Essstörungen sind inzwischen zum epidemischen Problem geworden. Der Anteil der Menschen, die von einer Essstörung betroffen sind, scheint kontinuierlich zu wachsen, und zwar sowohl quantitativ – wie viele von Essstörungen betroffen sind – als auch hinsichtlich der Positionierung im Leben – wie auch hinsichtlich der Chronifizierung der Störung.
Der Mediziner Zipfel zitiert in seiner Studie zu den biopsychosozialen Aspekten der Anorexia Nervosa folgende Ergebnisse einer Forsa-Studie: „Jede zweite Frau zwischen 20 und 60 möchte weniger wiegen. Jede zweite Frau hat bereits eine längerfristige Diät gemacht.
Für 47% der Frauen gibt es „verbotene Lebensmittel“. Jedes dritte Mädchen unter 10 und 60% der 15jährigen haben schon Diäterfahrung.“ (Zipfel, 2003: 3) Das epidemische Auftreten von Essstörungen verlangt damit ein Ausmaß gesellschaftlicher, professioneller wie sozial-individueller Fürsorge, um das Leiden der Betroffenen und Mitbetroffenen zu lindern bzw. überhaupt zu verhindern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jugendalter - Konstruktion einer Lebensphase
2.1. Definition Jugendalter
2.2. Historische Entwicklung der Jugend
2.3. Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
2.4. Familie
3. Magersucht - eine Form der Essstörung
3.1. Definition
3.2. Physische Folgen
3.3. Epidemiologie
4. Erklärungsansätze für Essstörungen bzw. Magersucht
4.1. Grundlegende Struktur
4.2. Familiendynamische Ansätze
4.3. Soziokulturelle und gesellschaftliche Ansätze
4.4. Essstörungen und die Sucht nach Identität
5. (Psychosoziale) Möglichkeiten der Sozialen Arbeit
5.1. Prävention(smöglichkeiten)
5.2. Interventionsmöglichkeiten
5.3. Stabilisationsmöglichkeiten
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbreitung und Hintergründe von Essstörungen im Jugendalter. Dabei wird analysiert, inwiefern gesellschaftliche Konstruktionen der Jugendphase, familiäre Dynamiken und mediale Schlankheitsideale zur Entstehung von Essstörungen beitragen und welche spezifischen Möglichkeiten der Sozialen Arbeit bestehen, um betroffene Jugendliche zu unterstützen.
- Psychosoziale Rahmenbedingungen der Lebensphase Jugend
- Klinische Einordnung und physische Folgen der Magersucht
- Erklärungsmodelle aus systemischer und soziokultureller Sicht
- Rolle der Sozialen Arbeit in Prävention und Stabilisierung
- Geschlechtsspezifische Unterschiede im Umgang mit Belastungsfaktoren
Auszug aus dem Buch
3.1. Definition
Es werden drei Arten von Essstörungen unterschieden: Anorexia Nervosa (= „nervöse Appetitlosigkeit“, Magersucht), Bulimie (Essbrechsucht), und Adipositas (Esssucht). Auch eine vierte Essstörung fand ich, die zwar seit 10 Jahren diskutiert wird, aber noch keinen Eingang in den Katalog des DSM (ich komme gleich darauf zurück) gefunden hat: Orthorexia Nervosa, die Sucht, nur das vorgeblich Richtige zu essen. Die Definitionen für Essstörungen orientieren sich sowohl an phänotypisch erfassbaren Merkmalen, also wie dick oder dünn ein Mensch ist, bzw. quantifiziert am Body Mass Index (BMI), beziehungsweise bei Kindern zwischen 10 und 18 Jahren an den den BMI-Perzentilkurven. Erwachsene: Magersüchtige haben einen BMI von unter 17,5, Bulimische einen BMI zwischen 19 und 30, also eine sehr große Variation von „dicken“ oder „dünnen“ Körpern, Esssüchtige einen BMI über 30. Indikatoren für eine Essstörung im Sinne einer Anorexia Nervosa nach dem DSM-IV (Diagnostic and statistical Manual of Mental Disorders) sind: ein niedriges Körpergewicht (etwa 85% des zu erwartenden Gewichts laut BMI), große Angst vor einer Gewichtszunahme, Körperschemastörung im Sinne eines übertriebenen Einflusses des Körpergewichts auf das (aktuelle) Selbstwertgefühl und einem Verleugnen, krank zu sein), und dem nicht schwangerschaftsinduzierten Ausbleiben der Menstruationsblutung bzw. Potenzverlust bei Männern.
Weitere relevante Symptome sind etwa die Weigerung, Hilfe zu suchen bzw. sein Verhalten überhaupt als Problem zu sehen, die Betonung körperlicher Probleme vor psychischen, die Weigerung, sich wiegen und körperlich untersuchen zu lassen (eine Untersuchung gegen den Willen des Betroffenen ist natürlich ein unvorstellbar großer Eingriff in seine Privatsphäre), das Verhüllen des Körpers mit weiter Kleidung, und ein gesteigerter körperlicher Antrieb. Dabei werden zwei Typen der Magersucht, der restriktive und der binge-purging-Typ unterschieden, Menschen, die die Gewichtsreduktion rein durch Fasten erzielen, und andere, die darüber hinaus noch Maßnahmen zur Gewichtsreduktion wie die Anwendung abführender Mittel oder willentlich herbeigeführtes erbrechen, einsetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme von Essstörungen als epidemisches Problem und verweist auf die Relevanz des Themas im Jugendalter.
2. Jugendalter - Konstruktion einer Lebensphase: Dieses Kapitel definiert die Jugend als sozialhistorisch konstruierte Lebensphase, geprägt von spezifischen Entwicklungsaufgaben, Identitätssuche und familiären Strukturen.
3. Magersucht - eine Form der Essstörung: Hier werden die medizinische Definition, die Symptome und die physischen Auswirkungen der Magersucht sowie deren epidemiologische Verbreitung dargelegt.
4. Erklärungsansätze für Essstörungen bzw. Magersucht: Dieses Kapitel beleuchtet multifaktorielle Entstehungsursachen, von familiären Dynamiken über den gesellschaftlichen Leistungsdruck bis hin zu medialen Schönheitsidealen.
5. (Psychosoziale) Möglichkeiten der Sozialen Arbeit: Hier werden Handlungsfelder der Sozialen Arbeit in der Prävention, Intervention und der langfristigen Stabilisierung Erkrankter erörtert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit eines sensibleren öffentlichen Umgangs mit dem Thema sowie die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes zusammen.
Schlüsselwörter
Essstörungen, Magersucht, Anorexia Nervosa, Jugendalter, Soziale Arbeit, Prävention, Körperbild, Identitätsbildung, Familiendynamik, Schlankheitsideal, Gesundheitsverhalten, psychosoziale Belastung, Adoleszenz, Interventionsmöglichkeiten, Stabilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem epidemischen Auftreten von Essstörungen bei Jugendlichen und untersucht die Ursachen sowie die Möglichkeiten der professionellen sozialen Unterstützung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Entwicklung des Jugendalters, die klinische Beschreibung der Magersucht, soziokulturelle Einflussfaktoren und die Rolle der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Entstehungsfaktoren von Essstörungen zu schaffen und konkrete Ansätze für Prävention und Intervention in der Sozialen Arbeit aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit genutzt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller Studien, pädagogischer Modelle und medizinischer Fachliteratur zum Thema Essstörungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Lebensphase Jugend, eine klinische Einordnung der Anorexia Nervosa sowie eine Analyse gesellschaftlicher und familiärer Einflussfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Essstörungen, Jugendalter, Soziale Arbeit, Körperbild, Identität und Präventionsstrategien.
Warum wird die Familie als relevanter Faktor für die Entstehung von Essstörungen angesehen?
Die Arbeit analysiert, wie familiäre Strukturen, Autonomie-Nähe-Konflikte und hoher Erwartungsdruck das Entstehen von Essstörungen begünstigen können, ohne dabei die Schuldfrage zu forcieren.
Welche Bedeutung kommt dem Schlankheitsideal zu?
Das mediale Schlankheitsideal fungiert als gesellschaftlicher Verstärker, der Jugendlichen suggeriert, dass körperliche Disziplin mit Erfolg und Beliebtheit korreliert.
- Arbeit zitieren
- Dr. phil. Kathrin Kiss-Elder (Autor:in), 2008, Essstörungen im Jugendalter: Risikofaktoren und Diskussion, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165936