Während des Kaiserreichs erlebte die Verehrung der preußischen Königin Luise einen Höhepunkt, indem sie von einem preußischen Kultbild zu einem Nationaldenkmal erhoben wurde.
Zu ihren Lebzeiten trat sie eng verbunden mit bürgerlichen Idealen als Frau, Gattin und Mutter auf. Die Rezeption der Gestalt der Königin Luise hat sich aber durchaus im Laufe der Zeit gewandelt und änderte sich mit dem historischen Kontext, indem mal bürgerliche Ideale, mal emanzipatorische oder auch nationale Forderungen mit ihrem Abbild vertreten wurden. In der gegenwärtigen Forschung sind hier die Begriffe des 'Mythos' und des 'Kultes' leitend. Die Mythenbildung um Luise war nicht starr, sondern dynamisch und wurde je nach zeitgenössischer Intention angepasst, ausgeschmückt oder verengt. Sie diente dazu, ihren Zeitgenossen die Gegenwart zu deuten, begreiflich zu machen und Werte zu vermitteln.
Die Frage dieser Studie lautet, wie das Bild der Königin Luise im deutschen Kaiserreich aussah. Hierzu wird das Berliner Denkmal von Erdmann Encke im Vergleich zu zwei weiteren Luisendenkmälern der Kaiserzeit besprochen: Welche Mythen werden hier vermittelt oder gebildet, und was wollten die Denkmalsetzer damit bewirken?
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Forschungsstand und Fragestellungen
2. Denkmäler und Denkmalpolitik im 19. Jahrhundert
II. Hauptteil
1. Luisendenkmal im Berliner Tiergarten
1.1 Entstehungshintergründe und Enthüllungskontext
1.2 Standort
1.3 Beschreibung des Denkmals
1.3.1 Standbild
1.3.2 Sockelrelief
2. Weitere Luisendenkmäler im deutschen Kaiserreich
2.1 Das Tilsiter Denkmal
2.2 Das Magdeburger Denkmal
3. Vergleich der drei Luisendenkmäler
III. Schlussbetrachtungen
Abschließendes Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und den Wandel des Luisenkults im Deutschen Kaiserreich, indem sie das Berliner Luisendenkmal von Erdmann Encke in den Kontext der zeitgenössischen Denkmalpolitik stellt und vergleichend den Denkmälern in Tilsit und Magdeburg gegenüberstellt. Ziel ist es, die politische Instrumentalisierung von Mythen anhand der bildhauerischen Darstellung der preußischen Königin Luise zu analysieren und deren Bedeutung für die Identitätsstiftung sowie die Legitimation des Hohenzollern-Kaisertums zu ergründen.
- Analyse der Denkmalserrichtung als Teil des politischen Diskurses über die Nation im 19. Jahrhundert.
- Untersuchung der ikonografischen Gestaltung und deren Bedeutung für die Rollenbilder der Königin (z.B. Mutter, Monarchin, politische Akteurin).
- Vergleich der Denkmalserfahrungen unter Berücksichtigung von Standort, Entstehungshintergrund und öffentlicher Wahrnehmung.
- Deutung der symbolischen Verwendung von Attributen wie der Rose im Kontext historischer Ereignisse.
Auszug aus dem Buch
1.3.1 Standbild
Das Marmordenkmal hat eine Gesamthöhe von 8 Metern. Das Standbild Luises ist ca. 3 Meter hoch. Es steht auf einem Rundsockel, der ein umlaufendes Relief und die bereits erwähnte Inschrift aufweist.
Luise trägt ein unter der Brust geschnürtes Chemisenkleid mit Puffärmeln und langer, wulstiger Schleppe. Zwar wurde das Chemisenkleid Luises Zeit nachempfunden, jedoch entsprach es in seiner Üppigkeit dem Zeitgeschmack des Kaiserreichs. Desweiteren trägt sie einen Schleier und ein Diadem krönt ihren nach unten geneigten Kopf. Sie erscheint hier nicht mit der noch populäreren Halsbinde, mit welcher Luise oft abgebildet wurde. Die Gestaltung des Kopfes ähnelt vornehmlich Rauchs Büste von 1816.
Luise verharrt in einer Contra-Post-Stellung. Unter dem Rock zeichnet sich ihr linker Oberschenkel ab. Ihre herabhängende Linke liegt am Körper parallel zum Oberschenkel an und greift die Schleppe, welche bis über die Standfläche des Sockels hinausfällt. Luises rechte Hand ruht auf ihrer Brust, womit sie gleichfalls ihren Schleier zusammenhält.
Die Darstellung der preußischen Monarchin weist wenige herrschaftliche Attribute auf. Lediglich das Diadem und die Inschrift des Rundsockels weisen auf Luises Stand als Königin hin. Dabei ist noch zu erwähnen, dass in der Inschrift Luise und ihr Sohn Kaiser Wilhelm I. nebeneinander gestellt werden, ohne dass das Verwandtschaftsverhältnis explizit formuliert wird. Dieses Detail wird für die Frage interessant sein, inwiefern Luise als des Kaisers Mutter oder Mutter der Nation dargestellt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Forschungsstand zur preußischen Königin Luise als Nationalmythos und bettet die Denkmalserrichtung in den historischen Kontext der Denkmalpolitik des 19. Jahrhunderts ein.
II. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse des Berliner Luisendenkmals – einschließlich seiner Standbild- und Reliefgestaltung –, die Vorstellung weiterer Luisendenkmäler in Tilsit und Magdeburg sowie einen direkten Vergleich dieser drei Denkmäler hinsichtlich ihrer ikonografischen Botschaften.
III. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und verdeutlicht, dass die Denkmäler unterschiedliche politische Ansprüche – von nationalen Identitätskonzepten bis hin zu emanzipatorischen Tendenzen – transportierten und der Legitimation des Kaisertums dienten.
Schlüsselwörter
Luisenkult, Königin Luise, Preußen, Denkmal, Kaiserreich, Nationaldenkmal, Denkmalsstiftung, Mythos, Ikonografie, Erdmann Encke, Erinnerungskultur, Berlin, Tilsit, Magdeburg, Identitätsstiftung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die kunsthistorische und politische Bedeutung von Luisendenkmälern im Deutschen Kaiserreich am Beispiel des Berliner Denkmals von Erdmann Encke sowie der Pendants in Tilsit und Magdeburg.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Instrumentalisierung von Geschichte durch Denkmäler, die Entwicklung des "Luisen-Mythos" und wie diese Denkmäler zur Legitimation des Kaisertums und zur Identitätsstiftung beitrugen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie das Bild der Königin Luise im Kaiserreich gestaltet wurde, welche politischen Botschaften durch die Denkmalserrichtungen vermittelt werden sollten und wie sich die Denkmalssetzer damit in den politischen Diskurs einbrachten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin verwendet eine kunsthistorische Bildanalyse in Kombination mit einer historisch-kontextuellen Untersuchung, um die Denkmalskulpturen, deren Reliefprogramme und deren städtebauliche sowie politische Einbettung zu bewerten.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungskontexte, Standorte und die detaillierte formale Ausgestaltung der Denkmäler, insbesondere die Unterschiede in der Körperhaltung und Attributierung (z.B. die Rose als Symbol), sowie den Vergleich dieser Darstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind unter anderem Luisenkult, Nationalmythos, Denkmalspolitik, Ikonografie und preußische Identitätsstiftung.
Warum ist die „Rose“ in den Darstellungen von Tilsit und Magdeburg so bedeutsam?
Die Rose verweist als Attribut auf das historische Gespräch zwischen Luise und Napoleon und hebt so das aktive, politische Engagement der Königin hervor, was die Denkmäler von der passiveren Berliner Darstellung unterscheidet.
Inwiefern unterscheiden sich die Denkmäler in ihrer politischen Aussage?
Während das Berliner Denkmal die übergeordnete nationale Bedeutung und die Legitimation des Hohenzollern-Kaisertums betont, bieten die Denkmäler in Tilsit und Magdeburg stärkeren Spielraum für lokal-patriotische oder sogar emanzipatorische Deutungen.
- Arbeit zitieren
- Trixi Held (Autor:in), 2007, Luisenkult - Das Denkmal der Königin Luise von Erdmann Encke im Berliner Tiergarten 1876-1880 im Vergleich zu weiteren Luisendenkmälern der Kaiserzeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165378