiker.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hofmannsthals persönliche Identitätskrisen als Katalysatoren für seinen literarischen Wandel und seine künstlerische Reife fungierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine biografisch-literaturwissenschaftliche Untersuchung durchgeführt, die sich primär auf die Analyse von Briefen, Dramen und zeitgenössischer Sekundärliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Hofmannsthals Verhältnis zu seinem sozialen Status und seinem jüdischen Hintergrund, untersucht den „Chandos-Brief“ als Wendepunkt und beleuchtet die Einflüsse von George und Strauss.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wiener Moderne, Sprachskepsis, Identitätskrise und die wechselvolle künstlerische Entwicklung Hofmannsthals beschreiben.
Wie unterscheidet sich Lord Chandos von Hofmannsthal laut der Arbeit?
Während Lord Chandos seine schriftstellerische Tätigkeit nach der Sprachkrise vollständig aufgibt, konnte Hofmannsthal seine Krise als Wendepunkt für ein neues, reiferes künstlerisches Schaffen nutzen.
Warum war Hofmannsthals Verhältnis zum Judentum so prekär?
Aufgrund seines Stammbaums wurde er oft mit dem Judentum identifiziert, obwohl er sich selbst aktiv davon distanzierte und in seinem Denken sowie Wirken antisemitische Tendenzen zeigte.
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- Sarah Böhme (Author), 2009, Hugo von Hofmannsthal - Eine kurze Biographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166243