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Capabilities & primary goods

Das Problem des Bewertungsmaßstabes in den Gerechtigkeitstheorien von Amartya Sen und John Rawls

Title: Capabilities & primary goods

Thesis (M.A.) , 2010 , 91 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nando Hamker (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century

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Summary Excerpt Details

Die Arbeit konzentriert sich in ihren Untersuchungen insbesondere auf zwei Gerechtigkeitsansätze: den Capability Ansatz Amartya Sens und die Theorie der Gerechtigkeit John Rawls’. Dabei werden speziell die unterschiedlichen Bewertungsperspektiven der beiden Ansätze in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt und der Frage nachgegangen, mit Hilfe wessen Bewertungsmaßstabes sich Ungerechtigkeiten am besten erfassen lassen und welche Auswirkungen beziehungsweise Probleme bei der Verwendung des jeweiligen Bewertungsmaßstabes entstehen.
Die Arbeit bezieht sich größtenteils auf den Perspektivaspekt der Bewertungsmaßstäbe, d.h. auf die Frage: Aus welcher Bewertungsperspektive heraus die jeweiligen Ansätze Ungerechtigkeiten ermitteln und bewerten; und darauf aufbauend, was sich aus der jeweiligen Perspektivimplementierung für Konsequenzen hinsichtlich eines möglichen Kompensationsmodells ergeben.
Eine zentrale Rolle innerhalb der Perspektivdiskussion wird dabei die Frage nach dem Umgang mit menschlichen Diversitäten und im Speziellen, dem Umgang mit Behinderten einnehmen.
Diese Aspekt wird in der Wissenschaft bereits diskutiert, wobei die meisten Texte eindeutig Stellung beziehen entweder zu der Theorie der Gerechtigkeit Rawls’ oder zum Capability Ansatz. Häufig werden dabei speziell die Bewertungsmaßstäbe, auf der einen Seite den der Primärgüter und auf der anderen Seite der Bewertungsmaßstab der Verwirklichungschancen, als sich gegenseitig ausschließende Alternativen diskutiert. Dieses Vorgehen wird in Kapitel 4 und Kapitel 5 am Essay Pogges „Can The Capability Approach be Justified?“ demonstriert.
Die vorliegende Arbeit wird in ihren Betrachtungen in eine andere Richtung gehen, indem sie die Möglichkeiten untersucht, wie sich die jeweiligen Bewertungsmaßstäbe sowie weitere Theorieelemente sinnvoll ergänzen lassen. Es wird die These vertreten, dass der Bewertungsmaßstab der Primärgüter und die Perspektive der Verwirklichungschancen sich gegenseitig nicht ausschließen, sondern einander sogar bedingen.
Die Arbeit wird zu der Schlussfolgerung kommen, dass eine Metrik der Primärgüter im Sinne von Standardpaketen nicht ausreichend ist für einen gerechten Bewertungsmaßstab; eine alleinige Fokussierung auf Verwirklichungschancen aber genauso wenig hinreichend ist, um den vollen Umfang des Begriffs Gerechtigkeit bezüglich seiner Anwendung zu erfassen. Folglich wird in Kapitel 9 die Möglichkeit einer Ergänzung beider Ansätze behandelt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhalt und Thesen der Arbeit – Ein Überblick

3. Die Gerechtigkeitstheorie John Rawls’ und der Capability Ansatz

3.1 Rawls Theorie der Gerechtigkeit als Fairness

3.2 Der Rahmen der Theorie und die Grenzen des eigenen Gerechtigkeitsbegriffs

3.3 Der Rahmen bei John Rawls

3.4 Grundwerte und die zwei Gerechtigkeitsprinzipien

3.5 Der Urzustand und der Schleier des Nichtwissens

3.6 Der Bewertungsmaßstab und das Diversitätenproblem

3.7 Amartya Sen, The Idea of Justice & der Capability Ansatz

3.8 Capability Ansatz versus Theorie der Gerechtigkeit

4. Can The Capability Approach be Justified?

5. Extern bedingte Diversitäten

5.1 Distribution within the family: die Verteilung innerhalb der Familie

5.2 Differences in relational perspectives: Unterschiede in den Perspektiven von Personen in diversen Gesellschaftskreisen

5.3 Variations in social climate: der soziale Kontext in der sich eine Person befindet

5.4 Environmental diversities: Unterschiede im Lebensraum einer Person

6. Menschliche Diversitäten

6.1 Ex post Inklusion menschlicher Diversitäten

6.2 Horizontale versus vertikale Sichtweise und der reale Nachteil von Behinderungen

6.3 Angeborene Diversitäten

6.4 Pogges Inselbeispiel

6.5 Das Operationalisierungsproblem und die vermeintliche Notwendigkeit der Einfachheit

6.6 Die Frage der Notwendigkeit der Berücksichtigung individueller Parameter

7. Nussbaums Liste von grundlegenden Verwirklichungschancen und Sens Unterscheidung der Freiheit

8. Die Notwendigkeit einer komplexen Sensitivität des Bewertungsmaßstabes

9. Synthetischer Ansatz

10. Behinderungen in Deutschland

11. Abschließende Bemerkungen

12. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Bewertungsmaßstäben in den Gerechtigkeitstheorien von John Rawls und Amartya Sen. Ziel ist es, die angeblichen Widersprüche zwischen dem ressourcenorientierten Ansatz von Rawls und dem Capability Ansatz von Sen aufzulösen und eine theoretische Synthese zu erarbeiten, die eine praxisnahe, komplexe Gerechtigkeitsbewertung ermöglicht, welche insbesondere menschliche Diversitäten und Behinderungen adäquat berücksichtigt.

  • Vergleich und kritische Analyse der Bewertungsmaßstäbe von Rawls und Sen
  • Diskussion der Behandlung von menschlichen Diversitäten und Behinderten
  • Kritische Auseinandersetzung mit Thomas Pogges Gerechtigkeitsansätzen
  • Untersuchung von Möglichkeiten zur Komplementarität beider Theorien
  • Analyse von Fallbeispielen und Praxisanwendungen im deutschen Kontext

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Im Sommer 2010, in einer Bar in Berlin Kreuzberg, redete ich mit einem Vorarbeiter über das Anliegen moderner Gerechtigkeitsansätze. In unserem Gespräch wurden wir uns schnell darüber einig, dass besonders die Lebensumstände der Menschen in ärmeren Regionen der Welt ungerecht seien und demnach verbessert werden müssten. Als wir über die Bedeutung der diversen Gerechtigkeitstheorien im Rahmen westlicher Wohlstandsgesellschaften sprachen, kamen bei meinem Gesprächspartner Walter allerdings Zweifel auf, die er ungefähr wie folgt äußerte: „Wozu soll das alles überhaupt gut sein? Mir geht es doch blendend und mein Kumpel hier hat auch genug Peseten um seinen Bierkonsum zu decken und mit seiner Frau schick in den Urlaub zu fahren. Und wenn du sagst, die Benachteiligten sollten mehr gefördert werden oder einen Ausgleich für ihre schwere Lage erhalten – da ist auch schon der Imbissbudenmann drauf gekommen.“

In der Tat geht es in modernen Gerechtigkeitsansätzen zumeist nicht um die Frage, ob das Leisten gerechter Ausgleiche irgendeiner Art erstrebenswert sei – gewissermaßen ein Eingreifen oder Handeln (selbst wenn dieses vorerst nur in Form von Überlegungen stattfindet) erforderlich ist – sondern auf welchen theoretischen Grundlagen, das heißt aufgrund welcher Prinzipien und Bewertungsmaßstäbe den „Ungerechtigkeiten“ effektiv begegnet wird beziehungsweise diese im Vorhinein bereits abgewendet werden können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt anhand eines Alltagsbeispiels in die Thematik der Gerechtigkeitsdebatte ein und verdeutlicht die Relevanz theoretischer Bewertungsmaßstäbe für reale gesellschaftliche Fragen.

2. Inhalt und Thesen der Arbeit – Ein Überblick: Dieses Kapitel erläutert den Aufbau der Arbeit, setzt den positiven Wert des Strebens nach Gerechtigkeit voraus und präzisiert den Fokus auf den Vergleich der Ansätze von Sen und Rawls.

3. Die Gerechtigkeitstheorie John Rawls’ und der Capability Ansatz: Hier werden die zentralen Positionen von Rawls und Sen einführend gegenübergestellt, wobei insbesondere Rawls' Theorie der Gerechtigkeit als Fairness und Sens Capability Ansatz im Mittelpunkt stehen.

4. Can The Capability Approach be Justified?: Dieses Kapitel analysiert kritisch den Aufsatz von Thomas Pogge, der eine methodische Unterlegenheit des Capability Ansatzes gegenüber Rawls’ Ressourcen-Fokus behauptet.

5. Extern bedingte Diversitäten: Es werden verschiedene externe Einflüsse auf die Lebenssituation von Personen wie Familie, sozialer Kontext und Lebensraum analysiert, um die Reichweite der beiden Gerechtigkeitsansätze zu prüfen.

6. Menschliche Diversitäten: Das Kapitel fokussiert den Umgang mit Diversitäten, insbesondere den Umgang mit Behinderungen, und vergleicht die ex post Einbeziehung bei Rawls mit der direkten Inklusion bei Sen.

7. Nussbaums Liste von grundlegenden Verwirklichungschancen und Sens Unterscheidung der Freiheit: Die Arbeit diskutiert hier Martha Nussbaums Liste als Versuch einer Operationalisierung des Capability Ansatzes sowie Sens Unterscheidung zwischen Möglichkeits- und Prozessaspekt der Freiheit.

8. Die Notwendigkeit einer komplexen Sensitivität des Bewertungsmaßstabes: Hier wird argumentiert, dass eine reine Fokussierung auf Standardpakete oder allein auf Verwirklichungschancen unzureichend für eine komplexe Gerechtigkeitsbewertung ist.

9. Synthetischer Ansatz: Das Kapitel entwickelt die Idee einer Synthese der beiden Ansätze, um Widersprüche in sinnvolle Ergänzungen aufzulösen.

10. Behinderungen in Deutschland: Eine Probe am Exempel verknüpft die theoretischen Schlussfolgerungen mit der realen Lebenssituation von Behinderten in Deutschland unter Bezugnahme auf die UN-Behindertenrechtskonvention.

11. Abschließende Bemerkungen: Die Arbeit resümiert, dass sich Rawls’ Theorie und der Capability Ansatz nicht ausschließen, sondern in einem Synthetik-Ansatz fruchtbar ergänzen sollten.

Schlüsselwörter

Gerechtigkeitstheorie, John Rawls, Amartya Sen, Capability Ansatz, Bewertungsmaßstab, Primärgüter, Verwirklichungschancen, Soziale Gerechtigkeit, Behinderung, Inklusion, Diversität, Thomas Pogge, Martha Nussbaum, Kompensation, Politische Philosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Gerechtigkeitstheorien soziale Ungerechtigkeiten bewerten und welche Maßstäbe (Metriken) sie dafür heranziehen. Dabei werden insbesondere die Ansätze von John Rawls und Amartya Sen gegenübergestellt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Effektivität von Bewertungsmaßstäben, der Umgang mit individueller Vielfalt (Diversität), die Behandlung von Behinderten in der Gerechtigkeitstheorie und die Praktikabilität dieser Konzepte.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der ressourcenorientierte Ansatz von Rawls und der capability-basierte Ansatz von Sen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern sich durch einen synthetischen Ansatz sinnvoll ergänzen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Untersuchung und Analyse von Gerechtigkeitstheorien. Die Methode umfasst den kritischen Vergleich der Ansätze sowie eine Prüfung der Theorieelemente anhand praktischer Beispiele und externer Kritik (Pogge, Anderson).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Konzepte von Rawls und Sen, diskutiert die Kritik von Thomas Pogge, untersucht externe Faktoren wie Familie und Umwelteinflüsse sowie die spezifische Frage der Inklusion von Menschen mit Behinderungen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Capability Ansatz", "Primärgüter", "Bewertungsmaßstab", "Menschliche Diversität" und "Synthetischer Ansatz" charakterisiert.

Inwieweit spielt die UN-Behindertenrechtskonvention eine Rolle?

Sie dient im zehnten Kapitel als konkretes Praxisbeispiel ("Probe am Exempel"), um zu untersuchen, ob und wie die theoretischen Ansätze von Rawls und Sen bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Deutschland angewendet werden können.

Warum wird Pogges Kritik als zentral angesehen?

Pogges Aufsatz "Can the Capability Approach be Justified?" dient als wichtige Diskussionsgrundlage, da er versucht, die Überlegenheit des ressourcenorientierten Ansatzes von Rawls gegenüber dem von Sen methodisch zu beweisen, was eine intensive argumentative Auseinandersetzung provoziert.

Ist eine "perfekte Gerechtigkeit" laut Sen erreichbar?

Nein, Sen lehnt die Vorstellung eines Ideals der perfekten Gerechtigkeit als für die Praxis wenig hilfreich ab; stattdessen plädiert er für komparative Ansätze, die soziale Missstände durch schrittweise Verbesserungen mindern.

Was ist die Schlussfolgerung bezüglich Rawls' "Normalmensch"?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Rawls' Idealmodell des "Normalmenschen" zwar eine Vereinfachung zur Strukturierung seiner Theorie bietet, aber zur Erfassung komplexer individueller Bedürfnisse und Behinderungen um Ansätze der Verwirklichungschancen erweitert werden muss.

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Details

Title
Capabilities & primary goods
Subtitle
Das Problem des Bewertungsmaßstabes in den Gerechtigkeitstheorien von Amartya Sen und John Rawls
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Philosophie)
Grade
1,3
Author
Nando Hamker (Author)
Publication Year
2010
Pages
91
Catalog Number
V165904
ISBN (eBook)
9783640817917
ISBN (Book)
9783640821358
Language
German
Tags
Bewertungsmaßstab Sen Rawls Gerechtigkeit Gerechtigkeitstheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nando Hamker (Author), 2010, Capabilities & primary goods, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165904
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