Mit der Frage nach dem eigentlichen Wesen der göttlichen Gnade haben sich im Laufe der Jahrhunderte zweifelsohne schon viele Menschen beschäftigt und dabei die unterschiedlichsten Lösungsansätze gefunden. Zwei von ihnen sollen in der vorliegenden Arbeit genauer beleuchtet werden: Augustin von Hippo und sein Gegenspieler Pelagius. Beide entwickelten von der Gnade Gottes ihre ganz persönlichen Vorstellungen; deren Unterschiede waren jedoch derart eklatant, daß es zu Beginn des 5. Jdh. zu einem Konflikt kam. Kurioserweise kam es im Laufe dieser jahrelangen Auseinandersetzung kein einziges Mal dazu, daß sich die beiden persönlich begegneten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Quellenlage
III. Augustin und seine Theologie
III. 1. Leben und Werk
III. 2. Augustins innere Entwicklung und Theologie
III. 2.1. Exkurs: Der Manichäismus
III. 2.2. Die manichäische Zwei-Prinzipien-Lehre
III. 3. Augustins Bekehrung
IV. Pelagius und seine Theologie
IV.1. Leben und Werk
IV. 2. Das Gottesbild des Pelagius
IV. 2.1. Exkurs: Der arianische Gottesbegriff
IV. 3. Das Menschenbild des Pelagius
IV. 4. praescientia statt propositum
IV. 5. Probleme der pelagianischen Theologie
V. Die Funktion der Gnade bei Augustin und Pelagius
VI. Die Auswirkungen der pelagianischen Lehre in Africa
VI. 1. Die Streitfrage der Kindertaufe (411–413)
VI. 2. Über die Natur und das Konzil von Diospolis (414/415)
VI. 3. Reaktionen der Gegner und Verurteilung des Pelagius (416–418)
VII. Schlußbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den gegensätzlichen Gnadenlehren des Kirchenvaters Augustin von Hippo und seines Zeitgenossen Pelagius, um die Ursachen ihres theologischen Konflikts zu beleuchten.
- Biografische Hintergründe von Augustin und Pelagius
- Vergleichende Analyse der jeweiligen Gottes- und Menschenbilder
- Die Rolle der Gnade als Voraussetzung oder Hilfsmittel für das Handeln
- Geschichtlich-politische Ereignisse und die Verurteilung des Pelagianismus
Auszug aus dem Buch
IV. 2. Das Gottesbild des Pelagius
So unterschiedlich Augustin und Pelagius auch sein mochten, so hatten ihre Theologien durchaus Berührungspunkte. Um dies zu zeigen, soll es zunächst um die Fragestellung gehen, wogegen sich die Polemik des Pelagius richtete, bevor es zur eigentlichen Auseinandersetzung mit Augustin kam.
Sein „theologisches Bollwerk“ errichtete Pelagius vor allem gegen die Anschauungen des Arianismus und Manichäismus. Das Interesse dieser beiden häretischen Glaubensgemeinschaften galt dem christlichen Schöpfungsgedanken, gegen den sie sich auf verschiedene Weisen zur Wehr setzten; die Manichäer griffen ihn an, die Arianer hingegen versuchten ihn zu verändern.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die zentrale Bedeutung der Gnade im Christentum und Vorstellung der beiden Kontrahenten Augustin und Pelagius.
II. Quellenlage: Diskussion der biografischen Quellen zu Augustin, insbesondere seiner Confessiones und der Vita Augustini.
III. Augustin und seine Theologie: Darstellung von Augustins Lebensweg, seiner geistigen Entwicklung, der Auseinandersetzung mit dem Manichäismus und seinem Bekehrungserlebnis.
IV. Pelagius und seine Theologie: Analyse des Lebens von Pelagius, seines Gottes- und Menschenbildes sowie seines Versuchs, die Freiheit des Willens gegen deterministische Lehren zu verteidigen.
V. Die Funktion der Gnade bei Augustin und Pelagius: Gegenüberstellung der beiden Gnadenverständnisse, wobei Augustin die absolute Gnadenabhängigkeit betont und Pelagius Gnade als unterstützende Hilfe für den autonomen Menschen sieht.
VI. Die Auswirkungen der pelagianischen Lehre in Africa: Dokumentation der historischen Konfliktphasen, der Konzile und der schließlich erfolgten Verurteilung des Pelagianismus.
VII. Schlußbemerkungen: Zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung der augustinischen Gnadenlehre und die bleibende Relevanz der Auseinandersetzung.
Schlüsselwörter
Augustin, Pelagius, Gnade, Prädestination, Erbsünde, Manichäismus, Pelagianismus, Gottesbild, Menschenbild, Kindertaufe, freier Wille, Kirchengeschichte, Antike, Konzil von Karthago, Theologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen und theologischen Konflikt zwischen Augustin von Hippo und Pelagius bezüglich ihrer Auffassungen von der göttlichen Gnade.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die menschliche Willensfreiheit, die Erbsünde, das Wesen der göttlichen Gnade sowie die kirchenpolitische Auseinandersetzung im 5. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die jeweiligen Gnadenlehren beider Theologen vergleichend darzustellen und aufzuzeigen, wie es zu einem derart massiven Interessenkonflikt kommen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-theologische Analyse anhand primärer Schriften (z.B. Confessiones) und aktueller Sekundärliteratur angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Biografien, die theologischen Systeme und die eskalierenden historischen Ereignisse wie Konzile und kaiserliche Edikte detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Gnade, Prädestination, Erbsünde, Pelagianismus und der augustinische Einfluss auf das abendländische Denken.
Warum spielt die Kindertaufe eine so wichtige Rolle im Streit?
Für Pelagius war die Taufe nicht für Neugeborene nötig, da diese als schuldlos galten. Augustin hingegen sah die Taufe als unumgänglich an, um von der Erbsünde befreit zu werden.
Wie unterscheidet sich die Auffassung vom freien Willen?
Pelagius betont die Autonomie des Menschen, der sich aus eigener Kraft für das Gute entscheiden kann. Augustin sieht den Menschen hingegen als tiefgreifend abhängig von der göttlichen Gnade.
- Quote paper
- Sieglinde Ziegler (Author), 2010, Augustin von Hippo und sein Gegenspieler Pelagius, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165894