Ausgangspunkt der Betrachtungsweise ist das Aufeinandertreffen verschiedener soziokultureller Systeme, bzw. verschiedener Kulturen. (Vgl. Luger 1994: 32)
Wenn sich Studierende dazu entschließen einen Teil ihrer Studienzeit im Ausland zu verbringen, ist das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, bzw. soziokultureller Systeme vorprogrammiert. Viele tausende Studierende nützen die Chance im Rahmen des vielleicht bekanntesten und auch bei Studierenden sehr beliebten europäischen Bildungsprogramms ERASMUS ein oder zwei Semester im europäischen Ausland zu leben und zu studieren. Jene Studierenden treffen auf verschiedenste soziokulturelle Systeme, bzw. Kulturen und erfahren, was es bedeutet in einer fremden Lebenswelt einige Zeit zu leben.
Das Bildungsprogramm ERASMUS ist ein Teil des Aktionsprogrammes „Lebenslanges Lernen“, mit dem sowohl die Mobilität als auch die Bildung der Studierenden von der Europäischen Union gefördert wird. Auch an der Universität Salzburg konnten im Studienjahr 2008/2009 etliche Studierende die Chance ergreifen einen Teil ihres Studiums im Ausland zu absolvieren. Da es sich ursprünglich um einen Studienaustausch handelt, wurde auch zahlreichen europäischen StudentInnen ermöglicht einen Teil ihres Studiums in Salzburg zu absolvieren.
Wir leben in einer Zeit der Globalisierung, wo interkulturelle bzw. transkulturelle Kommunikation immer mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Die Ausbreitung und Entwicklung internationaler Unternehmen bringt eine zunehmende Interaktion zwischen Menschen verschiedener Kulturen mit sich. Das bedeutet, dass Menschen nun mit unterschiedlichen Kommunikationsformen direkt konfrontiert werden. Somit tritt das Thema der interkulturellen bzw. transkulturellen Kommunikation in den Vordergrund, um effektiv mit Personen aus verschiedenen Kulturkreisen kommunizieren zu können. Um Kommunikation zwischen Personen verschiedener Kulturen herzustellen, müssen erstmals verschiedenste Barrieren bewusst gemacht werden, wie beispielsweise Stereotypen, nonverbale Missverständnisse oder Übersetzungsschwierigkeiten.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich besonders auf jene Probleme und Schwierigkeiten konzentrieren, die bei der Kommunikation von Personen, die unterschiedlichen Kulturen angehören, auftreten. Effektive Kommunikation kann nur dann erfolgen, wenn sich die Kommunikationspartner dessen bewusst sind und jene Missverständnisse und Verständnisprobleme soweit wie möglich reduziert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Heranführung an das Thema
1.2. Relevanz des Themas
1.3. Vorüberlegungen
1.4. Gliederung der Arbeit
1.5. Leitende Fragen und Forschungsziel
2. Bildungsmigration und die Mobilitätsprogramme der EU
2.1. Personenaustausch
2.1.1. Auslandsreisen und Bildungsprogramme als interkultureller Austausch
2.1.2. Defizite des Austausches im Allgemeinen
2.2. Rahmendaten der europäischen Bildungspolitik
2.3. Überblick der wichtigsten europäischen Bildungsprogramme
2.3.1. Comenius
2.3.2. Erasmus
2.3.3. Leonardo da Vinci
2.3.4. Grundvig
2.4. Das Programm Erasmus
2.5. Rahmendaten der Österreichischen Hochschulen und deren Studierenden im Bezug auf die Teilnahme am Erasmus-Programm
2.6. Die Universität Salzburg und Erasmus
3. Begriffsklärungen und Einbettung von Kultur in das Feld der interkulturellen bzw. transkulturellen Kommunikation
3.1. Kultur
3.1.1. Kulturmodelle
3.1.2. Kulturdefinition für das Feld der Kommunikationswissenschaft
3.1.3. Warum Kulturen sich unterscheiden
3.1.4. Kulturdistanzen und Verstehen fremder Kulturen
3.2. Kommunikation
3.2.1. Kommunikationsbegriff
3.2.2. Kommunikation als Element von Kultur
3.3. Formen der Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen
3.3.1. Interkulturelle Kommunikation
3.3.2. Transkulturelle Kommunikation
3.3.3. Internationale Kommunikation
4. Verbindungen und Schnittstellen interpersoneller und interkultureller/transkultureller Kommunikation
4.1. Dimensionen kultureller Variabilität von Hofstede
4.1.1. Individualismus versus Kollektivismus
4.1.2. Maskulinität versus Femininität
4.1.3. Machtdistanz
4.1.4. Unsicherheitsvermeidung
4.1.5. Langfristige Orientierung versus Kurzfristige Orientierung
4.1.6. Die Bedeutung von Hofstedes Dimensionen kultureller Variabilität für den Vergleich ausgewählter Länder Europas
4.2. Kontextgebundene versus kontextungebundene Kultur
4.3. Organisationsmodell für das Studium von Kommunikation mit Fremden
4.3.1. Kodieren/ Dekodieren von Nachrichten
4.3.2. Kulturelle, soziokulturelle, psychokulturelle und Umwelteinflüsse
4.3.3. Kulturelle Strukturmerkmale
4.3.4. Der Besucher in einer fremden Kultur
4.4. Die offene Dimension
4.4.1. Sprache, Kultur und Kommunikation
4.4.2. Dialekte bzw. österreichisches Deutsch
4.4.3. Sprache und Übersetzung in einem interkulturellen/transkulturellen Kontext
4.4.4. Kommunikationsbarrieren und Missverständnisse
4.5. Die versteckte Dimension von Kultur
4.5.1. Proxemik
4.5.2. Kinesik
4.5.3. Chronemik
4.5.4. Haptik
4.5.5. Stille
4.5.6. Parasprache
4.5.7. Kleider- und Körpererscheinung
4.5.8. Olfaktik
5. Methode
5.1. Definition und Erhebungsmethode
5.2. Das Leitfadeninterview
5.3. Stichprobe und Durchführung der Leitfadeninterviews
5.4. Themenbereiche des Leitfadens
5.4.1. Allgemeine Angaben und Motive bzw. Ziele für den Auslandsaufenthalt in Salzburg
5.4.2. Ankunft, Wohnsituation in Salzburg und Sprachkenntnisse
5.4.3. Soziale Kontakte und interpersonelle Beziehungen
5.4.4. Sprache, Kultur und Kommunikation in einem interkulturellen bzw. transkulturellen Kontext
5.4.5. Österreich-Bild, Stereotypen und nichtverbale Kommunikation der Österreicher
5.5. Datenaufbereitung der Leitfadeninterviews
6. Auswertung und Analyse der Ergebnisse
6.1. Motive und Ziele für den Auslandsaufenthalt in Salzburg
6.2. Wohnsituation in Salzburg und Sprachkenntnisse
6.2.1. Wohnsituation
6.2.2. Sprache in der interkulturellen bzw. transkulturellen Kommunikation
6.3. Soziale Kontakte und interpersonelle Beziehungen
6.4. Kultur und Kommunikation in einem interkulturellen bzw. transkulturellen Kontext
6.4.1. Kommunikationsbarrieren und Probleme
6.4.2. Missverständnisse und interkulturelle Erfahrungen
6.5. Österreich-Bild und nonverbale Kommunikation der Österreicher
6.5.1. Österreichische Stereotype
6.5.2. Nonverbale Kommunikation
7. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
7.1. Allgemeine Zusammenfassung
7.2. Zusammenfassung der Ergebnisse
7.3. Beantwortung der Forschungsfrage und Fazit
8. Anhang
8.1. Literaturverzeichnis
8.2. Soziales Profil der befragten Erasmusstudierenden in Salzburg
8.3. Leitfaden
8.3.1. Leitfaden (deutsch)
8.3.2. Leitfaden (englisch)
8.3.3. Leitfaden (spanisch)
Zielsetzung & Themen
Die Magisterarbeit befasst sich mit den Kommunikationsproblemen und Missverständnissen, die bei Erasmusstudierenden an der Universität Salzburg im interkulturellen und transkulturellen Kontext auftreten. Ziel ist es, diese Herausforderungen im Alltag zu identifizieren, zu analysieren und mögliche Lösungsansätze für zukünftige Interaktionen aufzuzeigen.
- Interpersonelle und interkulturelle Kommunikation im universitären Austausch
- Die Bedeutung von Bildungsmigration und EU-Mobilitätsprogrammen
- Empirische Analyse mittels qualitativer Leitfadeninterviews
- Kulturelle Strukturmerkmale und Dimensionen kultureller Variabilität (Hofstede)
- Einfluss von Sprache, Dialekt und nonverbaler Kommunikation auf Missverständnisse
Auszug aus dem Buch
1.1. Heranführung an das Thema
Die Universität Salzburg ermöglichte es mir zwei interessante Studiensemester in Spanien zu verbringen und ich erfuhr, was es heißt eine Austauschstudentin zu sein. Das war der Punkt, an dem ich angefangen habe mich für verschiedene Kulturen zu interessieren. Für mich war nach diesem Auslandsaufenthalt klar, dass ich etwas mit diesen besonderen Erfahrungen anfangen musste, um die Zeit nicht nur als schöne Reise in Erinnerung zu behalten.
An verschiedenen Ländern, dem Reisen und Menschen unterschiedlicher Kulturen war ich seit jeher interessiert. Ich erkannte, dass sich Fremdsprachen am besten im jeweiligen Land erlernen ließen und realisierte, dass es nicht genug war, die Landessprache zu sprechen, um die Menschen und deren Kultur zu verstehen.
In meiner Abschlussarbeit konzentriere ich mich auf Probleme, Schwierigkeiten und Missverständnisse bei effektiver Kommunikation von Personen verschiedener Kulturen. Erasmusstudierende in Salzburg sollen zu diesem Thema mittels Befragung analysiert werden. Mehr Komponenten als nur die verschiedenen Landessprachen tragen dazu bei, eine Verständigung zwischen Personen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen zu erzeugen, welche von mir aufgezeigt und diskutiert werden sollen.
Viele Menschen gehen davon aus, dass der Grund für Missverständnisse bei Kommunikationspartnern, die unterschiedlichen Kulturen angehören, in der nicht ausreichenden Sprachkompetenz des Gegenübers liegt. Jedoch ist linguistisches Wissen nicht genug, um eine effektive Kommunikation zwischen Menschen herzustellen. Missverständnisse entstehen oftmals dadurch, dass Normen und Regeln, welche die Kommunikation einer bestimmten Menschengruppe ausmachen, vom Kommunikationspartner nicht verstanden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der interkulturellen Kommunikation ein, erläutert die Relevanz des Themas im Kontext von Austauschstudierenden und definiert die zentrale Forschungsfrage.
2. Bildungsmigration und die Mobilitätsprogramme der EU: Hier werden die Grundlagen der europäischen Bildungspolitik und die Mobilitätsprogramme, insbesondere Erasmus, dargestellt, um den Kontext der untersuchten Zielgruppe zu klären.
3. Begriffsklärungen und Einbettung von Kultur in das Feld der interkulturellen bzw. transkulturellen Kommunikation: Das Kapitel bietet eine theoretische Fundierung durch die Definition von Schlüsselbegriffen wie Kultur und Kommunikation sowie die Einordnung der verschiedenen Kommunikationsformen.
4. Verbindungen und Schnittstellen interpersoneller und interkultureller/transkultureller Kommunikation: Dieser Hauptteil analysiert die theoretischen Schnittstellen, erläutert Dimensionen kultureller Variabilität und beleuchtet Einflussfaktoren auf Kommunikationsprozesse.
5. Methode: Hier wird der methodische Ansatz der empirischen Sozialforschung beschrieben, insbesondere die Durchführung der Leitfadeninterviews mit Erasmusstudierenden.
6. Auswertung und Analyse der Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Befunde zu Motiven, Wohnsituation, Sprachkenntnissen und den in der Praxis aufgetretenen Kommunikationsproblemen der Studierenden.
7. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Zum Abschluss werden die Ergebnisse reflektiert, die Forschungsfrage beantwortet und ein Ausblick auf die Bedeutung der Resultate gegeben.
8. Anhang: Der Anhang enthält das Literaturverzeichnis, das soziale Profil der Interviewpartner sowie die verwendeten Interviewleitfäden in verschiedenen Sprachen.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Transkulturelle Kommunikation, Erasmusstudierende, Universität Salzburg, Kommunikation, Kultur, Missverständnisse, Interpersonelle Beziehungen, Mobilitätsprogramme, Hofstede, Sprachbarrieren, Nonverbale Kommunikation, Ethnographie, Empirische Sozialforschung, Bildungsmigration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Kommunikationsprobleme und Missverständnisse bei Erasmusstudierenden während ihres Aufenthalts in Salzburg auftreten, wenn sie mit Menschen anderer kultureller Hintergründe interagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind interkulturelle und transkulturelle Kommunikation, kulturelle Unterschiede in sozialen Interaktionen, die Rolle der Sprache und Dialekte sowie der Einfluss von kulturellen Werten und Normen auf den Kommunikationserfolg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Kommunikationsbarrieren von Erasmusstudierenden aufzuzeigen und zu analysieren. Die Forschungsfrage lautet: „Welche Kommunikationsprobleme und Missverständnisse treten bei der interpersonellen Kommunikation zwischen Kommunikationspartnern unterschiedlicher Kulturen auf?“
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es wird eine empirische Methode angewandt, konkret handelt es sich um qualitative Leitfadeninterviews mit 19 Erasmusstudierenden, die zum Zeitpunkt der Erhebung in Salzburg studierten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Einbettung von Kultur und Kommunikation, analysiert Dimensionen kultureller Variabilität nach Hofstede und untersucht die Rolle von Kontextabhängigkeit und nonverbaler Kommunikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind interkulturelle Kommunikation, Erasmusstudierende, Kommunikationsbarrieren, kulturelle Identität, Sprachkenntnisse, Stereotype und soziale Netzwerke.
Wie gehen die Erasmusstudierenden mit dem Salzburger Dialekt um?
Der Dialekt wird von den meisten befragten Studierenden als größte Kommunikationsbarriere wahrgenommen. Die Schwierigkeit liegt darin, dass Studierende mit meist nur mäßigen Deutschkenntnissen im Alltag auf regionale Sprachvarianten treffen, die sie oft nicht verstehen.
Gibt es einen Unterschied zwischen der Planung und der Realität der sozialen Kontakte?
Ja, die Ergebnisse zeigen, dass sich Freundschaftsformationen oft anders entwickelten als geplant. Viele Studierende fanden ihre Kontakte primär innerhalb der Erasmus-Gruppe, da diese eine starke soziale und emotionale Stütze bietet, was den Kontakt zu einheimischen Österreichern manchmal erschwerte.
Inwieweit beeinflusst die Wohnsituation die Kommunikation?
Die Wohnsituation im Studentenheim wurde als ausschlaggebend für die Häufigkeit sozialer Kontakte genannt. Das Zusammenleben mit anderen Studierenden erleichtert soziale Interaktionen enorm, was die Integration in die Erasmus-Gruppe fördert, aber manchmal die Konfrontation mit der einheimischen Kultur minimiert.
- Arbeit zitieren
- Katharina Rinnerthaler (Autor:in), 2010, Interpersonelle Kommunikation im interkulturellen bzw. transkulturellen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166222