„Was will der Staat im Web?“ Mit diesem Titel ihres Buches will Alessia C. Neuroni die Rolle und Reichweite des Internets bei staatlichen Angelegenheiten (E-Government) in der Schweiz, in Italien und in Frankreich aufzeigen und miteinander vergleichen.
Ich werde mich in dieser vorliegenden Hausarbeit auch mit dieser Frage auseinandersetzen, jedoch in Bezug auf die staatlichen Anschauungen und Entwicklungen in puncto E-Government in Frankreich.
Es gibt unterschiedliche internationale Benchmark-Studien (Rankings) als Fortschrittsmessung hinsichtlich E-Government-Services und -nutzung in den ausgewählten Ländern, zum Beispiel bei Accenture, einer US-amerikanischen Unternehmensberatung. Diese besagte in den letzten Jahren in ihrer jährlichen E-Government-Studie über mehr als 20 Länder, dass Frankreich nicht zu den Vorreitern (leaders) im E-Government-Service gehörte und somit wurde es ins gute Mittelfeld eingeordnet. Der Höhepunkt der Leistungsfähigkeit in diesem Bereich wurde also noch nicht erreicht (vgl. ebda. S. 120).
Die Untersuchungsebenen dieser Arbeit sind die Regierungsaktivitäten sowie auf der nationalen Ebene, als auch auf der dezentralen Ebene mit E-Government als Gegenstandsbereich. Hier sollen anhand der Beispiele die Vorstellungen und Zielsetzungen der verschiedenen Programme erläutert werden, nämlich auch in Bezug auf deren Gestaltung und Umsetzung.
Den Weg dafür ebnet zunächst eine allgemeine Darstellung der französischen Verwaltungsorganisation mit den einzelnen Ebenen. Daraufhin beschäftige ich mich mit grundlegenden Fragestellungen des Electronic Government, nämlich mit der Definition des Begriffs und dessen Aufkommen und Entwicklungsweg in Frankreich, sowie des Internets als das Hauptkommunikationsmittel der virtuellen Verwaltung. Die Ursachen des Erscheinens der jungen webbasierten Kommunikation werden ebenso kurz mit angeschnitten. In einem gesonderten Kapitel erfolgt die Schilderung der E-Government-Aktivitäten auf der nationalen und auf der dezentralen Ebene (bei der letzteren allerdings lediglich mit Anführen von Beispielen).
Im Rahmen dieser Hausarbeit arbeite ich folglich darauf hin, an den Leser die Grundzüge des E-Government in Frankreich als neue Form der Verwaltungskommunikation heranzubringen und gleichzeitig einen aktuellen und historischen Überblick des Konzepts zu liefern. Im Schlussteil werden die gewonnen Erkenntnisse noch einmal kurz zusammengefasst und mit einem Blick auf die Zukunft interpretiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Verwaltungsstruktur
3 E-Government
3.1 Definition
3.2 Aufkommen und Entwicklungsweg
4 E-Government auf der nationalen Ebene
4.1 Programme der Regierung
4.2 Das Verwaltungsportal service-public.fr
5 E-Government auf der dezentralen Ebene
5.1 Präfekturen
5.2 Issy-les-Moulineaux: die „cyber-cité“ Frankreichs
6 Fazit
7 Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit analysiert die Entwicklung und Implementierung von E-Government in Frankreich. Dabei wird untersucht, wie die französische Verwaltung das Internet als Werkzeug für staatliche Dienstleistungen nutzt, welche Programme auf nationaler und lokaler Ebene existieren und inwiefern diese zur Modernisierung der Verwaltung beitragen.
- Grundlagen der französischen Verwaltungsstruktur
- Entwicklungsweg des E-Government in Frankreich
- Analyse nationaler Regierungsinitiativen wie PAGSI und ADELE
- Empirische Untersuchung des Portals service-public.fr
- Dezentrale E-Government-Angebote am Beispiel von Issy-les-Moulineaux
Auszug aus dem Buch
3.2 Aufkommen und Entwicklungsweg
Von keiner größeren Bedeutung oder mit anderen Worten kein fundamentaler Auslöser für E-Government-Entwicklung war die Zahl der Internet-Nutzer in der französischen Gesamtbevölkerung. Nach dem „Telecom-Index“ zu urteilen gab es in Frankreich im Jahr 2003 347 PCs pro 1000 Einwohner (34.7%). Davon hatten fast alle (314) einen Internet-Anschluss, also circa 90.5%, den jedoch nur 236 (etwa 68%) nutzten (vgl. Zink 2005: 126). Im Vergleich zu den USA, Schweden, Großbritannien oder auch Deutschland war die „Internet-Penetration“ in Frankreich leicht rückständig (vgl. ebda. S.128), was sich nicht unbedingt vorteilhaft auf die Dynamik des E-Government auswirkte (zu beachten ist allerdings, dass man sich nicht auf diese Zahlen versteifen sollte, da sie nur einen Überblick liefern und verschiedene Erhebungsmethoden auch oft auf unterschiedliche Ergebnisse stoßen). In Deutschland etablierte sich das Internet entsprechend früher und in einer größeren Dimension als in Frankreich.
Schuld an dieser außerordentlichen Antipathie der „Grande Nation“ gegenüber dem Internet hatte wohl auch der lang andauernde Erfolg einer Errungenschaft aus den Achtziger Jahren in Frankreich als bremsender Faktor: das (umgangssprachliche) minitel. Als Vergleich darf man den BTX (Bildschirmtext) aus Deutschland heranziehen. Aus einem Zeitungsbericht der „Zeit“ vom 14. Juni 1996 kann man entnehmen, dass die Franzosen schon 10 Jahre vor dem großen Durchbruch des Internets, nämlich ab 1983, das minitel benutzten, eine Art eigenes Datennetz (télétel), welches sich über das ganze Land erstreckte und „in dem Online-Dienste längst zum Alltagsleben gehören“ (http://www.zeit.de/1996/25/minitel.txt.19960614.xml 2. Abschnitt, besucht am 11.09.2009). Dieses hatte einen bahnbrechenden Erfolg. Mit anderen Worten: das Internet als „Feind“ des guten altbewährten minitel (das eine Menge Staatsgelder für sich beansprucht hat und das von den Franzosen dazu auserkoren war den Weltmarkt zu erobern: „The transformation of the French telephone network from the 'joke of Europe' to the most modern of Europe took some 10 years and a tremendous amount of resources [...]“ (Cats-Baril/ Jelassi 1994: 3)).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein und erläutert die Relevanz des E-Government in Frankreich im internationalen Vergleich.
2 Verwaltungsstruktur: Dieses Kapitel umreißt die hierarchischen und dezentralen Elemente der französischen Verwaltung sowie das Prinzip der Dekonzentration.
3 E-Government: Hier werden Definitionen des Begriffs erörtert und die historische Entwicklung in Frankreich, beeinflusst durch das Minitel, dargestellt.
4 E-Government auf der nationalen Ebene: Dieses Kapitel behandelt Regierungsinitiativen wie PAGSI und das Portal service-public.fr als zentrale Pfeiler der staatlichen Digitalisierungsstrategie.
5 E-Government auf der dezentralen Ebene: Der Fokus liegt auf der lokalen Implementierung, unter anderem durch die Digitalisierung der Präfekturen und das Fallbeispiel Issy-les-Moulineaux.
6 Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Befunde zusammen und reflektiert über die zentralistischen Tendenzen sowie die digitale Spaltung in Frankreich.
7 Quellen- und Literaturverzeichnis: Dokumentation der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
E-Government, Frankreich, Verwaltungsstruktur, Internet, Digitalisierung, Minitel, service-public.fr, Dezentralisierung, PAGSI, ADELE, Issy-les-Moulineaux, Informationsgesellschaft, Verwaltungskommunikation, New Public Management, E-Service
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Umsetzung von E-Government-Strategien im französischen Staatswesen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Verwaltungsstruktur Frankreichs, die Rolle des Internets als Modernisierungsfaktor und die Umsetzung digitaler Dienste auf nationaler sowie lokaler Ebene.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, einen Überblick über das Konzept des E-Government in Frankreich zu geben und zu untersuchen, wie Programme zur Verbesserung der Verwaltungskommunikation gestaltet und umgesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse von Regierungsaktivitäten anhand von theoretischen Ansätzen und empirischen Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der nationalen Programme wie PAGSI und ADELE sowie der Analyse von Praxisbeispielen wie dem Portal service-public.fr und der Stadt Issy-les-Moulineaux.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören E-Government, französische Verwaltungsstruktur, Minitel, digitale Verwaltung und Modernisierung.
Warum wird das Minitel als Faktor für die Entwicklung des E-Government genannt?
Das Minitel war ein erfolgreiches französisches Datennetz, das aufgrund seiner weiten Verbreitung in den 80er Jahren dazu führte, dass sich die Bevölkerung und staatliche Akteure erst später als in anderen Ländern auf das World Wide Web konzentrierten.
Was ist das Besondere an dem Portal service-public.fr?
Es dient als zentrales Verwaltungsportal, das einen gesamtstaatlichen Anspruch erhebt und Informationen sowie Dienstleistungen quer über alle Verwaltungsebenen kompakt bündelt.
Welche Rolle spielt Issy-les-Moulineaux?
Die Stadt fungiert als „cyber-cité“ und dient als Best-Practice-Beispiel für eine kommunale E-Service-Strategie in Frankreich.
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- Eugenia Steinbach (Author), 2009, E-Government in Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165671