Ist Wladimir Putin in seiner Amtszeit normativen, medizinischen und
ökonomischen Ansprüchen in der Gesundheitspolitik gerecht geworden?
Zunächst sind gesetzlich garantierte Ansprüche der Bevölkerung in der
Gesundheitsversorgung reduziert wurden. Dies entspricht dem Muster seiner Sozialpolitik in den ersten vier Jahren seiner Regierung. Dadurch hat sich sicherlich die Situation für die ärmeren Bevölkerungsschichten verschlechtert, da diese die Differenz in den Leistungen kaum durch eigene Mittelaufwendung überwinden können. Jedoch ist dagegen einzuwenden, dass sich in der Amtszeit Putins in die Mittelschicht konsolidiert und verbreitert hat und dadurch eine breitere Bevölkerungsschicht die Möglichkeit zur privaten Gesundheitsvorsorge besitzt. Das ist sicherlich ein Erfolg einer Sozialpolitik, die vorrangig als „Wirtschaftswachstumspolitik“ verstanden wurde. Jedoch sollten die reduzierten Rechtsansprüche in der Gesundheitsfürsorge sich in Zukunft auch in einer Verfassungsänderung niederschlagen, da Verfassungstext und Verfassungswirklichkeit sich in diesem Bereich (nun auch offiziell) weit entfernt haben...
...Abschließend ist festzuhalten, dass die acht Jahre unter Putin für das russische Gesundheitssystem gute Jahre waren, notwendige Reformen wurden angepackt und der Gesundheitszustand der Bevölkerung hat seine Talsohle durchschritten. Jedoch bleibt der Gesundheitssektor für eine unbestimmte Zeit eine Baustelle, da
die demographischen Probleme Russlands noch gar nicht richtig in Erscheinung getreten sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Russische Gesundheitspolitik – Eine Einführung
2. Ausgangssituation
2.1. Das „Soziale“ in der russischen Verfassung
2.2. Merkmale der russischen Gesellschaft
2.3. Soziale Tradition im Gesundheitswesen
2.4. Föderale Strukturen im Gesundheitswesen
2.5. Wirtschaftliche Ausgangssituation zur Jahrtausendwende
2.6. Gesundheitszustand der Bevölkerung
3. Gesundheitspolitik unter Putin
3.1. Erste Amtszeit
3.2. Zweite Amtszeit
4. Resümee
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Gesundheitspolitik in Russland während der Regierungszeit von Wladimir Putin und analysiert, inwiefern die Reformmaßnahmen den normativen, medizinischen und ökonomischen Anforderungen an ein modernes Gesundheitssystem gerecht wurden.
- Analyse der verfassungsrechtlichen und soziokulturellen Rahmenbedingungen des russischen Gesundheitswesens.
- Untersuchung der strukturellen Defizite und der wirtschaftlichen Ausgangslage um die Jahrtausendwende.
- Bewertung der gesundheitspolitischen Strategien während der ersten Amtszeit Putins mit Fokus auf die Reform des Versicherungssystems.
- Betrachtung der gesundheitspolitischen Neuausrichtung in der zweiten Amtszeit unter dem Aspekt der Korruptionsbekämpfung und Modernisierung.
- Kritische Würdigung der erreichten Fortschritte im Vergleich zu den fortbestehenden demografischen und strukturellen Herausforderungen.
Auszug aus dem Buch
2.2. Merkmale der russischen Gesellschaft
Die russische Soziokultur besticht durch eine gewichtige Rolle des Geistigen, dagegen ist der Materialismus in der Gesellschaft weniger verbreitet. Die Neigung zum Paternalismus bestärkt den Hang zum Kollektivismus der sich z.B. in einer starken Ablehnung sozialer Ungerechtigkeit äußert. Diese soziokulturen Faktoren besitzen sozialökonomische Folgen, die Russland charakterisieren. An westlichen Maßstäben gemessen ist ein geringes wirtschaftlich rationales Verhalten der Russen auszumachen. Kollektive Eigentums- und Wirtschaftsformen sind auch Jahre nach dem Systemwechsel weitverbreitet. Die große Rolle des Staates in der Sozial- und Wirtschaftspolitik hat diesen Wandel ebenfalls überlebt.
Überhaupt wird der Staat nicht nur als Verwaltungsorgan gesehen, sondern auch unter dem Blickwinkel geistiger, sozialer und ökonomischer Werte. Das in der Bevölkerung weit verbreitete Rollenbild von „Vater Staat“ ist demnach stark vom bereits erwähnten Paternalismus geprägt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Russische Gesundheitspolitik – Eine Einführung: Definition des Begriffs Gesundheitspolitik und Skizzierung der zentralen Fragestellung bezüglich der Entwicklung unter Putin.
2. Ausgangssituation: Analyse der sozioökonomischen, verfassungsrechtlichen und strukturellen Bedingungen des russischen Gesundheitssystems vor dem Machtantritt Putins.
3. Gesundheitspolitik unter Putin: Untersuchung der gesundheitspolitischen Reformen und Strategiewechsel während der ersten und zweiten Amtszeit des Präsidenten.
4. Resümee: Kritische Bilanz über die Wirksamkeit der Reformmaßnahmen und Ausblick auf die fortbestehenden Herausforderungen im russischen Gesundheitssektor.
Schlüsselwörter
Gesundheitspolitik, Russland, Wladimir Putin, Paternalismus, Sozialpolitik, Versicherungssystem, Reformen, Korruption, Transformation, Demografie, Lebenserwartung, Gesundheitssystem, Marktmechanismen, Subsidiarität, soziale Sicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die gesundheitspolitische Entwicklung in der Russischen Föderation während der Regierungsjahre von Wladimir Putin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Schwerpunkte sind die strukturelle Analyse des Gesundheitswesens, die Einflüsse russischer Soziokultur und Traditionen sowie die spezifischen Reformschritte unter Putin.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Gesundheitspolitik unter Putin ihren eigenen normativen, medizinischen und ökonomischen Zielen gerecht wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse auf Basis von Literaturstudien, verfassungsrechtlichen Normen und statistischen Daten zur gesundheitspolitischen Entwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ausgangslage und die detaillierte Betrachtung der gesundheitspolitischen Maßnahmen in der ersten und zweiten Amtszeit Putins.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sozialpolitik, Korruptionsbekämpfung, Versicherungssystem, Paternalismus und Gesundheitsreform.
Wie unterschied sich die Reformstrategie zwischen der ersten und der zweiten Amtszeit Putins?
In der ersten Amtszeit standen wirtschaftsliberale Reformen und eine Effizienzsteigerung des Versicherungssystems im Vordergrund, während in der zweiten Amtszeit zentral gesteuerte Investitionsprojekte zur Modernisierung dominierte.
Welche Rolle spielt die russische Verfassung für das Gesundheitssystem?
Die Verfassung garantiert ein Recht auf kostenlose medizinische Versorgung, doch in der Praxis klaffen Anspruch und Realität aufgrund fehlender Finanzierung und Kompetenzwirrwarr weit auseinander.
Warum wird das "Rollenbild vom Vater Staat" in der Arbeit erwähnt?
Dieses Rollenbild erklärt den gesellschaftlichen Paternalismus und die Erwartungshaltung der Bürger gegenüber dem Staat, was Reformen im Gesundheitssektor oft verlangsamt oder verkompliziert.
Was ist das Fazit der Arbeit bezüglich der Erfolge Putins?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass zwar notwendige Reformen angestoßen wurden, das Gesundheitswesen jedoch aufgrund tief verwurzelter Probleme wie Korruption eine Dauerbaustelle bleibt.
- Arbeit zitieren
- Ingmar Herda (Autor:in), 2010, Gesundheitspolitik unter Putin, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165789